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Drei "seriöse Investoren" für Dresdens Dampfer

Die Mitarbeiter wurden Dienstagabend informiert, jetzt wurde auch öffentlich bekannt: Die letzten Gespräche zur Rettung laufen. Was wir bisher wissen.

Die Sächsische Dampfschiffahrt benötigt einen Investor. Drei Interessenten gibt es.
Die Sächsische Dampfschiffahrt benötigt einen Investor. Drei Interessenten gibt es. © Archiv/Jürgen Lösel

Dresden. Für die Sächsische Dampfschiffahrt (SDS) gibt es drei "seriöse Investoren", die bis zum Montag "qualifizierte Angebote" für die Übernahme der Flotte vorgelegt haben. Das teilte am Mittwoch ein Sprecher des Unternehmens mit. Mit diesen drei Bietern müssten noch Details besprochen werden. Das soll in dieser Woche passieren. Am kommenden Montag, so der Plan der Geschäftsführung samt Sanierungsgeschäftsführer Burkhard Jung, soll der Gläubigerausschuss über alle Angebote informiert werden. Danach wird entschieden, wer den Zuschlag bekommt.

Laut Geschäftsführung beziehen sich alle Konzepte und Angebote auf die gesamte Gruppe inklusive der Tochterfirmen und sehen deren Fortführung vor. Zu einzelnen Punkten liefen noch Abstimmungen. Die SDS-Mitarbeiter wurden bereits am Dienstagabend über den aktuellen Stand informiert.

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Mit dieser Information meldete sich die Geschäftsführung am Mittwochmorgen erstmals seit Beginn des Bieterverfahrens vor rund zwei Monaten wieder selbst zu Wort. Die Mitarbeiter der Flotte und ihrer Tochterunternehmen, der Catering-Firma Elbezeit und der Personalvermittlung Crashice, haben das wenige Stunden zuvor erfahren. 

Chefin Karin Hildebrand, ihr Kollege Jeffrey Pötzsch und Sanierungsgeschäftsführer Burkhard Jung berichteten ihnen auf dem Salonschiff Gräfin Cosel über den aktuellen Stand des Bieterverfahrens. Reichlich 100 Angestellte der drei Firmen waren gekommen. Sie hörten unter anderem, dass sich alle drei Angebote auch auf die zwei Tochterfirmen beziehen. Sie erfuhren auch, dass alle Konzepte und Angebote vorsehen, den Betrieb der Dampfschifffahrt fortzuführen.

"Freunde der Sächsischen Dampfschiffahrt" offenbar aus dem Rennen

Ob in den drei Angeboten auch steht, dass alle Mitarbeiter an Bord bleiben dürfen, alle Schiffe weiter betrieben werden sollen und welchen Übernahmepreis die potenziellen Investoren bieten, erfuhren sie nicht. In diesen Punkten unterscheiden sich die Angebote nach SZ-Informationen deutlich voneinander. 

Bei Sanierungsgeschäftsführer Burkhard Jung sind außerdem mindestens zwei weitere Angebote eingegangen, die entweder als nicht seriös eingestuft wurden, oder bei denen es nicht um das gesamte Unternehmen geht. Eine Bieterin soll etwa nur Interesse an der Übernahme der Personalvermittlung Crashice signalisiert haben. Und die Bewerbung des Vereins "Weiße Flotte Dresden - Freunde der Sächsischen Dampfschiffahrt" wird offenbar nicht als seriöses Angebot eingestuft. 

Der gemeinnützige Verein hat das Problem, dass er einerseits laut seiner aktuellen Satzung nicht als Betreiber des Unternehmens auftreten darf. Andererseits fehlt ihm dafür das Geld. Zwar sind bei einer Spendensammlung bisher etwa 100.000 Euro zusammengekommen, für die Übernahme der SDS-Gruppe müsste der Verein aber über mindestens eine mittlere einstellige Millionensumme verfügen.

Die drei "seriösen Investoren", mit denen in dieser Woche noch weitere Gespräche stattfinden sollen, sind laut SZ-Recherchen die River Advice AG aus Basel, die Lübecker Fährreederei TT-Line und die Firma Richert & Co Immobilien. River Advice ist unter anderem Eigentümer der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt AG mit mehr als einem Dutzend Ausflugsschiffen. Die TT-Line hat ihren Namen von der Ostsee-Fährverbindung zwischen Travemünde und Trelleborg. Die Verwaltungsgesellschaft des Unternehmens mit Sitz in Lübeck betreibt mehrere Fährverbindungen zwischen Ostseehäfen in Deutschland, Schweden, Polen und Litauen, die zumeist als eigenständige Unternehmen organisiert sind. TT-Line verfügt nach eigenen Angaben über sieben Schiffe, ein achtes ist geplant. 

Der dritte Bewerber, die Immobilienfirma Richert & Co., hat ihr Interesse bisher als einzige Firma öffentlich gemacht. Sie hat bereits im vergangenen Jahr die Werft in Laubegast übernommen und setzt bei der Zukunft der Flotte auf das angestammte Personal, sagte Geschäftsführer Sven Spielvogel.

Keine weiteren Gespräche mit viertem Investor geplant

Ein vierter potenzieller Investor, der die Flotte bestens kennt, kommt aus Nürnberg. Er zählt zu den größten Kapitalgebern in der bisherigen Kommanditgesellschaft und war Vorsitzender ihres Verwaltungsrats. Mit ihm sind offenbar keine weiteren Gespräche geplant. Aus dem Rennen sieht er sich deshalb aber noch nicht, sagte der Unternehmer der SZ.

Sanierungsgeschäftsführer Burkhard Jung will die Suche nach einem Investor für die Flotte noch in diesem Monat, spätestens aber Anfang September beenden. Die Frist für die Abgabe eines sogenannten qualifizierten Angebots mit einem Zukunftskonzept und einem konkreten Preis endete am Montag. Sollte sich jetzt allerdings noch ein potenzieller Investor mit einem weiteren seriösen Angebot melden, muss Jung auch diese Offerte in seine Überlegungen einbeziehen und gegebenenfalls andere Entscheidungen revidieren.

Das Geschäft der SDS-Gruppe läuft nach Angaben des Sprechers "derzeit grundsätzlich gut". Die Dampfschiffflotte bewege sich "langsam in wirtschaftlich sichereres Fahrwasser", teilte er mit. Dazu trage auch der "solide Wasserstand der Elbe" bei. Außerdem würden vereinzelt Events auf den Schiffen gebucht. Zur Tochter Elbezeit, bei der im Juli etwa ein Drittel der rund 120 Mitarbeiter entlassen wurden, sagte er, die von der Firma betriebenen Gastroangebote im Zoo seien gut besucht. Das sind das Pinguincafé und die Afrika Lodge. Das Geschäft der Elbezeit im Flughafen läuft dagegen noch nicht wieder zufriedenstellend. Das war ein Grund für die Entlassungen im Juli. 

Die nach zwei Niedrigwasser-Perioden in die roten Zahlen gerutschte SDS ist seit Juni in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, bei weiter laufendem Geschäftsbetrieb. Diese Spielart des Insolvenzrechts zielt auf die Sanierung des Unternehmens, wobei das bisherige Management an Bord bleibt.

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Eigentümer der GmbH & Co. KG sind knapp 500 Kommanditisten mit unterschiedlichen Anteilen, der Freistaat ist mehrheitlich an der GmbH als persönlich haftender Gesellschafter beteiligt. Das operative Geschäft führt die KG. Die Flotte besteht aus neun zwischen 1879 und 1929 gebauten historischen Raddampfern sowie zwei modernen Fahrgastschiffen. (mit dpa)

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