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Damit der Haufen nicht vor der Teddy-Hexe brennt

Maifeuer-Veranstalter haben ausgeklügelte Strategien, um ihren Holzhaufen vor boshaften Kokelern zu schützen.

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Von Anja Beutler und Romy Kühr

Hose, Hemd, Jackett – und schon ist aus dem altersschwachen löchrigen Plüschteddy eine Hexe geworden. Für die Kleinen der Kita Naseweis in Lauba ist das Hexenmachen ein jährliches Ritual. Und damit auch ein ordentlicher Hexenhaufen vorhanden ist, für den die Kinder am Vormittag des letzten Apriltages mit einem langen, festlichen Zug ihre Hexe abliefern, gilt es Opfer zu bringen: Fünf Tage – und vor allem Nächte – lang bewachen Mitglieder von Jugendfeuerwehr und Jugendclub den wachsenden Scheiterhaufen. Auch Benjamin Oehme ist dabei: „Manche nehmen extra Urlaub für die Zeit, manche kommen nach der Nacht- oder Spätschicht vorbei – wir sind immer eine kleine Truppe vor Ort“, sagt er. Und sie werden vom Dorf unterstützt: Bäcker Mersiowsky bringt den Wachen frühmorgens Kaffee und Brötchen. Sie selbst wärmen sich nachts an einem kleineren Feuer und genießen die besondere Romantik, erzählt Oehme. Das gehört in Lauba eben dazu.

Dass es in der Tat besser ist, einen Holzhaufen fürs Maifeuer zu bewachen, zeigen die jüngsten Fälle in der Umgebung: In Schönbach haben Unbekannte vor einer Woche das – im Grunde illegal angehäufelte – Reisig angezündet, das die Einwohner schon vor dem offiziellen Annahmetermin abgeladen hatten. Auch im Landkreis Bautzen hat es am vergangenen Wochenende bereits reichlich gequalmt: 20 Hexenhaufen – unter anderem in Malschwitz, Sohland, Crostau und Taubenheim – sind hier vorzeitig in Flammen aufgegangen.

Die Schönbacher sind also kein Einzelfall – hatten aber noch Glück im Unglück: „Es ist nicht alles abgebrannt“, sagt Thomas Neumann vom Schönbacher Fußballverein, der das Walpurgis-Spektakel mit der Gemeinde organisiert. Aber verärgert ist er – wie auch die Feuerwehr – schon. Denn gelagert waren die Reisighaufen in Nähe des Waldrandes beim Schützenhaus. „Das ist schon kriminell, wenn so ein Haufen angezündet wird“, sagt Neumann. Da hätte mehr passieren können. Dabei hatten die Organisatoren vorgebaut: „Offiziell beginnt die Annahme von Brennmaterial am 29. April und ab diesem Tag bewachen wir den Haufen auch“, sagt Neumann. Außerdem hatte die Gemeinde schon vor einiger Zeit eine Schranke anbringen lassen, um Holzsablagerungen zu verhindern.

Um gar nicht erst in die Bredouille zu kommen, halten es viele Vereine und Veranstalter der großen Maifeuer so: Erst am 30. April wird der große Haufen gesetzt, dürfen die Bürger ihr Holz anliefern. Da gibt es vorab auch nichts zu bewachen. So wird es beim großen Feuer am Olbersdorfer See gehandhabt, das jährlich zahlreiche Besucher anzieht und bei dem auch Schausteller ihre Fahrgeschäfte aufstellen.

Auch die Friedersdorfer schichten ihren Haufen erst kurz vor der eigentlichen Veranstaltung auf, sagt Daniel Rißmann vom Friedersdorfer Karnevalsklub (FKK), der alles organisiert. Erst am Donnerstag selbst können Einwohner Zweige, Äste und anderes Holz zur Festwiese unweit der Grundschule bringen. Dort sind Mitstreiter des FKK dann den ganzen Tag vor Ort.

In Oybin hat man ebenfalls eine eigene Lösung gefunden: Uwe Hiltscher vom Förderverein der Oybiner Jugendfeuerwehr hat die großen Stämme, für die einige Kameraden an zwei Samstagen im Wald zugange waren, zwar schon im Kurpark vor Ort. „Aber sie sind noch nicht gestapelt“, sagt er. So sind sie nicht so leicht zu entzünden. Hiltscher hält diesen neuen Trend, die Holzhaufen vorher anzuzünden für eine absolute Unsitte: „Das ist nicht nur gefährlich, das richtet bei einem Verein enormen wirtschaftlichen Schaden an: Da sind Musiker gebucht, Essen und Getränke bestellt – und dann fehlt der Haufen? Eine solche Pleite will niemand erleben.

Auch die Oderwitzer nicht: Vor einigen Jahren ist ihnen das tatsächlich einmal passiert. Doch jetzt gibt es einen Plan B. Daniel Schädlich von der Oberoderwitzer Feuerwehr, die gemeinsam mit dem Jugendclub das Hexenfeuer organisiert, hat nämlich abgesehen vom offiziellen Haufen im Gewerbegebiet unterhalb des Spitzberges noch einen geheimen Reservehaufen. „Wenn der offizielle Haufen wirklich einmal abbrennen würde, hätten wir noch Holz“, sagt er. Und diese Reserve ist auch der Grund, warum die Oderwitzer in den Tagen zuvor keine Wache stellen. „Wobei viele von uns ohnehin sehr nah dran wohnen“, räumt Schädlich ein.

Mit diesem doppelten Boden hoffen die Oderwitzer auf ein schönes Hexenfeuer. Die Hexe dafür ist schon längst fertig: Die Oderwitzer Grundschulkinder haben – wie es Tradition ist – eine Hexe gebastelt. Sie war sogar einen Monat lang im Gemeindeamt zu bestaunen. Auf ein Wort