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Wann das Görlitzer Gesundheitsamt testet

Die Unwissenheit ist groß, wie das Beispiel der Görlitzer Skilager-Kinder zeigte. Das Gesundheitsamt bemüht sich um Klarheit.

Von Daniela Pfeiffer
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Alle bislang bekannten Testergebnisse der Görlitzer Skilager-Rückkehrer sind zum Glück negativ.
Alle bislang bekannten Testergebnisse der Görlitzer Skilager-Rückkehrer sind zum Glück negativ. © dpa

Am Sonntag hatte Ulrike Bitterlich im Nieskyer Emmaus-Krankenhaus Bereitschaftsdienst. Einen, der der Nieskyer Neurologin und Psychiaterin schon etwas chaotisch vorkam. Die Ärztin würde sich eine zentrale Anlaufstelle für Menschen, die Verdacht auf Corona-Infektion haben, wünschen - so wie das andere Orte bereits eingerichtet haben.

Denn während der Bereitschaftssprechstunde habe sie gemerkt, dass vieles nicht gut organisiert sei. So seien Patienten bei Ankunft sortiert worden: Corona-Verdächtige wurden zur Notaufnahme verwiesen, andere durften in die kassenärztliche Sprechstunde. Aber selbst dort hat Frau Bitterlich noch zwei Patienten zum Test geschickt. Offensichtlich sind die Testabstriche dann erst am Montag früh ins Labor geschickt worden. Auf das Ergebnis einer Person wartete Frau Bitterlich heute Vormittag noch.

Eltern organisierten Testung ihrer Kinder selbst

Ähnlich verwirrend war die Situation am Wochenende auch in Görlitz, als 60 Schüler und neun Betreuer des Joliot-Curie-Gymnasiums aus dem Skilager in Österreich zurückkehrten. Zwar hatten Lehrer während der Rückfahrt Kontakt zum Gesundheitsamt aufgenommen, doch sah dieses keinen Grund, etwas zu unternehmen. 

Aus Sorge hatten die Eltern schließlich am Sonnabendvormittag selbst das Testen ihrer Kinder organisiert und das bei einer Ärztin - selbst Mutter einer der Skilager-Teilnehmer - letztlich durchgeführt wurde. Zumindest für alljene, die am Sonnabend erreicht wurden.  

Aufatmen: Tests sind negativ

Die meisten können inzwischen aufatmen. Nach zwei Tagen des Wartens auf die Ergebnisse der am Sonnabend durchgeführten Corona-Tests bekamen sie am Montag die erlösende Nachricht: Negativ.

Drei Tage nach einer SZ-Anfrage am Sonnabend meldete sich nun auch das Landratsamt und bestätigt, dass mit Stand Montagabend keiner der bislang getesteten Skilager-Teilnehmer ein positives Ergebnis hatte. Allerdings meldete sich heute Morgen wieder eine Mutter eines der betreffenden Kinder. "Wir hatten gestern Mittag den Test wie auch einige andere und warten noch auf das Ergebnis. Somit müssen wir als Eltern bis zum Ergebnis zu Hause bleiben."

Denn die Schule hatte vorsorglich kommuniziert, dass die Skilager-Rückkehrer und ihre Familien in Quarantäne gehen sollen. Vom Landkreis bekam offenbar auch die Schule am Wochenende keine Auskunft dazu, wie es nun weitergehen soll. Und das, obwohl das Robert-Koch-Institut (RKI) Tirol am Freitag zum Riskiogebiet erklärte und Rückkehrer häusliche Quarantäne ans Herz legte. Schulleiter Wolfgang Mayer informierte die Eltern daraufhin per E-Mail darüber, dass es keine Möglichkeit gibt, „am Wochenende mit dem Gesundheitsamt offene Fragen zur häuslichen Quarantäne zu klären“. Und weiter: „Welchen Personenkreis die Behörde mit der Anordnung zu erfassen gedachte, lässt sich leider erst am Montagmorgen klären. Wir bedauern, Ihnen jetzt keine andere Auskunft geben zu können.“

Landkreis sah keinen Anlass, Kinder zu testen

Der Landkreis Görlitz beruft sich in seiner inzwischen vorliegenden Stellungnahme ebenfalls auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes (RKI). Über diese Verfahrensweise sei zum einen in diversen Pressemitteilungen des Landkreises hingewiesen worden, zum anderen seien diese Informationen einschließlich der entsprechenden Verlinkung auf der Homepage des Landkreises Görlitz veröffentlicht worden. 

Erst wenn eine Person positiv auf Covid 19 getestet werde, erhalte das Gesundheitsamt die Meldung vom zuständigen Labor. In einem solchen Fall werden dann die Kontaktpersonen ermittelt. Die positiv getesteten Personen und Kontaktpersonen mit höherem Infektionsrisiko werden vom Gesundheitsamt anschließend unter Quarantäneauflagen gesetzt und entsprechend beraten. Sollte jemand Kontakt zu einer positiv getesteten Person gehabt haben und/oder aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sein und grippeähnliche Symptome bekommen, soll er sich zunächst telefonisch an seinen Hausarzt wenden, der das weitere Vorgehen besprechen wird.

Ohne Symptome wird man auch nicht getestet

Ist jemand aus einem Risikogebiet zurückgekehrt und hat keine Symptome, dann wird er nicht getestet und erhält auch keine Quarantäneauflagen vom Gesundheitsamt, heißt es weiter. Ebenso verhält es sich mit Personen, die jetzt nicht unmittelbar im Kontakt zu positiv getesteten Personen waren und demnach nicht zu Personen mit höherem Infektionsrisiko zählen. Daran hat man sich offenbar im Fall der Skilager-Rückkehrer gehalten. 

Zur Notwendigkeit von Testungen werde aktuell auf die Homepage des Robert-Koch-Institutes verwiesen: Hier wird die Frage: "Ist ein Test ohne jedes Krankheitszeichen sinnvoll?" wie folgt beantwortet: "Eine Labordiagnose sollte nur bei Krankheitszeichen durchgeführt werden zur Klärung der Ursache. Wenn man gesund ist, sagt ein Test auf Covid-19 nichts darüber aus, ob man krank werden kann. Zudem würden damit die Testkapazitäten unnötig belastet." (mit SZ/gla)

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