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Dammbruch abgewendet

Aus dem Speicherbecken wurde sehr viel Wasser abgelassen. Denn der Damm ist undicht.

© hübschmann

Von Dieter hanke

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Zum Glück blieb eine Katastrophe aus. Der Damm des Speicherbeckens in Reichenbach in der Gemeinde Klipphausen drohte zu brechen. Er war im Laufe der Jahrzehnte undicht geworden. Wasser trat aus. „Wir mussten schnell handeln“, sagt Beigeordneter Dieter Schneider. Nicht auszudenken, wenn die Sperre geborsten wäre. Bis an den Rand war das Staubecken gefüllt. Mehr als 9 000 Kubikmeter Wasser wären dann durch das enge abschüssige Tal auf den 1,5 Kilometer entfernten Campingplatz Rehbocktal gestürzt. Da hätte nicht mal ein Schlauchboot mehr geholfen.

Die Gemeinde senkte in den vergangenen Wochen den Wasserspiegel des fast 300 Meter langen und etwa 100 Meter breiten Staubeckens, das an der Straße von der S 177 nach Reichenbach gelegen ist, gravierend ab. Einst drei und mehr Meter tief, beträgt zurzeit der Wasserspiegel noch etwa einen Meter. „Wir haben das Wasser kontrolliert abgelassen“, sagt Steffen Horn, Mitarbeiter des Bauamtes. Dazu wurde von den Baubetrieben Vogt aus Klipphausen sowie Keil und Grafe aus Sora am Ablaufbauwerk des Beckens eine Wand mit einem eingebundene Rohr in der Ablaufrinne errichtet. „Dadurch gab es keine Komplikationen bei der Absenkung der Wasserhöhe“, so Horn. Das Wasser floss mit dem Bach Riemsdorfer Wasser in die Elbe.

In diesen Tagen sieht der Speicher wie eine Schlammwüste aus. An den jetzt frei gewordenen Uferrändern liegen Baumstubben und Unrat. Vor allem die Vorsperre des Gewässers ist randvoll mit Schlamm. Das Hochwasser von 2013 hatte dem Becken schwer zugesetzt. Von Feldern in Polenz, Riemsdorf und Bockwen waren Unmassen an Erde in den Speicher gelangt.

Die Gemeinde entscheidet in Kürze mit dem Landratsamt und Experten, was künftig mit dem Rückhaltebecken in Reichenbach geschieht. Wie Schneider sagte, gebe es zwei Varianten. Einmal könnte es weiterhin als Speicherkapazität für Hochwasser dienen. Das Ingenieurbüro Hagstotz nimmt jetzt dafür Berechnungen zur Kapazität vor. Zum anderen gibt es die Variante, dass das Areal künftig als Regenrückhaltebecken mit einem Feuchtbiotop vorgesehen ist. „Da wird das Wasser des Speicherbeckens nahezu vollständig abgelassen. Nur vor dem Ablass verbleibt noch eine kleinen Wasserfläche als Biotop. Die anderen Flächen werden Wiese“, so Schneider.

Doch unabhängig davon, für welche Variante sich Klipphausen entscheidet, wird der Speicher entschlammt und soll auch der Damm saniert werden. „Dort werden Bauleute vorerst in den nächsten Wochen eine Notsicherung machen, bevor dann die Planer weitere Vorkehrungen festlegen“, sagt Horn. So ist im Gespräch, einen Einlaufschacht vor dem Damm anzubringen. Dort kann dann bei einem starken Wasseranstieg durch ein großes Rohr – es verläuft durch den Damm – Wasser abgeleitet werden. „Uns geht es um einen guten Hochwasserschutz in diesem Bereich“, sagt Schneider. Dafür haben Land und Bund für den Speicher 1,5 Millionen Euro an Fördergeldern zugesagt. Schneider geht bei der Sanierung von dem Zeitraum 2015/16 aus.

Unklare Besitzverhältnisse

Die Gemeinde hat bereits die Angel-Service GmbH aus Dresden, mit dem Abfischen des Gewässers beauftragt. Karpfen, Schleie, Hechte und weitere Fische tummeln sich darin. Es war auch als Angelgewässer genutzt worden. Das hatte aber zur Folge, dass der Wasserstand meist sehr hoch war. „Da hätte es kaum noch Speicherkapazität gegeben, wenn bei Starkregen viel Wasser hinzugekommen wäre“, so Schneider. Falls sich die Kommune für die weitere Nutzung als Wasserdepot entscheidet, würde deshalb der Pegel niedriger sein als bisher.

Vor mehr als frei Jahrzehnten war das Wasserreservoir vom Rat des Kreises für die LPG Bockwen gebaut werden. Es sollte zur Mastspitzen-Beregnung von Hopfenanlagen dienen, was sich aber bald als nicht wirtschaftlich herausstellte. Gleichzeitig war das Becken für den Hochwasserschutz gedacht. Denn 1970 wurde bei einem Unwetter der Campingplatz Rehbocktal vom Riemsdorfer Wassers verwüstet.

In den 90er Jahren gingen die Staubecken-Anlagen an die Treuhand, später an den Landkreis. Die Flächen bekamen private Alteigentümer zurück, eine Teil erhielt die Gemeinde Klipphausen. Das Staatsweingut Schloss Wackerbarth erwarb vor einiger Zeit eine Fläche am Gewässer, wo sich ein Weinberg befindet. Auch der Damm gehört zu diesem Grundstück.

Vermisst wurde aber am Stausee nach der Wende eine Flurneuordnung, die der Landkreis hätte veranlassen sollen, um klare rechtliche Regelungen zu schaffen. Denn die verworrenen Besitzverhältnisse führten zu langem Streit zwischen den Beteiligten. Da die Gemeinde aber für den Hochwasserschutz Verantwortung trägt, soll eine Flurneuordnung jetzt nachgeholt werden. Mit der Gemeinde wird das die Landsiedlung GmbH Meißen vornehmen.

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