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Zittau

"Dann machen wir eben Halbe-Halbe"

Der Olbersdorfer See mit seinem herausragenden Landschaftspark ist für Einwohner und Touristen nicht mehr wegzudenken. Wer fragt da schon noch, was das gekostet hat?  

Zufriedene Gesichter: Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster (re.) und der damalige Geschäftsführer der Landesgartenschau, Matthias Frei.
Zufriedene Gesichter: Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster (re.) und der damalige Geschäftsführer der Landesgartenschau, Matthias Frei. © Foto: Matthias Weber

Die Palmen aus Pistoia, ein Geschenk der Partnerstadt zur Landesgartenschau 1999,  wachsen immer noch. Den ganzen Sommer über geben sie dem Zittauer Marktplatz ein herrlich italienisches Flair und diese wunderbare Leichtigkeit lauer Sommerabende. Dabei hätte es beinahe gar keine Palmen in Zittau gegeben. Als der damalige Kämmerer Matthias Frei die Investitionen für eine Landesgartenschau vorsichtig auf mindestens 20 Millionen D-Mark geschätzt hatte, hatten die Stadträte entsetzt die Hände gehoben. Unbezahlbar für Zittau!

Die Landesgartenschau 1999 fand zum Glück aber doch statt. Den Olbersdorfern sei dank. Heute lachen Matthias Frei und Andreas Förster, damals wie heute Olbersdorfs Bürgermeister, wenn sie sich an diesen Abend erinnern, an dem Förster auf den Tisch gehauen und gesagt hatte: Dann machen wir eben Halbe-Halbe. Punkt!

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"Das war der entscheidende Satz", sagt Matthias Frei heute. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Landesgartenschau Zittau/Olbersdorf hat tatsächlich mehr als 20 Millionen D-Mark, umgerechnet also mehr als zehn Millionen Euro gekostet. Der Großteil des Geldes waren Fördermittel vom Freistaat und der EU, Zittau und Olbersdorf haben zusammen - halbe-halbe - 1,25 Millionen Euro beigesteuert. Auch das war und ist viel Geld gemessen an den Haushaltseinnahmen. Aber danach fragt heute kein Mensch mehr.

"Es war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten", sind sich die Olbersdorfer und Zittauer heute einig. "Ohne die Landesgartenschau würde es vieles so gar nicht geben", sagt Andreas Förster. Der Olbersdorfer Tagebau-See ist seitdem eines der schönsten und am besten erschlossenen Naherholungsgebiete weit und breit, ein Wassersport- und Aktivtourismus-Zentrum mit Gebirgskulisse, ein Veranstaltungsgelände sogar für Weltmeisterschaften, das seinesgleichen sucht. Und das ist nicht übertrieben.

Rund um den See ist ein herausragender Landschaftspark entstanden - mit gut durchdachten Sichtachsen, mit einer grandiosen Plaza, mit Flaniermeile und Badestrand, mit Wegen und Stegen, Biergarten und Beachbar, Campingplatz und Hotel in Toplage. Nicht mehr wegzudenken, das alles.

"Es war aus damaliger und genauso aus heutiger Sicht eine gute und kluge Entscheidung, gemeinsam in dieses Projekt zu investieren", sagt Förster. Auch wenn Olbersdorf die Hauptlast seitdem so gut wie alleine trägt. Denn die Anlagen rund um den See, die ja alle auch erhalten und gepflegt werden müssen, liegen allesamt auf Olbersdorfer Flur. "Wir haben uns ja von Anfang an verpflichtet, das Gelände auch weiter und nachhaltig nutzen zu wollen", sagt der Bürgermeister. 

Auch das macht die Landesgartenschau Zittau/Olbersdorf in der Rückschau aus: Kaum einem anderen Ausrichter ist es so gut gelungen, den Investitionen eine echte Nachhaltigkeit zu verleihen, höchstens noch der Stadt Löbau mit dem Messe- und Veranstaltungspark auf dem Gelände der alten Zuckerfabrik.  

Das Erhalten aber kostet. 1,3 Millionen Euro hat die kleine Gemeinde Olbersdorf in den letzten Jahren in das Gelände investiert: In Park- und Grillplatz, in Beach- und Volleyballplatz, in das Mehrzweckgebäude mit Rettungswache, in die Erneuerung der Wege. "Wir müssen für die Verkehrssicherheit sorgen", sagt Förster, "und wir wollen die touristische Infrastruktur ja auch immer auf einen zeitgemäßen Stand bringen".

Im Olbersdorfer Doppelhaushalt für dieses und nächstes Jahr ist eine weitere Millionen-Investition vorgesehen. Die Holzdecke der Stege vor dem Hotel muss erneuert werden. Kühne Pläne sehen eine neue Uferpromenade bis zum Wasserspielplatz vor. "Das wird richtig toll", schwärmt Förster. "Wenn der Gemeinderat zustimmt", fügt der Bürgermeister hinzu. Denn noch ist der Haushalt nicht beschlossen.

Aber wenn es um ihren See geht, sind sich die Olbersdorfer Gemeinderäte bisher immer einig gewesen. Man muss Visionen haben und Mut, wenn man Großes voranbringen will. Und vielleicht wäre das ja auch eine Vision für die Kulturhauptstadt? Noch mal Halbe-Halbe zu machen für den nächsten großen Entwicklungsschub, den dieses einzigartige Erholungsgebiet auch auf Zittauer Flur gut vertragen könnte?

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