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Damit es Herrn Meier gut geht

Zum Tag der offenen Tür in der Fachschule erfährt man Neues über Erste Hilfe. Und über Berufe in Pflege und Betreuung.

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Von Cornelia Riedel

Die sozialen Berufe stehen im Mittelpunkt des Tages der offenen Tür am Institut für berufsbildende Fachschulen und Lehrgänge (IBFL) in Sebnitz. Am Sonnabend öffnet die private Schule von 10 Uhr bis 14 Uhr ihre Türen. Für alle Besucher gibt es Informationen rund um die Ausbildung zum Erzieher, Altenpfleger, Sozialassistenten und Krankenpflegehelfer.

Ulrike Krötzsch ist Auszubildende in der Altenpflege im zweiten Lehrjahr am IBFL. „Ich war vorher als ungelernte Hilfskraft bei der Häuslichen Alten- und Krankenpflege Kathrin Vogel in Neustadt beschäftigt. Mein Arbeitgeber hat mir die Ausbildung angeboten und zahlt für mich das Schulgeld“, erzählt die 33-Jährige, die bereits ausgebildete Zahnarzthelferin ist. „Meine Bewerbung habe ich damals nach einer Nachtschicht geschrieben und bereue es keinen Meter.“

250 Schüler werden in zwölf Klassen in der Schule auf der Finkenbergstraße ausgebildet. Ab Herbst kommt noch der Beruf des Krankenpflegehelfers hinzu. „Einfühlungsvermögen und das richtige Fachwissen gehören zu einem guten Altenpfleger dazu“, sagt Kerstin Hanke. Sie arbeitet seit drei Jahren als Dozentin für Altenpflege am IBFL. Im vergangenen Jahr hat Hanke ihren ersten komplett ausgebildeten Altenpfleger-Jahrgang aus der Schule verabschiedet. „Und alle haben die Prüfung bestanden und Arbeit als Altenpfleger gefunden“, freut sich Kerstin Hanke.

Auch Gesine Gerstner kam durch Zufall zum Beruf und zur Ausbildung am IBFL. Die 22-Jährige hatte eigentlich eine Offizierslaufbahn eingeschlagen und wollte Marinesoldatin werden. Nach einem Unfall orientierte sie sich neu. „Was man von den alten, kranken Menschen an Herzlichkeit und Dankbarkeit bekommt, das ist so schön“, schwärmt sie von ihrem neuen Job. Die Neustädterin findet es wichtig, dass die Senioren in der Pflege als Menschen wahrgenommen und mit all ihren Erfahrungen respektiert werden. „Herz- und Fachpflege“ nennt Azubi Ulrike Krötzsch das. Sie legt viel Wert darauf, dass die Patienten sich in der Pflege wohl fühlen, Vorurteile abgebaut werden und die Altenpflege etwas von ihrem Negativ-Image verliert.

In der Ausbildung lernen die Schüler verschiedene Krankheiten und ihre Symptome kennen, aber auch, was Gründe für bestimmtes Verhalten der Senioren sein können. Und die Azubis erlernen Techniken im Umgang mit Patienten. „Demenzkranke verstehe ich dank meiner Ausbildung viel besser und kann intensiver auf sie eingehen“, sagt Gesine Gerstner. Sie absolviert den praktischen Teil ihrer Ausbildung zusammen mit Kollegin und Mitschülerin Ulrike Krötzsch im Betreuten Wohnen auf der Dresdner Straße in Neustadt.

60 Euro monatlich kostet die Ausbildung zur Altenpflegerin an der Privatschule, „meist wird das vom Ausbildungsbetrieb übernommen“, so Schulleiterin Martina Zenker. IBFL vermittelt aber auch Ausbildungs-Betriebe an seine Schüler.

Azubi Felix Richter schätzt an seinem Beruf vor allem die Erfahrungen, die die Älteren mitbringen. „Viele der pflegebedürftigen Senioren wissen noch, was Hunger ist, wie man sich durch die Landwirtschaft selbst versorgt oder haben ihr Leben lang mit mehreren Generationen unter einem Dach gelebt. Das sind Erfahrungen, die man als junger Mensch oft nicht hat“, so der 25-Jährige. Altenpfleger sei zudem neben Erzieher einer der wenigen Berufe mit sicherem Arbeitsplatz, so Martina Zenker.

Die Ausbildung an der Privatschule ist in Blöcken organisiert. Praktische Phasen in Kindereinrichtungen, bei Pflegediensten und in Krankenhäusern wechseln sich mit Theorie ab. „Mir ist wichtig, dass an unserer Schule ein offenes Klima herrscht, Lehrer und Schüler sich wohl fühlen und Probleme angesprochen und gelöst werden“, sagt Martina Zenker.

Für den Tag der offenen Tür haben auch die Schüler einiges vorbereitet. So können die Besucher ihr Gedächtnis trainieren und die Sinne schärfen sowie Kostüme und Masken basteln. Auf dem Schulhof wird gegrillt, Lehrer und Dozenten stellen ihre Fachgebiete vor und erklären, worauf es in der Praxis ankommt. „Für die sozialen Berufe sollten unsere künftigen Schüler vor allem Einfühlungsvermögen mitbringen und gern mit Menschen zusammen arbeiten“, beschreibt Martina Zenker. Ganz besonders freut sich die Schulleiterin über Jungen, die sich bewerben, denn besonders in den Kindertagesstätten würden Männer als Bezugspersonen gebraucht. Vielleicht schauen einige am Sonnabend mal herein.