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Zwischen Wilisch und Kipse

Freital zeigt Malerei von Maler Curt Querner, einem Urgestein des Osterzgebirges.

Curt Querner malte „Die alte Hütte in Börnchen“ 1943. Das Aquarell stammt aus der Sammlung von Hellmuth Heinz.
Curt Querner malte „Die alte Hütte in Börnchen“ 1943. Das Aquarell stammt aus der Sammlung von Hellmuth Heinz. © Städtische Sammlungen Freital

Wenn der Schnee geschmolzen war, aber der Winter das Erzgebirge noch im Griff hatte, das war die Zeit von Curt Querner. Er malte die Tauwetterlandschaften des Osterzgebirges und sein Heimatdorf Börnchen in unendlichen Varianten. Die Gasse, in der er wohnte, mit den schiefen Zäunen. Alte Häuser, den Blick über die Felder. 

Es ist immer ein wenig düster in seinen Bildern. Nie sind sie lichtdurchflutet oder gar sommerlich bunt. Höchstens gönnte er dem Horizont einen rötlichen Lichtstreif, wenn die Sonne sich abends verzupfte. Nie sieht man sattes Maigrün, selten sind seine Bilder so farbenfroh wie das hier abgebildete Aquarell mit den roten und blauen Dächern und den Mohnblumen. 

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Gemalt hat es Querner 1943, zu sehen ist es jetzt in der Ausstellung auf Schloss Burgk, die die Städtischen Sammlungen Freital gemeinsam mit dem Lohgerber-, Stadt- und Kreismuseum Dippoldiswalde eingerichtet hat. Beide Häuser haben ihre schönsten Querners vereint: Freital besitzt wunderbare Aquarelle, von denen viele einst der ehemalige Museumsdirektor Hellmuth Heinz zusammentrug. Dippoldiswalde hat zahlreiche Ölgemälde von Querner im Bestand, die leider derzeit alle im Depot lagern. 

2018 wurde die Osterzgebirgsgalerie im Schloss Dippoldiswalde, in der sie 20 Jahre lang zu sehen waren, geschlossen. Die Stadt hat dort mit hochkarätigen Leihgaben vom Landesamt für Archäologie eine Ausstellung mit mittelalterlichen Funden aus dem Bergbau des Erzgebirges – kurz Miberz genannt – eingerichtet. Eigentlich war dafür ein Neubau hinter dem Lohgerbermuseum geplant. Aber der war der Stadt zu teuer. Also zog die Kunst aus dem Schloss aus und die Bergbauarchäologie ein. Thomas Klein, Direktor des Lohgerbermuseums, sagt: „Wenn das Museum nach der Sanierung im kommenden Frühjahr wieder komplett öffnet, werden wir auf 90 Quadratmetern in der Mansarde die Kunst des Osterzgebirges präsentieren.“ Zwar ist das nicht einmal ein Drittel der Fläche, die die Kunst im Schloss zur Verfügung hatte. Klein will öfter die ausgestellten Werke wechseln, um den Besuchern immer wieder Anreize zu bieten, ins Museum zu kommen. 

Auch die Lohgerberwerkstatt und die Stadtgeschichte werden neu eingerichtet. Schon im Advent will das Museum einen Teil des Hauses mit einer Weihnachtsausstellung öffnen.Querner ist ein Urgestein des Osterzgegebirges, gehört in die Region wie der Erzbergbau und die Gerberei. Er kam 1904 in Börnchen zur Welt und war eine prägende, aber auch eigenwillige Künstlerpersönlichkeit in Sachsen. Prägend, weil er kein Blatt vor den Mund nahm. Eigenwillig, weil er bei Wind und Wetter mit dem Aquarellkasten in die Landschaft zog. Weil er in Börnchen Aktbilder von der drallen Herta malte, egal, was die Nachbarn redeten. Kinder aus dem Dorf saßen ihm Modell und der alte Bauer Rehn. Ein grandioser Typ! „Seine Hände sind wie Wurzeln groß und schwer, die Gestalt, die aussieht wie ein verdorrender Eichenknorzel, hager, x-beinig, langsam, aber unendlich fest und zäh“, schrieb Querner ins Tagebuch. So ausdrucksstark seine Porträts, so kernig waren seine Worte. Als er die Schriftstellerin Marianne Bruns porträtierte, schimpfte er im Tagebuch über ihre Unzuverlässigkeit. Das spiegelt sich in dem Porträt. Sie meinte, das sei sie nicht und wollte es nie in einer Ausstellung zeigen. Nun ist es zu sehen.Querner malte lieber in Börnchen, als sich in Dresden die Zeit stehlen zu lassen vom Gelaber der Funktionäre. Im September 1962 notierte er über die Dresdner Kunstszene: „Gefühl von Einheitsbrühe. – Wurstfett. Gleichförmigkeit, Mittelmäßigkeit! 

Hurra! … Asso-Schau? Wird für mich Scheiße! Totaler Sieg des Mittelmaßes, der Nullen!“ Lieber als das Dresdner Albertinum besuchte er wohl die Freitaler Sammlungen auf Schloss Burgk. Im September 1963 fuhr er mit seiner Frau Regina in die Ausstellung und hielt hinterher fest: „Sonniger diesiger Tag. Freital-Burgk. Mit Gina Ausstellung. Sammlung Eberle. Die sehr schönen frühen Dixe, sehr schöner Lachnit. Sehr schöne Radierungen. Menschen nicht viel, leider, in dieser ausgezeichneten Schau ,Dresdner Kunst der 20er Jahre‘.“Wie sehr er Dix verehrte, sieht man in der Schau an einer kleinen Silberstiftzeichnung, einer Pflanzenstudie von 1935. So etwas kennt man von Querner nicht.Über seine Zeitgenossen richtete Querner mit Sätzen wie: „Wer macht ihnen den Mut, das Zeug über die Atelierschwelle zu tragen?“ Dass er „von Herzen zutiefst misstrauisch gegen dieses, was sie jetzt als Kunst bezeichnen und preisen“ war, gehört zu den gemäßigten Kommentaren.Freunde hat er sich damit nicht gemacht. 

Ansprüche an seine eigene Arbeit ließ er sich nicht einreden, er formulierte sie selbst und war auch dabei nicht zimperlich. „Eindringlich will ich die Sachen, auf den Grund gehen“, schrieb er im Mai 1949 ins Tagebuch. Und im Januar 1950: „Gestern malte ich die Hütte um, die ich am 29.12. angefangen hatte. Ich Esel, male den schönen silbergrauen Ton weg, da Sonne ist. In der Hast mache ich es farbiger und heute habe ich Ärger gleich beim Aufstehen, als ich mir die Arbeit ansah. Sie ist nicht schlecht, aber zu lange dran gemalt.“Trotz seiner engen Freundschaft zum Freitaler Museumsleiter Hellmuth Heinz wurde Querner so richtig bekannt erst nach seinem Tod 1976 – mit wachsender Fangemeinde. Weil seine Bilder ehrlich sind und ungeschönt und in ihrer Düsternis die Härte des Bauernlebens zeigen.

Ausstellung „Gemeinsam – Vereint“ bis 2. August auf Schloss Burgk in Freital, Altburgk 61. Geöffnet Di – Fr 12 - 17 Uhr, Sa/So 10 - 17 Uhr.

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