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Leben und Stil

Psychoreport: Macht uns der Job eher krank als früher?

Psychische Probleme bleiben einer der häufigsten Gründe für Krankschreibungen. Eine Berufsgruppe ist besonders betroffen. Doch über die Ursachen wird gestritten.

© Julian Stratenschulte/dpa (Symbolbild)

Man könnte beim Blick auf die Zahlen meinen, die Deutschen hätten über die Jahre einen heftigen seelischen Knacks erlitten: 1997 fiel im Schnitt jeder Arbeitnehmer rund 0,7 Tage im Jahr aus, weil er psychische Probleme hatte – 2017 waren es schon 2,5 Tage pro Jahr. 

2018 gab es erstmals einen leichten Rückgang auf rund 2,4 Fehltage, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Psychoreport der DAK-Gesundheit hervorgeht. Im Ländervergleich fehlten die Bayern am seltensten wegen psychischen Krankheiten, die Saarländer am häufigsten. Sachsen liegt leicht über dem Bundesdurchschnitt. Was ist die Ursache für die immer noch hohen Zahlen? Machen uns der Alltag oder der Job heute eher psychisch krank als früher?

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Die Sparkassen-Versicherung Sachsen ist auch in dieser außergewöhnlichen Situation für ihre Kunden da.

Nicht unbedingt, findet DAK-Vorstandschef Andreas Storm: „Vor allem beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heute kein Tabu mehr.“ Deshalb werde auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen. Doch auch heute reagieren nicht alle Betriebe verständnisvoll genug auf diese äußerlich nicht direkt erkennbaren Krankheiten, kritisiert Storm. Linke, Grüne und der Deutsche Gewerkschaftsbund verweisen dagegen auf einen gestiegenen Arbeitsstress. Sie fordern vom Gesetzgeber eine Anti-Stress-Verordnung und Arbeitsschutzkontrollen in Unternehmen.

© SZ-Grafik

Psychische Erkrankungen sind inzwischen die dritthäufigste Ursache für Ausfälle nach orthopädischen Problemen und Atemwegserkrankungen. Über den Untersuchungszeitraum von 20 Jahren hinweg fehlten Arbeitnehmer am häufigsten wegen Depressionen. Dahinter folgen Anpassungsstörungen, die zum Beispiel nach Schicksalsschlägen oder einschneidenden Veränderungen im Leben auftreten. Danach kommen neurotische Störungen und Angststörungen. Burnout hat seit 2012 deutlich an Relevanz verloren.

Die Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde fordert mehr Früherkennung und Prävention, denn die meisten psychischen Erkrankungen manifestierten sich bereits in den ersten Lebensjahrzehnten.

Der Report zeigt, dass die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen mit dem Alter kontinuierlich zunimmt. Bei den über Sechzigjährigen liegt sie dreimal so hoch wie in der Altersgruppe Anfang Zwanzig. Frauen sind zudem deutlich häufiger wegen Seelenleiden krankgeschrieben als Männer. 

Die meisten Fehltage wegen psychischer Erkrankungen verzeichnet die DAK bei Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung. Hier seien insbesondere die nicht-verbeamteten Lehrer betroffen, in der Gesundheitsbranche die Pfleger. Am seltensten fehlen Mitarbeiter in Restaurants, Supermärkten und Lebensmittelfirmen sowie in der IT-Branche. (dpa/rnw)