merken
PLUS

Da ist Musike drin

Der stadtbekannte Keyboard-Lehrer Leopold Nagel legt mit seinem neuen Buch eine Autobiografie vor.

Von Susanne Plecher

Schon als Dreijähriger hat es Leopold Nagel mit seiner Passion in die Zeitung geschafft. Damals berichteten „Der Vogtländische Anzeiger“ und die „Neuer Dresdner Presse“ von dem kleinen Jungen, der in „Konzerten, die er im Rundfunk hört, jedes einzelne Instrument“ erkennt und dem „seine kleine Geige schon mehr als ein Spielzeug“ bedeutet.

Anzeige
Sächsische Staatskapelle erklingt wieder
Sächsische Staatskapelle erklingt wieder

Mit Symphonie-, Sonder- und Kammerkonzerten spielt die Sächsische Staatskapelle wieder mit Publikum in Dresden bis Saisonende.

In seinem Keyboard-Studio empfängt Leopold Nagel nach wie vor an vier Tagen in der Woche seine Schüler. Ans Aufhören mag er nicht denken, selbst die Ferien sind ihm ein Graus. „Der Unterricht ist meine Verbindung zu den jungen Leuten“, sagt er. Schon als
In seinem Keyboard-Studio empfängt Leopold Nagel nach wie vor an vier Tagen in der Woche seine Schüler. Ans Aufhören mag er nicht denken, selbst die Ferien sind ihm ein Graus. „Der Unterricht ist meine Verbindung zu den jungen Leuten“, sagt er. Schon als © Anne Hübschmann

Die Geige, eine Spielzeugvioline aus Blech, mit echtem Holzsteg und den Saiten g/d/a/e gibt es nicht mehr. Nagels Elternhaus ist zu Kriegsende ausgebombt worden, das hat sie nicht überstanden. Sein Vater hatte dem heute 83-Jährigen den ersten Violinunterricht erteilt. Vater und Mutter Nagel waren nicht nur im Geigenspiel bewandert. Sie beherrschten auch die Mandoline, Gitarre, Zither und die Mundharmonika. Sie legten ihrem Sohn die Liebe zur Musik, wie es gemeinhin so schön heißt, mit in die Wiege. Seither steht Leo Nagels Leben unter ihrem Stern. Was sie für ihn bedeutet, welche mäandernden Wege er ging, um sie sich immer zu erhalten, das lässt sich nachlesen in der jüngst erschienen Autobiografie „Leopold – Ein Musikerbild“. Der Buchtitel ist mit Bedacht gewählt, schildert Nagel doch sein Leben im Zeichen der Musik. Sie ist das tragende, verbindende Element.

Der stadtbekannte Keyboard-Lehrer hat in dem schmalen Bändchen gewissermaßen einen musikalischen Rückblick auf acht Lebensdekaden gewagt. Man erfährt von den Anfängen, von der Freude an den Tönen und Melodien. Der Leser gewinnt Einblicke in die musikalische und menschliche Entwicklung des gebürtigen Plaueners und liest sich leicht und beschwingt durch die politischen Systeme und das Alltagsleben, das in ihnen geführt wurde. Nagel war Bäcker und Freundschaftspionierleiter, er war Schulleiter und Deutsch- und Musiklehrer. Mit 60 Jahren hat er sich das Keyboardspiel angeeignet und bald darauf Unterricht gegeben. In seinem eigenen Keyboard-Studio tut er das noch immer. 167 Großenhainer hat er bislang unterrichtet. Der Jüngste ist sechs, die Älteste hat das Rentenalter längst erreicht. Viele seiner Schüler werden namentlich erwähnt, kommen mit lebensnahen, spontanen Äußerungen zu Wort.

Ein jedes Kapitel ist mit einem Liedtitel überschrieben. Feinsinnige Illustrationen von Jane Uschner stimmen zusätzlich auf das ein, woran sich Leopold Nagel erinnert. Die gebürtige Großenhainerin war selbst Keyboard-Schülerin in seinem Studio. Gemeinsam haben sie bereits den Gedichtband „Begegnung. Bildgedichte, Gedichtbilder“ veröffentlicht. Die 30-jährige Jane Uschner lebt zwar seit einiger Zeit in Eckernförde, der gemeinsamen Arbeit hat das aber keinen Abbruch getan. Leo Nagel schickte ihr sein Textmanuskript, sie entwickelte den Satz und die Illustrationen. Die meisten hat Nagel sofort übernommen, nur manche, sagt er, mussten noch einmal überarbeitet werden. „Es ist ein Glücksfall jemanden zu finden, der so gut malen kann“, würdigt er Jane Uschners Talent. Die Vignetten sind überwiegend grafische Arbeiten, gezeichnet mit Bleistift, Buntstift, Tusche.

Weiterführende Artikel

Ältester Keyboard-Lehrer wird 90 Jahre

Ältester Keyboard-Lehrer wird 90 Jahre

Leopold Nagel unterrichtet noch immer in seinem kleinen Studio. Dabei ist der Großenhainer vielleicht eine deutschlandweite Einmaligkeit.

Der ehemalige Deutschlehrer hat schon immer gern geschrieben, auch Biografisches. Für sein jüngstes Buch hat er ein wenig in den eigenen Notizen gespickt, gibt er zu. Die sind sehr umfangreich. Ob es ein weiteres Gemeinschaftswerk geben wird? Derzeit sei nichts geplant, sagt er. Jane Uschner hingegen meint lachend: „Ich kenne ihn schon ein bisschen. Er gibt noch keine Ruhe.“ Das scheint ihr Recht zu sein.

Leopold - Ein Musikerbild. Eine illustrierte Lebensgeschichte. Leo Nagel & Jane Uschner. Books on Demand, 15,99 Euro. ISBN: 978-3-7322-5490-3