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Dabei ist doch alles ganz einfach

Prof. Friedrich Wenzel aus Celle schreibt über einen Besuch in Meißen und seine Erfahrung im Bahnhof: Nach Meißen hin kam ich im Auto mit Freunden, die wie ich die berühmte Manufaktur zum Ziel hatten; den weiteren Weg wollte ich mit der Bahn fortsetzen.

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Prof. Friedrich Wenzel aus Celle schreibt über einen Besuch in Meißen und seine Erfahrung im Bahnhof:

Nach Meißen hin kam ich im Auto mit Freunden, die wie ich die berühmte Manufaktur zum Ziel hatten; den weiteren Weg wollte ich mit der Bahn fortsetzen. Den Meißener Bahnhof sah ich zum ersten Mal – ein alter, ein lichter, schöner und großer Bahnhof, der Schönheit und Bedeutung der Stadt durchaus entsprechend, mit großer Vorhalle. Es gibt sogar noch einen richtigen Fahrkartenschalter, der sich zwar schon Service-Center oder so ähnlich nennt, aber ohne das leidige, lange Wartezeiten einleitende Nummernziehen arbeitet. Ich kam also gleich dran. Die erotische Ausstrahlung und Lebendigkeit der jungen Dame hinter dem Schalter war so überwältigend, dass ich vergaß, meine Bahncard ins Spiel zu bringen. In Anbetracht der Größe des Bahnhofs vergaß ich jedoch nicht, nach dem Bahnsteig zu fragen. Zu meinem Erstaunen brachte ich die junge Dame damit in Verlegenheit. Ich solle mal gucken, wahrscheinlich Gleis 1 oder 2. Das war mir aber in Anbetracht der Größe des Bahnhofs dann doch zu ungenau und ich fragte noch einmal die Dame im Backwarenkiosk, die aber wohl auch nicht den Bahnhof als solchen benutzt, denn sie sagte, sie wisse es nicht genau, aber ich solle mal auf Gleis 3 und 4 nachgucken. Ich stellte mich auf eine längere Sucherei ein, aber die Angelegenheit vereinfachte sich schon am Aufgang zu Gleis 1 und 2, denn dieser war durch einen Bauzaun versperrt. Weiter musste ich systematisch vorgehen. So erstieg ich den Bahnsteig zu Gleis 3 und 4. Von hier aus erbot sich ein unerwartet kompletter Überblick über die gesamte Gleisanlage und so ungläubig ich auch meine Augen mehrmals schweifen ließ, sie fanden nur ein einziges Gleis: Gleis 3. Diese Bezeichnung ist eigentlich überflüssig. Die beiden Damen hätten einfach sagen können: Gehen Sie zum Gleis, das ist es.