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„Da verschieben sich die Prioritäten“

Zwei junge Unternehmer aus der Sächsischen Schweiz machen in Hoyerswerda ihr Ding – auch wenn es nicht leicht ist.

John Albrecht Arko und seine Schwester Nicole sind die Inhaber der Jana Backwaren Vertriebsgesellschaft mbH. Sie betreiben seit zwei Jahren sechs Filialen in Hoyerswerda, darunter das Flaggschiff „Stadtcafé“ in der Kirchstraße.
John Albrecht Arko und seine Schwester Nicole sind die Inhaber der Jana Backwaren Vertriebsgesellschaft mbH. Sie betreiben seit zwei Jahren sechs Filialen in Hoyerswerda, darunter das Flaggschiff „Stadtcafé“ in der Kirchstraße. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Die Butter in Scheiben auf einem Tellerchen, die Marmelade als ordentlicher Klecks im Schälchen. Die kleinkonfektionierte Ware in Plastik ist vom Tisch. Und in der Karte stehen jetzt bei den Frühstücksangeboten „Der kleine Hoyerswerdaer“, das „Lausitzer“ oder das „Seenland“-Frühstück. Das mit der Abfallvermeidung war Nicole Arko und ihrem Bruder John Albrecht Arko nach der Neueröffnung des Stadtcafés, das wochenlang zuerst wegen Corona und dann wegen eines Wasserschadens hatten schließen müssen, gleich wichtig. 

Bei den lokalen Bezügen der Frühstücksnamen reagierten sie auf konstruktive Kritik vor Ort. Vorher gab es dort Frühstücksnamen, die Königstein in der Sächsischen Schweiz, wo sich der elterliche Betrieb befindet, schmeichelten. Dort wird jetzt produziert, was in Hoyerswerda auf den Tisch kommt. Aber das Regionalkolorit stellte man dann her. Was nicht nur mit dem Druck von neuen Speisekarten verbunden war, sondern mit dem Umprogrammieren des gesamten Kassensystems.

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Für die beiden Unternehmer waren es keine einfachen Jahre. Sie waren 23 bzw. 22 Jahre alt, als Insolvenzverwalter Frank-Rüdiger Scheffler von der Kanzlei Tiefenbacher Insolvenzverwaltung im Februar 2018 mitteilte, dass die beiden mit ihrer frisch gegründeten Firma Jana Backwaren Vertriebsgesellschaft mbH sieben Filialen der insolventen Bäckerei Pieprz GmbH & Co. KG übernehmen würden. Der Name „Pieprz“ ging mit über. Letztlich weder einfach für den ehemaligen Besitzer, der am alten Stammsitz nur 100 Meter entfernt wieder neu anfing, noch für die jungen Unternehmer von außerhalb.

Er Bäckermeister, sie kurz vor Beendigung des BWL-Studiums mit Vertiefung in Richtung Food Management. Sie sind die vierte Generation des Familienunternehmens Schmidt und waren im Rahmen des Insolvenzverfahrens auf das Angebot in Hoyerswerda aufmerksam geworden. Das Interesse war geweckt, man rechnete, schaute sich alles an, kalkulierte den täglichen Lieferweg von 80 Kilometern ein und gründete schließlich die eigene Firma.

Eine Filiale in Schleife, sechs in Hoyerswerda und Teile des Verwaltungstandortes im Gewerbegebiet Nardt samt kleinem Lager und Eisproduktion übernahmen sie. „Wir beschäftigen 47 Leute, das sind umgerechnet rund 37 Vollzeitstellen“, sagt Nicole Arko. Natürlich muss der Laden laufen. Wenn es sein muss, steht sie auch mal im Ladengeschäft hinterm Verkaufstresen. Er ist handwerklich begabt und repariert gern selbst. Zudem arbeitet man natürlich mit Fachfirmen zusammen, habe da auch zuverlässige Partner gefunden. Ansonsten kümmern sie sich natürlich ums Geschäft, die Sicherung des Qualitätsmanagements und die Eisproduktion. „Betriebswirtschaftlich verbessern wir uns kontinuierlich“, sagt Nicole Arko. Die Umsätze steigen, die Resonanz bei den Kunden sei gut. Doch in den letzten beiden Jahren haben sie ordentlich Lehrgeld gezahlt. Dass es aufgrund des Insolvenzverfahrens einen Investitionsstau gibt, war ihnen klar, schildert John Albrecht Arko. Allerdings kam es schlimmer als gedacht. Er zählt einen Wartungsstau bei Kassen, Kühlung und Backöfen auf. Anderes musste repariert oder gleich ganz neu gekauft werden. Wer sich mal mit den Preisen für Profi-Equipment befasst hat, weiß, dass das eigentlich immer gleich in die Tausende Euro geht.

Das Stadtcafé in der Kirchstraße, gleich gegenüber des Alten Rathauses, ist das Flaggschiff der Filialen. Nein, das Gebäude gehört nicht ihnen. Sie sind nur Mieter. Doch Baupfusch von früher fiel ihnen auf die Füße – vom ungedämmten Dach bis zur feuchten Außenwand. Dann kam auch noch Corona und damit die Schließung. Per Zufall entdeckten sie einen kapitalen Wasserschaden. Über Monate oder Jahre hatte es ein kleines Leck in einer Leitung gegeben. Als man Mitte Mai eigentlich wieder hätte öffnen und mit dem Café Geld verdienen können, mussten sie wegen Bauarbeiten weiter schließen – bis Ende Juni. „Da verschieben sich dann mal ganz schnell die Prioritäten“, sagt John Albrecht Arko. Eigentlich wollte man nämlich einen neuen Lkw kaufen. Der alte muss jetzt eine Weile länger seinen Dienst verrichten. Nicole Arko sagt unumwunden: „Das zerrt alles einfach an den Nerven.“

Und dann gibt es da noch solche Dinge wie die Frage, wie denn der neue Werbeschriftzug auf dem Dach aussehen darf. Arkos ist klar, dass sie mit dem Café im Fokus stehen. Auch was die Altstadtbelebung anbelangt. Nicole Arko lobt Citymanagement und den neuen Wirtschaftsförderer: „Wir finden es schön, dass die Leute auf uns zukommen“. Eigentlich wollten sie sich in diesem Jahr am Boulevard mit der Betreibung der „Blauen Terrasse“ beteiligen. Corona und Kurzarbeit ließen sie davon schnell Abstand nehmen. Aber sie wollen ihres zur lebendigen Stadt beitragen. Am 26. August wird bei ihnen beispielsweise Harfenistin Thea Scholz ab 15 Uhr spielen.Und dann schauen sie natürlich auch auf die anderen Filialen. Als nächste soll die im Treff-8-Center aufgehübscht werden. Arkos arbeiten sich Schritt für Schritt voran. Dabei darf es gern auch mal um Details gehen.

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