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Dampfen im Dampfer

Ein einsamer Schluck klatscht kräftig an Kunststoff, Kay Schütze schüttelt seine Wasserflasche. „Schon wieder leer“, sagt er. Anderthalb Stunden war der Maschinist mit der „Stadt Wehlen“ unterwegs, bevor das Dampfschiff gestern am Terrassenufer anlegte.

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Von Nadja Laske

Ein einsamer Schluck klatscht kräftig an Kunststoff, Kay Schütze schüttelt seine Wasserflasche. „Schon wieder leer“, sagt er. Anderthalb Stunden war der Maschinist mit der „Stadt Wehlen“ unterwegs, bevor das Dampfschiff gestern am Terrassenufer anlegte. Eine Stadtrundfahrt lag hinter ihm, gemütliches Schippern, nur halbe Kraft voraus.

Alle eigenen Kräfte muss Kay Schütze indes aktivieren, um seinen Job in den Maschinenräumen der historischen Flotte zu überstehen. Während die Passagiere aussteigen und neue an Bord kommen, gönnt er sich ein wenig Zugluft an Deck und atmet durch. Am Morgen halb sieben ist der 33-Jährige aufs Schiff gekommen, da zeigte das runde Thermometer an seinem Arbeitsplatz rund 39 Grad Lufttemperatur an. „Über Nacht gab es nur wenig Abkühlung“, sagt er. Inzwischen ist der Zeiger wieder auf die 43 geklettert. Dabei stehen alle Maschinen still, der Dampfkessel gleich nebenan ruht. Belüftung? Kay Schütze zeigt auf zwei kleine Bullaugen, ihre Scheiben sind geöffnet. Wirkung gleich null.

Sorgenvoller Blick auf die Elbe

Beklagen will sich der Herr über Kolben und Zylinder aber nicht. Als sogenannter Springer arbeitet er zuweilen auch auf anderen Dampfschiffen der Sächsischen Dampfschiffahrt. „Gegen die Hitze auf der Leipzig und der Dresden ist das hier gar nichts“, sagt er. Dort gebe es für den Dampfkessel keinen abgeschlossenen Raum, wie auf der „Stadt Wehlen“. Die Themperaturen steigen so leicht auf 50 Grad, wenn schon die ganze übrige Stadt unter fast 40 Grad im Schatten ächzt. Ordentlich im Schwitzkasten hockt Kay Schütze aber auch, wenn längere Strecken von Dresden bis nach Pillnitz und noch weiter elbaufwärts angesagt sind. Dann macht die originale Maschine des ältesten Schaufelraddampfers der Flotte richtig Dampf, und die aufgeheizten metallenen Hebel im Maschinenraum sind nichts mehr für Zimperliche.

Nach einer kurzen Verschnaufpause mit Wasserflaschenwechsel steigt Schütze wieder die steile Stiege zur Dampfmaschine hinunter. „Die braucht jetzt auch deutlich mehr Flüssigkeit“, sagt er und nimmt die blank geputzte Ölkanne zur Hand. In heißen Sommern muss der Maschinist die historische Technik besonders pflegen. Für ausgedehnte Putz- und Polierarbeiten am schnaufenden Kleinod aber sucht sich Kay Schütze lieber kühlere Tage aus.

Mit dem gelernten Binnenschiffer schwitzen acht weitere Maschinisten auf den insgesamt neun Raddampfern. Auch der Kapitän Rainer Fichte auf der „Stadt Wehlen“ tut seine Arbeit nicht etwa auf einer klimatisierten Kommandobrücke. Die Hitze dürfte ihm derzeit weniger Sorgen bereiten, als der schrumpfende Fluss. Gestern konnten die Schiffe noch ungehindert fahren. Am Abend gab die automatische Pegelansage einen Stand von nur noch 81 Zentimetern am Pegel Dresden bekannt Ab 80 muss die Dampfschiffahrt zurückstecken.

Abkühlung in der Kiesgrube

Hitzefrei wird Kay Schütze trotzdem nicht bekommen. Doch bei aller Liebe zur Arbeit – schön ist‘s, wenn irgendwann der Feierabend kommt. Dann wird er noch ein Stündchen in der Kiesgrube schwimmen gehen – und wohl seinen sechsten Liter Wasser trinken.