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Freital

„Dann haben wir als Stadt eine Überlebenschance“

Chris Meyer, Spitzenkandidat der Bürger für Freital, über das Programm für die Stadtratswahl und einen Wunsch.

Chris Meyer (53) ist Versicherungsmakler, führt den Unternehmerverband Weißeritztal und sitzt seit 2014 im Stadtrat.
Chris Meyer (53) ist Versicherungsmakler, führt den Unternehmerverband Weißeritztal und sitzt seit 2014 im Stadtrat. © A. Weihs

Herr Meyer, die Bürger für Freital sind seit 1999 im Stadtrat und haben ihr Wahlergebnis stets gesteigert – zuletzt auf 22,9 Prozent. Was ist diesmal drin?

Es sind im Laufe der Jahre neue Fraktionen hinzugekommen. Die Vielfalt hat zugenommen. Insofern hoffen wir, dass wir unsere Fraktionsstärke von derzeit vier Personen halten können – schön wäre ein fünfter Platz. Da müssen wir realistisch sein.

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Warum sollten die Wähler am 26. Mai ein Kreuz bei den Bürgern für Freital machen?

Ich denke, jeder Wähler weiß, was er von den Parteien oder Wählervereinigungen erwarten kann. Was uns auszeichnet, ist, dass wir unvoreingenommen agieren – im Gegensatz zu Parteien, die sich an ein großes Parteienprogramm halten müssen. Wir diskutieren die Themen einmal monatlich in unserem öffentlichen Treffen, dem Stadtgespräch, die allen Bürgern offen stehen. Dort bilden wir uns eine Meinung. Das ist sachbezogene Politik.

Welche Erfolge konnten Sie in den vergangenen fünf Jahren erreichen?

Das Umdenken in Sachen Radverkehr und beim Thema Schulen und Kitas. Wir haben uns dafür eingesetzt, einen Bildungsausschuss zu gründen. Dort wird besprochen, welche Plätze wir brauchen, wie wir sie schaffen können und was sie kosten. Dieses Ergebnis wird dann in der Haushaltsplanung abgebildet. Das heißt, die Planung ist für alle transparenter und strategischer geworden. Das war früher nicht so. Die Förderung des Radverkehrs finde ich ganz wichtig. Man muss nicht mehr jeden Weg mit dem Auto zurücklegen, wenn es sichere Radwege gibt. Dieser kommt jetzt für die Dresdner Straße. Von da ausgehend müssen wir weitermachen und beispielsweise die Ortsteile ebenfalls gut anbinden.

In Ihrem Programm schreiben Sie, dass Sie die Dresdner Straße für Anlieger attraktiver machen wollen. Wie das?

Die Dresdner Straße, wie sie jetzt angelegt ist, sorgt für hohe Geschwindigkeiten. Das bringt Unsicherheiten und Lärm. Beides ist für eine attraktive Innenstadt tödlich. Also muss man es rückwärts denken. Das heißt, wir werden in vielleicht 15 Jahren nicht mehr mit 50 km/h innerhalb von zehn Minuten Freital durchqueren können. Es geht nicht darum, eine Grüne Welle, sondern eine schöne Innenstadt zu bekommen. Es muss ja nicht in ganz Freital Tempo 30 geben, aber in dem Kerngebiet schon. Gleichzeitig müssen wir den öffentlichen Nahverkehr stärken. Dabei geht es auch um neue Konzepte.

Um welche?

Wir sollten uns zum Beispiel fragen, ob immer nur große Busse unterwegs sein müssen. Gerade in die abgelegeneren Stadtgebiete könnten doch auch kleinere Busse fahren, die vielleicht auch elektrisch angetrieben sind. Es wird darum gehen, die Menschen in die Innenstadt zu bringen, weil dort alle Dinge, die man braucht, konzentriert sind. Dann haben wir als Stadt eine Überlebenschance.

Zentraler Punkt in Ihrem Wahlprogramm ist, dass „visionäres, fortschrittliches Denken in die Verwaltung eindringen muss“. Was meinen Sie damit?

Im Baubereich haben wir es geschafft, durch vorausschauendes Handeln viele Fördermittel abzugreifen. Das muss nun auch auf andere Bereiche ausgeweitet werden. Zum Beispiel müsste es beim Thema öffentlicher Nahverkehr jemanden geben, der die Zeit hat, sich über innovative Konzepte Gedanken zu machen, mit Hochschulen in Kontakt zu kommen und Förderprojekte zu schaffen. Ähnliches wäre auch im Bildungsbereich denkbar. Wir als Stadträte können nur Impulsgeber sein, die Verwaltung muss es umsetzen. Man müsste das Potenzial der Mitarbeiter besser ausnutzen.

Letzte Frage: Wenn wir uns gedanklich ins Jahr der übernächsten Stadtratswahl 2024 versetzen. Was wollen Sie als Stadtrat dann erreicht haben?

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Wofür die Parteien und Wählervereinigungen stehen und was sie geleistet haben. Und wie schlagkräftig sind die Kandidatenteams eigentlich.

Ganz allgemein wäre es schön, wenn es dann sehr viele engagierte Freitaler geben würde – wenn wir es schaffen, dass wir mehr Leute einbeziehen. Für die Arbeit im Stadtrat wäre es schön, wenn wir über die Sache diskutieren könnten und wenn wir Beschlüsse mit großen Mehrheiten fassen können. Und für uns als Bürger für Freital: Wir wollen, dass Freital eine attraktive Stadt für Familien ist. Da muss man schauen, was es noch neben der Familiencard geben kann. Wir möchten eine attraktive Stadt sein, in der jeder nach seinen Wünschen und Ansprüchen wohnen kann. Wir machen uns für den Bau einer großen Mehrzweckhalle stark. Wir haben in Freital eine sehr starke Vereinsstruktur, die sich aber nicht in geeigneter Weise präsentieren kann. Wenn wir große Turniere nach Freital holen wollen, scheitert das an den Räumlichkeiten. Wir wollen ein Stadtzentrum schaffen, in dem sich die Freitaler wohlfühlen. Es wäre auch schön, wenn wir 2024 auf die Hundertjahr-Feier im Jahr 2021 zurückblicken und sagen können, dass der Drive noch da ist. Und perspektivisch würden wir uns wünschen, dass wir uns langfristig als Stadt für einen Weg, für eine große Vision entscheiden.

Das Interview führte Tobias Winzer.