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Dampfer lassen Prossen links liegen

Nach der Corona-Pause hat die Sächsische Dampfschiffahrt den Halt in Prossen aus dem Fahrplan gestrichen. Das sorgt für Protest vor Ort.

Protest an der Elbe: Die "Meissen" dampfte am Wochenende an Prossen vorbei.
Protest an der Elbe: Die "Meissen" dampfte am Wochenende an Prossen vorbei. © Marko Förster

Das haben sich die Prossener und so mancher Ausflügler im Elbtal anders vorgestellt. Seit dem 13. Juni fahren die Dampfer der Sächsischen Dampfschiffahrt wieder elbaufwärts bis in die Sächsische Schweiz. Doch plötzlich fehlt ein Halt: der in Prossen.

Der Bad Schandauer Ortsteil taucht plötzlich nicht mehr im Fahrplan auf. Er wurde gestrichen – obwohl es den Haltepunkt in Prossen seit genau 85 Jahren gibt. Der über die Wintermonate eingelagerte Anleger wurde in dieses Jahr nicht aufgebaut. 

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Dort, wo der Anleger sonst steht, protestierten am Sonnabend bei der ersten Wochenendfahrt eines Dampfers nach Bad Schandau in dieser Saison gut zwei Dutzend Prossener Einwohner, darunter Vertreter von örtlichen Vereinen.

"Wo bleibt unser Anleger? Lässt uns die SDS im Stich?", stand auf einem Transparent, gerichtet an die Sächsische Dampfschiffahrt zu lesen. Auch einige Ausflügler standen am Ufer, als der Personendampfer "Meissen" ohne anzuhalten an Prossen vorbeidampfte. 

Mitglieder der Schiffergesellschaft „Elbe“ Prossen hatten den Anlegeplatz am Ufer in den vergangenen Tagen extra wieder aufgehübscht: Sie bepflanzten die Blumenkübel und machten das Unkraut weg und ringsherum alles sauber. Die Gemeinde mähte ringsum die Wiese und erneuerte die Infotafel "Willkommen in Prossen".

Ursprünglich sollte sogar an diesem Wochenende das 85-jährige Bestehen des Haltepunkts Prossen begangen werden. Wegen des Coronavirus wurde das Fest jedoch verschoben. Genau vor zehn Jahren feierten die Prossener das 75-jährige Jubiläum als Haltepunkt der Dampfschiffahrt. Bereits damals stand die Haltestelle, die als Bedarfshalt gilt, auf der Kippe.

So einfach wollen die Prossener die Tradition nicht wegbrechen lassen. Sie wollen sich nun starkmachen, damit ihr Ort wieder angefahren und die Haltestelle schnellstmöglich wieder aufgebaut wird.

Keine endgültige Entscheidung

Der fehlende Anleger hat mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation der Sächsischen Dampfschiffahrt zu tun. Das Unternehmen befindet sich gerade in einem Insolvenzverfahren, da wird jede Ausgabe hinterfragt. Es koste etwa 5.000 Euro, den aus einem Steg und einem schwimmenden Ponton bestehenden Anleger aufzubauen, erklärt Robert Körner, Sprecher der Sächsischen Dampfschifffahrt. Ein Kran ist dafür nötig.  Zudem sollte es nach der Corona-Pause möglichst schnell gehen. 

"Deshalb mussten wir uns leider für zwei der insgesamt drei Anleger in der Sächsischen Schweiz entscheiden", sagt Körner. Das sind Bad Schandau und Wehlen, wo im Vergleich zu Prossen ein Vielfaches an Passagieren zu- und aussteigt. Prossen ist auch nicht der einzige Ort, der zum Saisonstart ohne Anleger auskommen muss. Elbabwärts von Dresden werden aktuell Diesbar und Seußlitz nicht bedient.  

"Wir haben gerade eine existenzielle Herausforderung zu bewältigen", sagt Körner. Den Ärger der Prossener könne er durchaus verstehen. Komplett gestrichen sei der Haltepunkt Prossen für die Sächsischen Dampfschifffahrt aber nicht. "Da ist nichts in Stein gemeißelt", sagt Körner. 

Es bestehe durchaus die Chance, dass die Dampfer im Laufe des Sommers auch wieder in Prossen anlegen. Auf einen festen Termin könne sich das Unternehmen aber nicht festlegen. Entscheidend ist auch, wie viele Passagiere mit der Dampfschiffahrt in die Sächsische Schweiz fahren wollen. "Fahren Sie jetzt mit den Schiffen!", hatte Geschäftsführerin Karin Hildebrand kürzlich gesagt. Das erste Wochenende sei gut angelaufen, erklärt Sprecher Robert Körner. 

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