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Dampfer: Eigentümer-Chef fürchtet das Aus

Die Rettung der Flotte könnte das Geschäft komplett umkrempeln. Das betrifft dann alle Geldgeber.

Pillnitz ist eine Nummer im Dampferfahrplan. Künftig könnte das auch Übigau sein, meint die SPD.
Pillnitz ist eine Nummer im Dampferfahrplan. Künftig könnte das auch Übigau sein, meint die SPD. © Archiv/Jürgen Lösel

Dresden. Die Eigentümer haben kräftig Kasse gemacht. Geld gab es für sie auch in Jahren, in denen die Dampfschifffahrt keinen Gewinn gemacht hat. Das steht in einem Schreiben an die Anteilseigner. Geschäftsführerin Karin Hildebrand und ihr Kollege Jeffrey Pötzsch haben es für die sogenannten Kommanditisten verfasst, die die Flotte 1992 von der Treuhand übernommen haben. Rund 36 Millionen Mark brachten sie damals auf. 

Schon zwei Jahre später gab es das erste Mal Geld zurück. Seit 1994 haben sie an ihrer Investition verdient. Etwas mehr als 10,3 Millionen Euro bekamen sie aus Dresden überwiesen. Hildebrand und Pötzsch erklären: Diese Überweisungen seien "nicht durch Gewinne" gedeckt gewesen. "Die Gesellschaft erzielte zwar in einzelnen Geschäftsjahren durchaus Jahresüberschüsse, allerdings war das Gesamtergebnis seit dem Jahr 1992 im Saldo stets negativ."

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Die 10,3 Millionen Euro entsprechen reichlich 56 Prozent der Übernahmesumme. Sollte die Rettung des Unternehmens misslingen, sei nun jeder Eigentümer mit diesem Prozentsatz von seinen aktuellen Anteilen dabei, wenn es gilt, Gläubigern Geld zu überweisen.

Verwaltungsrat im Krisenmodus

Das weiß auch Johann Baptist Lindner. Er ist einer der Eigentümer und Chef im Verwaltungsrat der Dampfschiffahrts-KG. "Es geht jetzt darum, den Schaden zu begrenzen", sagt Lindner. Im Berufsleben steht er als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Dietrich's AG, eines Unternehmens für Computerprogramme für Holzbau-Konstruktionen. In einer Gemeinde am Rand von München ist seine Firma angesiedelt. "Ich bin zur Zeit vier bis sechs Mal pro Jahr in Dresden", beschreibt er seinen Reiseaufwand für die Flotte. Dresden sei eine schöne Stadt, "aber natürlich würde man sich wünschen, eher touristisch und in der Freizeit als jedes Mal zum Krisenmanagement nach Dresden zu fahren".

Ziel sei, die Dampfschifffahrt zu erhalten, sagt Lindner, "die Flotte liegt uns am Herzen". Dabei weiß der Chef des Verwaltungsrats, der die knapp 500 Kommanditisten vertritt, dass gerade sie dabei stören könnten. "Ich gehe davon aus, dass man dazu eine neue Struktur schaffen muss, in der jetzigen Konstellation wird das nicht möglich sein", sagt Lindner. Er rechnet also damit, dass die GmbH & Co KG kaum Überlebenschancen hat und den Kommanditisten das Ende ihres Engagements in Dresden bevorsteht. Sein Wunschszenario wäre gewesen, "wir hätten das Unternehmen, das praktisch saniert war, tatsächlich zwei, drei Jahre weiterentwickeln können". Doch das hat sich nun erledigt.

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