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Darf ein Sport-Funktionär bei der AfD mitmischen?

Sachsens Handball-Präsident Uwe Vetterlein muss zurücktreten. Sein Fußball-Kollege und politischer Gegner hält das für undemokratisch.

Sport, Emotionen und die Deutschlandflagge – das passt gut zusammen. Doch wie stellt sich die Lage dar, wenn die AfD ins Spiel kommt?
Sport, Emotionen und die Deutschlandflagge – das passt gut zusammen. Doch wie stellt sich die Lage dar, wenn die AfD ins Spiel kommt? © Jan Hübner

Am Anfang war der offene Brief. Zwei Tage nach der Wiederwahl von Uwe Vetterlein als Präsident des sächsischen Handball-Verbandes distanzierte sich der Spielbezirk Leipzig in der vergangenen Woche mehr oder weniger unerwartet von dessen Kandidatur für die AfD bei der Stadtratswahl in Dresden. Man sehe keine Arbeitsgrundlage mehr.

Und dann ging alles ganz schnell: Vereine aus dem Leipziger Raum schlossen sich dem an, der Brief machte deutschlandweit die Runde und sorgte schließlich dafür, dass Vetterlein noch vor der Kommunalwahl am Sonntag von seinem Amt zurücktrat. Die Präsidiumskollegen lehnten eine weitere Zusammenarbeit ab. Sie würden ihn und seine Arbeit ja schätzen, seit 1993 schon gehört Vetterlein dem Gremium an, und er hätte sich für jede andere Partei engagieren können, nur nicht für die AfD.

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Uwe Vetterlein 
Uwe Vetterlein  ©  privat

An diesem Montag nun entzog auch das Präsidium des Deutschen Handball-Bundes, dem Vetterlein als Vizepräsident angehört hat, dem Dresdner das Vertrauen – der daraufhin auch dieses Ehrenamt aufgab. Er sei enttäuscht und traurig, und verstehen könne er die Reaktion der Kollegen auch nicht, erklärt Vetterlein auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung. „Ich hätte mir schon eine gewisse Toleranz gewünscht. Die AfD ist eine zugelassene, verfassungsgemäße Partei. Dass dies dem einen oder anderen Schwierigkeiten bereitet, ist mir bewusst. Doch ich habe in den vielen Jahren die politische Neutralität des Handball-Verbandes mehr als gewahrt – und hätte dies auch weiterhin getan. “

Hermann Winkler, als Präsident des sächsischen Fußball-Verbandes und CDU-Kandidat bei die Europawahl gewissermaßen so etwas wie Vetterleins Pendant, bezeichnet die Entwicklung der vergangenen Tage im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung als „brandgefährlich“.

Die AfD sei nicht zuletzt im Wahlkampf sein größter politischer Konkurrent, sagt Winkler. „Aber dennoch setze ich mich als Demokrat dafür ein, dass jeder in diesem Land seine Meinung frei äußern kann – solange er sich auf dem Boden des Grundgesetzes befindet. Und ob es uns nun gefällt oder nicht, die AfD ist eine nach geltendem Recht zugelassene Partei“, betont der frühere sächsische Staatsminister, der aufgrund des Wahlergebnisses nicht mehr im EU-Parlament vertreten sein wird.

Hermann Winkler, Präsident des sächsischen Fußball-Verbandes
Hermann Winkler, Präsident des sächsischen Fußball-Verbandes © SZ/Uwe Söder

Die Ausgrenzung einer Person, die für die AfD kandidiert, halte er für undemokratisch, meint Winkler und sieht in den Briefschreibern des Leipziger Spielbezirks „die besten Außendienstmitarbeiter für die AfD. Wenn wir nicht aufpassen, treibt das die Menschen erst recht zu dieser Partei.“

Daraus ergibt sich die Frage nach dem sportlichen Umgang mit der Partei, die bei der Europawahl am vergangenen Sonntag die meisten Stimmen im Freistaat erhielt. Konkret: Darf ein Sportfunktionär bei der AfD mitmischen?

In Hessen beim Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt hat man darauf eine eindeutige Antwort gefunden – die weit über die Funktionärsebene hinausgeht und ebenso bundesweit Schlagzeilen machte. „Es verträgt sich nicht mit unserer Satzung, AfD zu wählen“, sagte Eintracht-Präsident Peter Fischer im Dezember 2017, und er betonte: „Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt.“ Er schäme sich für jenen Teil der Bevölkerung, der die AfD gewählt habe, sagte Fischer und meinte damals: Wehret den Anfängen. Die AfD-Landessprecher erstatteten daraufhin Anzeige wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung – die von der Frankfurter Staatsanwaltschaft im Oktober 2018 abgelehnt wurde.

Kontrollieren, so Fischer, könne der Verein die politische Gesinnung und das Wahlverhalten natürlich nicht, dieser kritischen Selbstüberprüfung müsse sich jedes Mitglied selbst unterziehen.

In der Pressemitteilung zu Vetterleins Rücktritt erklärt der sächsische Verband, man verstehe sich laut Satzung als politisch neutral. „Die Frage nach der Vereinbarkeit der Spitzenposition im größten ostdeutschen Handball-Verband mit dem Engagement für eine öffentlich stark umstrittene Partei hätte zu einer inneren Zerreißprobe mit immer neuen politischen Diskussionen und daraus resultierenden unabsehbaren Folgen führen können“, heißt es.

Die sportpolitischen Konsequenzen

Wie schwierig der Umgang mit der AfD ist, verdeutlicht die Aussage des Landessportbundes Sachsen. „Bei der Betrachtung des AfD-Parteiprogramms sind grundsätzliche Widersprüche zwischen der politischen Haltung der AfD und den Werten und Haltungen des Sports erkennbar. Wir danken Uwe Vetterlein dennoch für viele Jahre engagierter ehrenamtlicher Arbeit für den sächsischen Sport“, sagt Christian Dahms, Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen. Nächste Woche wird Vetterlein auch dort den Platz im Präsidium räumen müssen – weil der an das Handball-Amt gebunden ist.

Auf die sportpolitische Komponente weist Winkler ebenfalls hin, nur mit anderem Duktus. „Wir schießen uns ja auch selbst in Knie, denn jetzt fehlt die sächsische Stimme im Präsidium des deutschen Handballverbandes“, sagt der Fußballchef und meint, dass politisches Wirken niemals ein Thema sein dürfe, solange man sich in demokratischen Parteien engagiert und die Aussagen auf dem Boden des Grundgesetzes basieren. Auch Winkler betont: „Wehret den Anfängen“ – meint es nur anders. „Ich sage ganz klar auch als CDU-Funktionär: Heute ist es die AfD-Mitgliedschaft und dann die in der CDU!?“

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Vetterlein versucht der Sache indes etwas positives abzugewinnen. Im Wahlkreis holte er das zweitbeste Ergebnis, hat einen Platz im Stadtrat so gut wie sicher und findet: „Das ist für mich Bestätigung, dass ich nicht alles falsch gemacht haben kann.“

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