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Currysauce statt Skiwachs

Danielo Müller aus Oybin war jahrelang als Chef-Techniker beim Biathlon gefragt. Nun wechselt er samt Lkw das Metier.

© Matthias Weber

Von Mario Sefrin

Oybin. Eigentlich wollte Danielo Müller vor ein paar Tagen in Oybin-Hain Curry-Wurst aus seinem neuen Food-Truck verkaufen. Doch diese Generalprobe hat er aufgrund des Wetters verschoben. „Bei diesen Temperaturen hält doch keiner an, um eine Currywurst zu kaufen“, erklärt der 45-Jährige und zieht den Reißverschluss seiner Winterjacke zu.

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Das ist der Food-Truck, mit dem er unterwegs ist.
Das ist der Food-Truck, mit dem er unterwegs ist. © Matthias Weber

Der Termin ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Wenn es wieder wärmer sei, werde die Generalprobe stattfinden, sagt Danielo Müller. Auf seinem Grundstück in Oybin-Hain will dann er schauen, wo es beim Grillwurst-Verkauf aus seinem Food-Truck, einem umgebauten Mercedes-Lkw, noch klemmt und was verbessert werden kann. Für ihn ist dieser Probelauf von großer Bedeutung – schließlich will Danielo Müller bald auf großen Veranstaltungen im sportlichen und kulturellen Bereich seine einzigartigen Currywürste verkaufen.

Mit Großveranstaltungen kennt sich Danielo Müller aus. In den vergangenen Jahren war er als Betreuer von drei Nationalmannschaften im Biathlon-Profisport unterwegs. Erst im Januar endete der Vertrag mit der weißrussischen Biathlon-Nationalmannschaft, wo Danielo Müller als Chef-Techniker auch für Ski-Superstar Darja Domratschewa zuständig war. „Ich habe diesen anstrengenden Job viele Jahre gemacht und war auch sehr zufrieden damit“, sagt Danielo Müller.

Er selbst hat als Kind mit dem Leistungssport begonnen und lange gemeinsam mit dem Bertsdorfer Skiläufer und Gesamtweltcupsieger René Sommerfeld trainiert. „Wir haben uns fünf Jahre ein Zimmer an der Sportschule in Klingenthal geteilt“, sagt Müller, der aus Polenz bei Neustadt stammt. Vor zehn Jahren hat es ihn mit seiner Frau und zwei Kindern nach Oybin-Hain verschlagen. Heute ist er froh, am Fuß des Hochwalds einen Fixpunkt in seinem Leben gefunden zu haben, an den er zu seiner Familie zurückkehren kann und wo er Ruhe findet.

Das neue Leben in seiner Wahlheimat Oybin-Hain war es auch, das Danielo Müller nach neuen persönlichen Perspektiven suchen ließ. „15 Jahre im Skizirkus sind eine lange Zeit, und ich werde ja auch nicht jünger“, sagt Müller. Da er als gelernter Hotelkaufmann bereits gastronomische Erfahrungen gesammelt hat, unter anderem mit der Betreibung des Cafés im Jonsdorfer Gebirgsbad, kam er auf die Idee, aus seinem einstigen Technik-Lkw für Biathlon-Wettkämpfe den heutigen Food-Truck zu machen. „Wo früher einmal Langlaufski für die Biathlon-Weltmeisterschaft präpariert wurden, steht heute eine moderne Hotel-Gastroküche“, erzählt Danielo Müller. Zuvor musste der Lkw völlig entkernt werden, um Platz für die Küche und eine Starkstromanlage zu bekommen. Müller staunt heute noch darüber, wie schnell das ging. „Von der Planung bis zur Fertigstellung sind nur vier Wochen vergangen“, sagt er. Zu verdanken habe er das vor allem der guten Zusammenarbeit mit regionalen Handwerkern, ergänzt Danielo Müller.

Auch bei seinem künftigen Geschäftsfeld setzt Danielo Müller auf einheimisches Expertenwissen. „Oft ist ja eine Currywurst nur eine Bock- oder Bratwurst mit Ketchup und Currypulver darauf“, sagt der Oybiner. Nicht so in seinem Food-Truck: „Ich verkaufe Würste der Zittauer Fleischerei Schüttig, die bereits Curry als einen Bestandteil haben. Darauf kommen eine von einem Starkoch kreierte Sauce und original Curry-Gewürze aus Indien in verschiedener Schärfe.“ Danielo Müller ist überzeugt davon, dass die Leute seine Currywurst – wahlweise mit Pommes oder Brötchen – lieben werden, auch wenn der Preis dafür etwas teurer ist als bei gewöhnlichen Currywürsten.

Verkaufen will er seine Produkte, wozu auch Borschtsch und Sandwiches gehören, künftig im Sommer und im Winter. „Der Plan ist, dass ich mit meinem Food-Truck im Sommer bei Sport- und Musikevents dabei bin und es im Winter beim Biathlon-Weltcup versuche“, sagt Danielo Müller. Er hofft dabei, auch eine Vielzahl von Kontakten nutzen zu können, die er sich in den Jahren im Profisport aufgebaut hat. Er ist jedenfalls guter Hoffnung, dass seine Pläne aufgehen wie gewünscht. „Im Moment bin ich mit mehreren Veranstaltern im Gespräch, mit einigen sogar in Vertragsverhandlungen.“

Klappt alles, dann stehen ihm bei seinen Verpflegungseinsätzen bei den Großveranstaltungen auch stressige Tage bevor, das weiß Danielo Müller. Doch er freut sich darauf: „Wenig Schlaf und viel Arbeit bin ich ja gewohnt“, sagt der Oybiner.