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Damit etwas bleibt

Johannes Schowtka aus Zeißig ist schwer krank. Der 33-Jährige möchte ein Familienhörbuch hinterlassen.

Johannes Schowtka mit seinen beiden Söhnen auf der Brücke über das Hoyerswerdaer Schwarzwasser am Rand von Zeißig.
Johannes Schowtka mit seinen beiden Söhnen auf der Brücke über das Hoyerswerdaer Schwarzwasser am Rand von Zeißig. © Foto: privat

Von Angela Donath

Zeißig/Hoyerswerda. Manche Recherchetermine lösen bereits im Vorfeld großen Respekt aus. Ein solcher war das Treffen mit Johannes Schowtka, 33 Jahre jung, zwei Kinder und schwerstkrank. Der scheinbar besiegte Krebs kam nach gar nicht langer Zeit zurück. Mit Metastasen, mit Chemotherapien, mit allem, was nicht zu einem jungen Menschen gehören sollte. Respekt löst auch seine familiäre Situation aus: In Zeißig lebt er mit seinen zwei kleinen Söhnen, deren Mama, die gleichzeitig seine Ex-Frau ist, und ihrem neuen Partner zusammen. Alle drei Erwachsenen verdienen in dieser Situation größte Hochachtung.

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Wie wird er sein, der junge Mann, der dieses Schicksal zu tragen hat? Wir sind bei einem Bäcker in der Stadt verabredet, er ist schon da – und Gott sei Dank – er lächelt freundlich. Erleichterung, vielleicht sogar auf beiden Seiten, und schon sind wir im Gespräch über ein Projekt, das ebenfalls größte Hochachtung verdient. „Damit etwas bleibt“ erarbeitet Johannes Schowtka gemeinsam mit der Journalistin Judith Grümmer, Geschäftsführerin der Familienhörbuch gGmbH, sein ganz persönliches Hörbuch.

Radfahren macht den Kopf frei

Die Anregung kam von der Mama seiner Kinder. Sie hatte im Internet recherchiert und war auf die Familienhörbuch-Seite gestoßen. Beide setzten sich mit Judith Grümmer in Verbindung, bewarben sich um eine Zusammenarbeit und hatten Erfolg. „Ich habe mich gefreut, ich hatte aber auch Angst“ sagt Johannes Schowtka. Nach Fertigstellung des Hörbuches wird sein Leben in Worten, professionell von Musik untermalt und selbst gesprochen vor allem für seine Kinder lebendig bleiben. Eigentlich hätten die ersten Passagen in einem Studio eingesprochen werden sollen. Corona verhinderte eine Reise nach Köln, die Aufnahmen fanden zuhause statt, man traf sich online. Die Frage, wie man sein Leben online und mit dem Wissen um die Tragweite des Gesprochenen Revue passieren lassen kann, verursacht zunächst eine Pause. „Ja, das war nicht einfach. Aber dann konnte ich sprechen: Über meine Kindheit, die Schule und über die Ausbildung. Ich erzähle meinen Kindern, wie ich die Mama kennen gelernt habe, wie ich ihre Geburt erlebt habe, ich spreche von kleinen Episoden, über gemeinsame Urlaube und über meine Hobbys.“

Das Familienhörbuch ist noch nicht fertig. Aber bald, in den nächsten Wochen, rechnet Johannes damit. Reinhören konnte er schon einmal. „Das war seltsam, es klang so professionell,“, sagt er. Drei Tage hat er daran gearbeitet. „Jeweils sechs Stunden – mit Pausen. Wenn es fertig ist, werde ich es sicher erst mal ganz für mich allein anhören.“ Ins Gespräch schleicht sich erneut eine Pause. Mit der Frage nach Hobbys ist sie schnell überbrückt. „Radfahren“, antwortet Johannes wie aus der Pistole geschossen. „Im vergangenen Sommer bin ich den Radweg Berlin-Kopenhagen gefahren. Dann mit dem Zug zurück nach Berlin und von da aus wieder auf dem Rad nach Hause. Auch jetzt fährt er fast täglich 20 bis 30 Kilometer mit dem Rad. „Das macht den Kopf frei.“ Nein Lieblingstouren hat er nicht. „Die Umgebung ist überall schön – und mit dem Auto, da bin ich in einer Stunde im Elbsandsteingebirge.“

Über solche kleineren Ausflüge wird sicher auch im Hörbuch erzählt. „Alles, was Stimme hat, überlebt“, heißt es auf der Hörbuch-Homepage von Judith Grümmer. Vielleicht radeln Johannes‘ Kinder, wenn sie groß sind, Papas Strecken nach? Johannes muss sein Hörbuch nicht bezahlen, so wie auch andere schwerstranke Eltern nicht.

Das Projekt finanziert sich allein über Spenden. Unterstützung unter Volksbank Köln Bonn eGStichwort Familienhörbuch gGmbHDE 52 3806 0186 4906 5620 10

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