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Dampflokspektakel im Müglitztal

Ein Sonderzug aus Cottbus lockte am Sonnabend so viele Zuschauer und Fotografen an die Strecke wie noch nie.

Zwischenstopp in Bärenstein.
Zwischenstopp in Bärenstein. © Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Eine Premiere – und was für eine. Erstmals hat der „Lausitzer Dampflok Club“ (LDC) aus Cottbus einen Wintersport-Sonderzug über Dresden durch das Müglitztal nach Altenberg gestellt. Mit mehr als 300 Fahrgästen war der Kurzzug – bestehend aus fünf Reichsbahn-Reisezugwagen der 1970er-Jahre und einem Mitropawagen – am Sonnabend ausgebucht. Die letzten Fahrgäste stiegen in Dresden zu.

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Auf der Strecke warteten etliche Fotografen. Sie hatten es auf ein Bild von der besonderen Lok abgesehen.
Auf der Strecke warteten etliche Fotografen. Sie hatten es auf ein Bild von der besonderen Lok abgesehen. © Jost Schmidtchen

Da der Sonderzug von zwei Gastlokomotiven gezogen wurde, waren die Lokführer des LDC selbst Gäste im Zug. Sonst sind sie verantwortlich und müssen Kohlen schaufeln. Die Fahrt nach Altenberg war in diesem Jahr der Auftakt für insgesamt 20 Sonderzug-Touren innerhalb ganz Deutschlands, nach Polen und Tschechien. Dresden wird dabei erneut mehrfach zum Drehkreuz für Reiseziele, wie Altenberg, die Sächsische Schweiz, nach Litomerice, Liberec, Prag und Wroclaw.

Immer kommen Dampflokomotiven zum Einsatz. Sie sind im Besitz des LDC oder anderer privater Eisenbahnverkehrsunternehmen und alle helfen sich stets untereinander aus. So auch am Sonnabend. Da dampfte von Cottbus bis Dresden die sogenannte 032155 von Wedler & Franz Logistik vor dem Zug. Und dann kam eine Lok, die die Cottbuser Eisenbahnfreunde und alle anderen Reisenden noch nie vor einem LDC-Zug sahen: die 861333-3 der Pressnitztalbahn AG. Die 1953 in der Wiener Lokomotivfabrik gebaute Gebirgslok zog den Sonderzug durch das Müglitztal hinauf ins Osterzgebirge, unterstützt von einer sogenannten Schiebelok.

Von Fans belagert

Laut Lokführer Martin Engbrecht rollte nach seiner Kenntnis eine 86er letztmals 1990 durch das Müglitztal. Kein Wunder, dass da die Strecke von Fotografen und Fans belagert war . Etliche müssen ihre Stative wohl schon Stunden vorher auf abenteuerlichen Felsen und Standorten in Position gebracht haben.

Engbrecht und Kollegen machte es Spaß, den Sonderzug zu fahren, es mangelte nicht an Dampf und lautem Pfeifen aus der Dampfsirene. Die aus dem Niederlausitzer Frühling kommenden Reisenden wurden in Altenberg in den rauhen Winter zurückgeholt. Schneesturm blies, doch langweilig wurde es bei den anschließenden Kutschfahrten durch den Winterwald, in der Altenberger Likörfabrik, in den gemütlichen Gaststätten, Cafés und im Zinnwälder Zinnbergwerk nicht.

Sabine Schwarz aus Turnow, die mit ihrer Tochter in dem Zug unterwegs war, wollte nach Jahrzehnten wieder einmal nach Altenberg. Das letzte Mal sei sie dort im FDGB-Urlaub zu DDR-Zeiten gewesen: „Einen schönen Tag haben und alles von einst mal wiedersehen“. Familie Benzin aus Cottbus war mit der ganzen Großfamilie auf die Dampfzugreise gegangen: Großeltern, alle Kinder und Enkel waren dabei. Der dreijährige Jann und der vier Jahre alte Arne freuten sich schon auf das Schneemannbauen.

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Alle, die beim LDC oder dessen Förderverein tätig sind, arbeiten ehrenamtlich. Auch das Serviceteam im Mitropawagen gehört dazu. 300 Reisende bei der Fahrt zu versorgen, ist eine besondere Leistung. Zum Team gehört auch die sorbische Ostereiermalerin Silvia Richter aus Cottbus. Bei den Frühjahrs-Sonderzug-Fahrten gibt es am Tresen deshalb nicht nur Häppchen, sondern auch sorbische Ostereier. Auch am Sonnabend gab es nicht nur die Tabletts mit belegten Brötchen und volle Suppentöpfe, sondern auch die bemalten Ostereier. So funktioniert die Symbiose zwischen osterzgebirgischem Schneesturm und Lausitzer Frühling. Eines steht fest: Nach der ausverkauften Premierenfahrt durch das Müglitztal wird es sicherlich eine Neuauflage geben.

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