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Dana beißt sich durch

Eine junge Frau mit Behinderung hat nach langer Arbeitslosigkeit einen Job gefunden. Ihre Kollegen sind stolz auf sie.

Von Wolf Dieter Liebschner

Schon nach der Hälfte der obligatorischen Probebeschäftigungszeit waren sich die Kollegen in der Radebeuler Umformtechnik einig: „Die lassen wir hier nicht wieder weg. Die kann was. Die beißt sich durch.“

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Anerkennung, die Behinderte nicht so oft hören. Dana Nischan hat einen Hüftschaden, ist dadurch gehbehindert, kann weder lange stehen, noch lange sitzen. Lange dauerte nur die Suche nach einem Job. In der Umformtechnik wurde sie mit offenen Armen empfangen, ist nach ihrer Probezeit als Projektmanagerin fest eingestellt.

Gelernt hat die 35-jährige Radebeulerin Physiotherapeutin. „Das war mein Traumberuf“, sagt sie. „Aber gesundheitlich habe ich das nicht durchgehalten.“ Nach einer Umschulung zur Industriekauffrau war sie monatelang arbeitslos, hatte danach eine befristete Stelle im öffentlichen Dienst. „Aber die müssen ja auch sparen“, sagt Dana Nischan. „Die Stelle wurde bald wegrationalisiert.“ Zwei Jahre ohne Job folgten. Es ging abwärts bis hin zu Hartz IV. „Das war ganz, ganz übel“, erinnert sie sich. „So eine Erfahrung möchte ich nicht noch einmal machen.“ Sie hat sich in dieser Zeit auf die verschiedensten Stellenangebote hin beworben. „Es gab sogar Vorstellungsgespräche“, sagt Dana Nischan. „Aber wenn die mich gesehen haben, waren sie gar nicht mehr so sehr an meinen Fähigkeiten interessiert. Natürlich hat mir keiner offen gesagt, warum ich nicht genommen werde. Aber für Schwerbehinderte öffnen sich manche Türen eben nicht.“

In der Umformtechnik aber doch. Einen großen Anteil daran hat Geschäftsführer Stephan Schneider, der einen fairen Umgang mit Behinderten als „grundsätzlichen gesellschaftlichen Auftrag“ begreift. „Wir haben keinen Augenblick gezögert, als sich Frau Nischan bei uns beworben hat.“

Seit fast 30 Jahren ist er in Führungspositionen verschiedener Unternehmen tätig und habe dabei stets mit Behinderten zu tun gehabt. „Oft genug waren das Mitarbeiter, von denen sich jeder Gesunde eine Scheibe abschneiden kann. Sie zeichnen sich durch gute Kenntnisse und Fähigkeiten aus. Und viele von ihnen sind sogar besser, weil sie hoch motiviert sind.“

Letztlich gehe es doch nur darum, dass ein geeigneter Arbeitsplatz gefunden wird. Für Dana Nischan war dabei einiges zu organisieren. Sie benötigt einen höher verstellbaren Schreibtisch. Ebenso einen Spezialstuhl.

Und wenn sie ihren Platz am Rechner verlässt, um mit den Kollegen im Werkzeugbau zu sprechen, braucht sie Arbeitsschutzschuhe, von denen einer um vier Zentimeter erhöht werden musste.

Finanziert werden diese Investitionen für Behindertenarbeitsplätze von der Riesaer Agentur für Arbeit und umgesetzt vom technischen Beratungsdienst der Agentur. Auch das Rehabilitationsteam der Agentur war vor Ort, um den Arbeitsplatz für Dana Nischan einzurichten. Möglich werden diese Ausgaben, weil Unternehmen mit über 20 Beschäftigten gesetzlich verpflichtet sind, fünf Prozent Schwerbehinderte einzustellen. Erreichen sie die Quote nicht, wird eine Ausgleichsabgabe fällig.

Auch die Umformtechnik, die samt Tochterunternehmen Aluminiumtechnik 170 Beschäftigte hat, liegt unter dieser Quote. „Aber nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil es bei uns ganz einfach zu wenige behindertengerechte Arbeitsplätze gibt“, sagt Stephan Schneider.

Gestern wurde weltweit der Gedenk- und Aktionstag für Menschen mit Behinderungen begangen. Der 1992 von den Vereinten Nationen ausgerufene Tag soll auf deren Probleme aufmerksam machen sowie den Einsatz für ihre Rechte und Würde fördern. Der Tag erinnert an die 2008 in Kraft getretene UN-Konvention zur Gleichstellung von Behinderten. Sie wurde bisher von knapp 160 Staaten unterzeichnet, darunter Deutschland.

Für Dana Nischan ist dieser Tag kein besonderer. Es ist ein Tag voller Arbeit, die ihr Freude macht und wobei sie Anerkennung findet. „Aber an so einem Tag gibt es natürlich Momente, wo man sich Gedanken über die eigene Situation macht“, schränkt sie ein. Und ihre Haltung ist eindeutig. „Ich selbst fühle mich nicht behindert“, sagt sie. „Ich kriege meinen Alltag auf die Reihe.“

Dieses positive Gefühl will sie an diesem Tag auch ihren Schicksalsgenossen vermitteln. „Nie den Kopf in den Sand stecken. Auch wir haben Chancen. Auch wenn es etwas länger dauern kann.“