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Damit die Mühlen nicht nur am rauschenden Bach klappern

Hubertus Boden schleift derzeit Steine für einen ganz besonderen Zweck.

Von Jens Fritzsche

Nicht nur das Wandern, sondern auch das Mühlsteinbearbeiten ist ganz offensichtlich des Müllers Lust … Zumindest trifft das auf den Radeberger Hubertus Boden zu. Der ist als echtes Unikum in der Bierstadt bekannt, als Türmer auf dem Turm der Stadtkirche, der Touristen führt zum Beispiel, oder als Nachtwächter bei Volksfesten.

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Aber Hubertus Boden ist auch gelernter Müllermeister, betrieb jahrelang in der Nähe von Meißen eine Mühle, wanderte nach der Wende im Herbst 1989 durch die alten Bundesländer und arbeitete dort in verschiedenen Mühlen. In großen Wassermühlen meist. Aktuell aber kümmert sich der Radeberger allerdings um eine eher kleine Mühle. Eine transportable Handdrehmühle nämlich. „Solche Mühlen wurden einst Quern genannt, und so haben unsere Altvorderen sozusagen für den Hausgebrauch Korn zu Mehl gemahlen“, weiß Hubertus Boden. Und verrät, „dass auch die Römer solche Handdrehmühlen auf ihren Feldzügen mit dabei hatten, um sich mit Mehl zu versorgen“.

Die Handdrehmühle, um die sich der Radeberger Müllermeister derzeit kümmert, gehört dabei Matthias Hänsel. Der Radeberger ist bekanntlich nicht nur Schornsteinfeger, sondern in seiner Geburtsstadt Stolpen auch als historischer Nachtwächter unterwegs – und regelmäßig beim Burgfest Stolpen im Mittelalterkostüm aktiv. Und weil Mitte Juli wieder das Burgfest in Stolpen ansteht, will er dort mit seiner „neuen“ Handdrehmühle präsent sein. Dafür hatte er sich nun bei einem Steinmetz zwei Granitsteine als Mühlsteine besorgt, „allerdings nützen natürlich glatte Granitsteine nichts, die müssen spezielle Furchen haben, um Korn mahlen zu können“, beschreibt Hubertus Boden – und ist deshalb im Moment mit Meißel und Hammer „bewaffnet“ vorm Haus von Matthias Hänsel an der Stadtkirche damit beschäftigt, nach historischem Vorbild Furchen in die runden Granit-Mühlsteine zu gravieren. „Das ist zwar ziemlich schweißtreibend und staubig, aber es macht mir auch richtig viel Spaß“, sagt Hubertus Boden. Denn, fügt er dann gleich an, „ich finde es gut, wenn die Leute erfahren, wie schwer eigentlich der Weg vom Korn zum Mehl und dann zum Brot ist“. Die modernen Menschen, sagt er augenzwinkernd, „glauben ja manchmal, Brot wächst im Supermarktregal …“ Gerade für Kinder sei es spannend, zu erfahren, „dass Brotherstellung echtes Handwerk ist“.

In wenigen Tagen wird Hubertus Boden die Mühlsteine nun geschärft haben. Und natürlich wird er dann auch beim Burgfest in Stolpen mit dabei sein. „Ich will doch sehen, ob Matthias Hänsel das alles richtig macht“, sagt er lachend. Er findet es jedenfalls spannend und toll, „wenn sich Leute so um alte, fast vergessene Handwerke kümmern –  das gehört schließlich zu unserer Geschichte“.