merken
PLUS

Döbeln

Damit Altes die Neuzeit überlebt

Am Denkmaltag genießen hunderte Neugierige fantastische Ausblicke von Türmen und interessante Einblicke hinter sonst verschlossene Türen.

Steffen Delang wurde ausgezeichnet, weil er sich um die historische Bausubstanz verdient gemacht hat.
Steffen Delang wurde ausgezeichnet, weil er sich um die historische Bausubstanz verdient gemacht hat. © Foto: André Braun

Denkmalpreis für Steffen Delang

Zum zehnten Mal hat der Landkreis Mittelsachsen an einem Tag des offenen Denkmals stellvertretend drei Menschen geehrt, die sich um historische Bausubstanz verdient gemacht haben. Zu ihnen gehörte mit Steffen Delang auch ein Mann, der nicht hier in der Region ansässig ist, diese von Berufswegen aber besser kennt, als mancher Einheimischer.

Dr. Steffen Delang war im Landesamt für Denkmalpflege über Jahre für die Region Döbeln zuständig und hat in dieser Zeit zahlreiche Projekte begleitet. Dazu gehören das Retten und die Sanierung des Klosters Buch sowie die Restaurierung der Stadtkirche St. Nicolai in Döbeln.

Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

„Grundanliegen waren ihm stets das Bewahren erhaltungswürdiger Zeitzeugen, das Verstehen der Bauherren und Antragsteller und die Suche nach einem tragfähigen Kompromiss“, so Jörg Liebig von der mittelsäschsischen Denkmalschutzbehörde in seiner Laudatio. Dass man in einer Findungsphase nicht immer einer Meinung sein könne, sei sicher verständlich. Aber es komme darauf an, wie man miteinander umgehe und ob man ein Grundverständnis füreinander entwickeln könne. Dies sei Delang bestens gelungen, so Liebig.

Fast 20 Jahre auf die Turmbesteigung gewartet

© Foto: Dietmar Thomas

Schlange stehen ist am Holländerturm in Döbeln angesagt. Das hat mehrere Gründe. Denn seit 19 Jahren ist erstmals wieder eine Besteigung dieses Wahrzeichens möglich, das nach seiner Sicherung und Sanierung wieder ein besonders schickes Postkartenmotiv geworden ist.

Schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Startschuss sind die ersten Besucher auf den Staupitzberg gekommen. Eine Stunde später sind es bereits 100 Leute, die schon oben waren oder noch mehr oder weniger geduldig anstehen. Denn mehr als sieben, acht Interessierte dürfen aus Sicherheits- und Platzgründen nicht in den Turm. Und ehe die nächsten grünes Licht erhalten, müssen die Vorgänger erst wieder unten sein.

Das dauert seine Zeit. Denn die meisten genießen den Ausblick und erfreuen sich auch an den Details, die sie beim Auf- und Abstieg entdecken. Für Handläufe auf jeder Seite der Treppe sind zum Beispiel jene dankbar, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, sich aber die Besteigung des Turmes nach so langer Zeit nicht entgehen lassen wollen.

„Wir waren als erste oben“, sagt Familie Dugas, als sie freudestrahlend wieder durchs Eingangstor verschwindet. Das Ehepaar bezeichnet sich als Nachbarn. „Wir wohnen gleich dort drüben in der Siedlung, konnten unser Haus von oben sehen.“ Dass der Turm wieder geöffnet hat, findet Familie Dugas prima. „Er ist herrlich geworden“, schwärmen die beiden.

Um den Wartenden die Zeit zu verkürzen, haben die Döbelner Heimatfreunde Historisches über den Holländerturm zusammengetragen und lassen Zeitzeugen etwa an Funkübungen auf dem Turm zu DDR-Zeiten erinnern. Die Heimatfreunde freuen sich wie die Besucher, dass die Eigentümerfamilie Ettrich der Öffentlichkeit ermöglicht, den Turm wieder zu besteigen. Das stellt Sven Ettrich auch für die nächsten Denkmaltage in Aussicht.

Als dem Brot noch Dampf gemacht wurde

© Foto: Dietmar Thomas

Mathias Möbius, inzwischen Chef der gleichnamigen Großbäckerei mit Stammsitz in Oederan, hat am Sonntag die historische Backstube im Roßweiner Stammhaus des Unternehmens geöffnet. Dort wurde um 1930 mit einem Dampfbackofen gearbeitet, der neben vielen anderen Utensilien aus damaliger Zeit noch in der Museumsbackstube im Keller zu bestaunen ist. Zum Schul- und Heimatfest 2015 öffnete er die Räume zum ersten Mal. Seitdem hat er das Gebäude mit frischer Farbe versehen und ein Hofcafé eingerichtet.

Neue Ausstellung beendet Museumssaison

© Foto: Dietmar Thomas

Der Tag des offenen Denkmals ist für die Mitglieder des Heimatvereins Niederstriegis stets der Tag, an dem die meisten Besucher zu ihnen nach Littdorf finden. An der Schnauder wird an diesem Tag wieder in der Schmiede gehämmert. Diesmal klatschten noch die Dreschflegel aufs Getreide, ein Spinnerad surrte und die Besucher durften sich selbst versuchen: Kartoffeln ernten, drechseln und noch einiges mehr war möglich. Außerdem zeigte Heimatfreund Peter Eberhard aus Otzdorf erstmals zusammengetragene Apotheker-Utensilien. Die Sonderausstellung und das Museum selbst können auf Anfrage auch in der Winterpause angeschaut werden. (DA/sig/dth)

Mehr zum Thema Döbeln