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Corona-Lied am letzten Schultag

Die Musikalischen unter den Görlitzer Joliot-Curie-Gymnasiasten überraschten ihre Mitschüler mit einer besonderen Aufführung am Wilhelmsplatz.

Die Schülerband spielte "In Krisen wie diesen" nach der Melodie von "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen.
Die Schülerband spielte "In Krisen wie diesen" nach der Melodie von "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen. © Nikolai Schmidt

Etwas verdutzt waren viele Joliot-Curie-Gymnasiasten am Freitagmorgen schon, als ihnen bei der üblichen Pausenrunde Ulf-Carsten Zippel, Curie-Mitarbeiter, einen Zettel mit einem Songtext in die Hand drückte. Mancher hatte sich ohnehin schon gewundert, über die kleine Bühne und die vielen Mikrofone, die da aufgebaut waren. Und was hatten die Schüler eigentlich gemacht, die frühmorgens mit dem Zollstock den Rasen vermessen hatten?

Jeder auf seinem Kreide-Pünktchen: Weil die Abstandsregelung es nicht zuließ, dass alle Schüler zugleich auf dem Wilhelmsplatz stehen, wurde das Programm zweimal aufgeführt.
Jeder auf seinem Kreide-Pünktchen: Weil die Abstandsregelung es nicht zuließ, dass alle Schüler zugleich auf dem Wilhelmsplatz stehen, wurde das Programm zweimal aufgeführt. © Nikolai Schmidt

Für den nötigen Abstand gesorgt und den auch mit Kreide markiert. Denn damit die geplante Überraschung nicht noch den Corona-Auflagen zum Opfer fiel, hatte die Schule sich mit dem Gesundheitsamt verständigt und das gab grünes Licht - wenn denn die Abstände gewahrt blieben. Blieben sie dann auch. Jeder Schüler hatte seinen eigenen Kreidepunkt, von dem aus er schließlich verfolgen konnte, was vorne passierte. Dort positionierte sich nämlich die Schülerband auf der Bühne - samt dem stellvertretenden Schulleiter Andreas Müller - und nebenan nahm der Chor Aufstellung. 

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All der Aufwand allein für die Übergabe des Joliot-Curie-Preises an die jeweiligen Jahrgangsbesten? Denn das war das, was den nicht eingeweihten Schülern vorher gesagt worden war. Doch ganz so war es nicht. 

Der Schulchor des Joliot-Curie-Gymnasiums.
Der Schulchor des Joliot-Curie-Gymnasiums. © Nikolai Schmidt

"Wir haben schwierige Zeiten hinter uns", eröffnete schließlich Hannes Ludwig von der Schülerband das Programm. "Aber einen Abschluss so ganz ohne Zusammensein, das wäre schade." Und so habe man sich ein Programm ausgedacht, um ein "cooles Ende" des irren Schuljahres zu gestalten. Eine Musikstunde im Freien quasi - bewusst geheimgehalten und nicht als Schulveranstaltung deklariert, damit ja nicht noch etwas dazwischen kommt. Ulf-Carsten Zippel vom Gymnasium hatte die ganze Sache wochenlang federführend mit vorbereitet. Es gab Proben mit Solisten, Chor und Band - mal im Gymnasium, mal in der Musikschule "Time to groove", mit der die Schülerband eng verbandelt ist. 

Es gab Abstimmungen mit Behörden - zum Beispiel, dass der Wilhelmsplatz abgesperrt und nur für die Schüler nutzbar sein durfte. Und natürlich ein extra Hygienekonzept. Das stand glücklicherweise nicht im Widerspruch zum Eiswagen, der ebenfalls als Überraschung vorfuhr. 

Keine heißen Temperaturen am letzten Schultag, aber trotzdem war der Eiswagen der Renner.
Keine heißen Temperaturen am letzten Schultag, aber trotzdem war der Eiswagen der Renner. © Nikolai Schmidt

Doch zuvor wurde gesungen. Im Fokus stand der Song "In Krisen wie diesen", den Schüler und Lehrer zur Corona-Zeit gedichtet hatten, und der zur Melodie des Toten-Hosen-Songs "An Tagen wie diesen" gesungen wurde. Alle ihre Sorgen und Gefühle zu den zurückliegenden Monaten haben sie hineingelegt, vom leeren Fahrradständer und Mopedparkplatz, von Quarantäne, vom LernSax-Programm. 

Und der Corona-Song bekommt sogar einen eigenen Beitrag in der Schülerzeitung, die am Freitag erschien. Hier wird noch einmal erzählt, wie es zu der besonderen Aktion kam, an der auch Andreas Müller großen Anteil hatte. Und dass der Song der Toten Hosen nicht zufällig ausgewählt wurde. Denn unter den vielen Veranstaltungen, die Corona zum Opfer fielen, war auch ein Konzert der Band in Dresden, das Herr Müller mit seiner Familie eigentlich hatte besuchen wollen. "An Tagen wie diesen", einer der größten Hits der Düsseldorfer Band, geisterten dem stellvertretenden Schulleiter im Kopf herum und schon fielen ihm einige Zeilen ein, die sich auch noch reimten. Damit war die Idee geboren. 

Schulleiter mahnt zur Vorsicht

Die Schüler fanden es toll - und auch Schulleiter Wolfgang Mayer war begeistert. "Das verrückteste Schuljahr endet mit der coolsten Joliot-Curie-Preis-Übergabe, die wir jemals hatten", sagte er und mahnte die Schüler zum Schluss, in den Ferien Corona trotz allem nicht ganz zu vergessen und vorsichtig zu sein. Damit alle am 31. August gesund wieder zurück sein können - hoffentlich zu einem "neuen Schuljahr nach alten Regeln".

Hier gehts zum Video

Und das ist der Liedtext:

In Krisen wie diesen

Ich wart' seit Wochen auf diesen Tag,

und tanz' vor Freude auf dem Wilhelmsplatz.

Als wär's ein Rhythmus, als gäb's ein Lied,

das mich ohne Corona durch Görlitz zieht.

Komm' dir entgegen, dich abzuhol'n,

 wie ausgemacht, früh um halb Achte, am selben Treffpunkt wie letztes Mal.

Doch kein Gedränge, keine Schülermenge

der Wilhelmsplatz, der ist von Menschen leer.

Der Fahrradständer, der Mopedparkplatz 

es gibt keinen Schülerbeförderungsverkehr.

Es ist jetzt leise, so eine Sch.... wie ihr mir fehlt.

Dass die andern warten, um mit mir zu starten.

In die Schule geh'n

[Refrain]

In Krisen wie diesen

Wünschen wir uns Endlichkeit

In Krisen wie diesen

Hätt' ich für Schule ewig Zeit

Wünschen wir uns Endlichkeit

[Strophe 2]

Hoffentlich nicht ewig, reicht schon für heute

Das Land steht still für viele Wochen lang.

Und meine Lehrer treiben mich weiter.

Ich mach' mir Sorgen, doch sie geben auf mich Acht.

Wir lassen uns treiben, tauchen im LernSax

im Datenstrom.

Doch nur mit Abstand und ohne Willi

ist Schule doof.

[Refrain]

In Krisen wie diesen

Wünschen wir uns Endlichkeit

In Krisen wie diesen

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