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Familienbande auf dem Dach

Vor 100 Jahren wurde die Dachdeckerei Löbel in Bielatal gegründet. Marco Löbel führt die Firma inzwischen in vierter Generation - auch durch die Corona-Krise.

Dachdeckermeister in vierter Generation: Marco Löbel aus Bielatal.
Dachdeckermeister in vierter Generation: Marco Löbel aus Bielatal. © Norbert Millauer

Höhenangst darf er nicht haben: Wenn Marco Löbel hoch über dem Boden­ auf einem Dach steht und mehrere Kilogramm schwere Ziegel in der Hand hält, ist ein guter Gleichgewichtssinn gefragt. Den hat der 35-Jährige quasi in die Wiege gelegt bekommen: Von seinem Vater Andreas, Opa Gerhard und Uropa Max. Letzter hat den Grundstein für die Dachdeckerei Löbel gelegt. 1920, vor genau 100 Jahren, als er die Firma in Bielatal gründete.  

Heute führt Marco Löbel das Unternehmen - in der vierten Generation. 2017 hat er die Geschäfte von Vater Andreas übernommen. Dass er einmal in dessen Fußstapfen treten wird, zeichnete sich früh ab. "Auch, weil mein Bruder im Gegensatz zu mir nicht schwindelfrei ist", erzählt Marco Löbel. Schon als Kind sprang er bei Papa im Büro herum, in dem die Meisterbriefe hängen. In den Ferien verdiente er sich als Schüler auf den Baustellen etwas dazu. "Schon mit fünf wusste ich, dass ich einmal Dachdecker werden wollte", erinnert sich Marco Löbel. Nach der Schule begann er dann eine Ausbildung zum Dachdecker. Allerdings nicht im eigenen Familienunternehmen, sondern in Rathmannsdorf. "Das war eine ganz bewusste Entscheidung", sagt er. Löbel lernte andere Abläufe kennen, andere Werkzeuge und Arbeitsweisen. Der Blick über den Tellerrand, wie er es nennt, hatte ihm und dem Familienbetrieb gut getan. 

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Gute Lehrlinge schwer zu finden

Sechs Mitarbeiter gehören heute zu seinem Team. Die Hälfte sind Dachdecker, hinzu kommen zwei Zimmerleute und ein Dachklempner. Ein weiterer kommt im August dazu. Dann beginnt ein Lehrling aus dem Ort eine Ausbildung bei Marco Löbel. "Guten Nachwuchs zu finden, ist schwieriger denn je", sagt der Firmenchef. Viele junge Leute seien es nicht mehr gewohnt, mit den Händen zu arbeiten, sich schmutzig zu machen oder zeitig aufzustehen. Das Handwerk hätte es deshalb besonders schwer. Löbel ist daher froh, einen Azubi gefunden zu haben, der bereits bei der Ferienarbeit gezeigt hat, dass ihm der Job liegen könnte. 

Marco Löbel und seine Mitarbeiter fahren meist schon um 6 Uhr auf die Baustelle. Vor allem im Sommer, wenn es tagsüber zu heiß zum Arbeiten ist, klingelt der Wecker besonders früh. "Dafür sind wir gegen 15 Uhr im Feierabend", erklärt er. 

Genug Aufträge bekommt er. Auch in der aktuellen Corona-Situation. Kurzarbeit, wie bei anderen Branchen, musste Löbel nicht anmelden. Im Gegenteil. "Im Moment kann ich gar nicht alle Aufträge annehmen, so eine große Nachfrage gibt es", sagt er. Dafür müsste er expandieren. Sich vergrößern, das will der Dachdeckermeister aber nicht. "Denn ich will die Qualität halten, die wir bieten", sagt er. 

Söhne als mögliche Nachfolger

Wenn Marco Löbel nicht im Büro Aufträge abarbeitet oder auf der Baustelle ist, genießt er die Zeit mit seiner Familie. Zu der gehören seine Frau und insgesamt drei Söhne. Der Älteste ist 4 Jahre alt, die Zwillinge erst 18 Monate. Ob einer der drei Jungs einmal den Familienbetrieb übernehmen wird? "Dafür sind sie noch zu jung", sagt Marco Löbel. Seine Kinder sollen beruflich das machen können, was sie wollen. "Ich würde mich natürlich freuen, wenn der Betrieb in Familienhand bleibt, ein Muss ist das aber nicht", erklärt er. Er selbst kann sich nicht vorstellen, in einem anderen Beruf zu arbeiten. "Es ist mein absoluter Traum", sagt er.

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