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Döbeln

Damit die Feuerwehren einsatzfähig bleiben

Die Kameraden übernehmen keine Tragehilfen und Türöffnungen mehr. Auch auf anderes verzichten sie.

Die Corona-Krise wird auch für die Feuerwehren zu einem Kraftakt werden. Schon jetzt sind sie angehalten, nicht mehr in voller Besatzung zum Einsatz auszurücken, um Kräfte zu sparen.
Die Corona-Krise wird auch für die Feuerwehren zu einem Kraftakt werden. Schon jetzt sind sie angehalten, nicht mehr in voller Besatzung zum Einsatz auszurücken, um Kräfte zu sparen. © Erik-Holm Langhof

Döbeln. Bei Bränden, bei Verkehrsunfällen, zur Rettung von Personen – in Notlagen kann keiner auf sie verzichten, die ehrenamtlichen Helfer der hiesigen Feuerwehren. Doch auch diese sind zurzeit vom Coronavirus bedroht. Und können ihren Dienst schon jetzt nicht mehr in vollem Umfang ausführen.

„Wir sollen keine Tragehilfen oder Türnotöffnungen mehr machen“, sagte Döbelns Wehrleiter Thomas Harnisch am Mittwochmorgen. Diese Aufgaben sollen in Zukunft von den Rettungsdiensten übernommen werden. Auch wenn die Einsatzkräfte zu einem Corona-Patienten eilen, sollte der erste Kontakt möglichst vom Rettungsdienst erfolgen. So zumindest sieht es die Fachempfehlung des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen vor, die auch an die örtlichen Wehren ausgehändigt worden ist. „Das ist unsere Handlungsempfehlung und daran halten wir uns auch“, sagte Wehrleiter René Greif aus Hartha.

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Der Verband hat mit dem Referat Einsatz die Empfehlung erarbeitet, die regelmäßig aktualisiert wird. „Sie wird dankbar angenommen“, sagt Thomas Kreher, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Verband. Dieser könne jedoch nicht in die Strukturen der Feuerwehren eingreifen. Diese Hoheit obliege dem Freistaat, dem Landkreis sowie den Städten und Gemeinden. Die wiederum stimmten dann das Vorgehen mit ihren Wehrleitern ab.

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Personal im Einsatzfall wird allerdings in Döbeln, solange die Kameraden zur Verfügung stehen, bisher nicht reduziert. Nach wie vor sitzen neun Personen im Wagen, sagt Thomas Harnisch. Doch nicht jeder soll am Einsatzort sofort ausrücken. „Es sollen erst einmal zwei Mann die Lage erkunden“, beschreibt Harnisch. 

René Greif in Hartha reduziere seine Mannschaft bei den Einsätzen schon, auch, um Kräfte zu sparen. Statt mit neun Kameraden seien die Einsätze auch mit fünf oder sechs Mann denkbar. „Ziel muss es sein, ressourcenschonend nur die mindestens für die Einsatzbewältigung erforderlichen Kräfte in vorbestimmten Einheiten zu alarmieren und zum Einsatz zu bringen“, lautet die Empfehlung dazu vom Verband. 

Die Leisniger Kameraden sind während der Corona-Krise bereits zu einem Verkehrsunfall ausgerückt. Und hätten dort auch darauf geachtet, dass nicht gleich die ganze Mannschaft zu den Opfern geht, sagte Leiter Bernd Starke. „Wir können jetzt nur noch mehr mit dem Kopf rangehen und dürfen uns nicht ins Geschehen stürzen.“

Vom Verband empfohlen wird derzeit unter anderem auch eine regelmäßige Abfrage der Einsatzbereitschaft der Kameraden. „Das erfolgt via Telefon oder über Gruppenchats“, erklärte Greif. Zweimal pro Woche werde der Krankenstand in der Leisniger Wehr erfasst, teilte Leiter Bernd Starke mit. Alle seien darauf hingewiesen worden, bei Symptomen auf die Teilnahme an Einsätzen zu verzichten. Bisher gebe es keinen krankheitsbedingten Ausfall.

Infektionsrisiken meiden

Damit das so bleibt, sind die Kameraden zu besonderer Vorsicht angehalten. Alle gemeinsamen Aktivitäten der Feuerwehren liegen derzeit auf Eis. Wenn, dann treffen sich die Kameraden nur noch zu den Einsätzen. Gemeinsame Dienste, Übungen, Versammlungen finden nicht mehr statt. „Es ist ja nur für ein paar Monate. Da passiert nichts. Wir sind ja keine Neulinge mehr“, bewertete Bernd Starke den Ausfall. „Nur die Gerätewarte schauen ab und zu nach der Technik“, so Starke weiter. Er sowie die anderen Wehrleiter hoffen, dass die Kameraden von dem Virus oder einer Quarantäne verschont bleiben.

Was passiert, wenn ein Teil der Kameraden selbst erkrankt oder in Quarantäne ist, bleibt abzuwarten. Mit Ausfällen zwischen 30 und 50 Prozent sollen die Wehrleiter nach den Empfehlungen des Landesverbandes planen. Dabei sollten auch Schwellen festgelegt werden, ab wann die Handlungsfähigkeit eingeschränkt ist beziehungsweise die Feuerwehr ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen kann. Bei Ausfällen in der Döbelner Wehr sollen Kräfte aus den Ortswehren mit alarmiert werden, sagt Harnisch. „Wer soll denn ausrücken, wenn nicht die Feuerwehr?“, fragte Bernd Starke. Aus diesem Grund hätten sich die Kameraden darauf verständigt, dass sie nur vermeiden können, sich zu infizieren.

An Schutzkleidung mangele es den Kameraden derzeit nicht, so die Wehrleiter. Zudem verfügen auch die Helme der Feuerwehr über ein entsprechendes Visier, ergänzte Bernd Starke. Nach den Einsätzen werde derzeit nur das Notwendigste erledigt, sagte René Greif. Dazu gehöre auch eine nur kurze Einsatzauswertung. Aus der Dokumentation müsse ersichtlich sein, wer an dem Einsatz teilgenommen hat, um gegebenenfalls schnell Kontaktpersonen zu ermitteln, so der Verband.

In den vergangenen Tagen gab es relativ wenige Einsätze für die hiesigen Wehren. Die Döbelner sind seit zwei Wochen nicht mehr ausgerückt. Die Harthaer seien zuletzt zu einer Türnotöffnung gerufen worden. „Der Einsatz wurde aber abgebrochen, zum Glück!“, sagte René Greif. „Wir sind zurzeit froh über jeden Tag, an dem wir keinen Einsatz haben.“

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