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Darf ich mit einer Kollegin auf WhatsApp flirten?

Die neueste der SZ-Beziehungskolumne mit Single- und Paarberater Christian Thiel.

© Christian Juppe

"In meinem Betrieb gehe ich zum Frühstück oft in die Nachbarabteilung. Dort arbeitet eine Kollegin, deren lockere Art mir sehr gefällt. Wir tauschen öfter Whatsapp-Nachrichten aus – zum Teil gab es dabei auch erotische Anspielungen. Das alles gefällt nun meiner Frau nicht, auch weil diese Kollegin nicht gut über meine Frau spricht. Ich finde, das sollte man nicht so ernst nehmen."

Ich denke, Sie werden sich bald entscheiden müssen. Entweder Sie wollen mit der netten Kollegin, die so eine „lockere Art“ hat, weiter erotische Whatsapp-Nachrichten und abfällige Bemerkungen über ihre Frau austauschen. Dann wird Ihre Frau vermutlich nicht mehr lange Ihre Frau sein.

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Kommen wir zur Alternative. Wenn Sie mit Ihrer Frau zusammenbleiben wollen, dann wird das wohl nur ohne Whatsapp mit der „lockeren“ Kollegin gehen. Und ohne Anspielungen erotischer Art. Außerdem wird Ihre Frau sich vermutlich schon längere Zeit fragen, was Sie so sehr zu der anderen Frau hinzieht, dass sie Ihnen erkennbar wichtiger ist als der häusliche Frieden.

Genau das habe ich mich auch gefragt. Bei jeder Untreue geht es im Kern um die Frage: Was hat der oder die andere, was der eigene Partner nicht hat. Ihre Besuche in der Nachbarabteilung sind Untreue. Auch, wenn es – bislang – noch nicht zu Sexualität gekommen sein sollte.

Das, was Sie machen, das machen Partner in der Regel, weil sie mit der Partnerschaft an irgendeinem Punkt sehr unzufrieden sind. Und statt dem anderen zu sagen, was sich ändern soll, findet sich ein netter Kollege oder ein Sporttrainer oder eine nette Kollegin. Und dann gerät die ganze Ehe, die doch angeblich für immer und ewig halten soll, mitsamt den Kindern und dem frisch gebauten Haus von heute auf morgen komplett aus den Fugen.

Ich würde Ihnen also zu zweierlei raten. Der Verzicht auf die „nette, lockere“ Kollegin wird Ihnen möglicherweise schwerfallen. Es wird ohne den Verzicht aber aller Voraussicht nach nicht gehen. Allerdings wird dadurch alleine Ihre Ehe noch nicht wieder stabil. Dazu ist etwas ganz anderes nötig: Sie müssen in der Frage der Unzufriedenheit vorankommen. Etwas stört Sie. Und ich wüsste gerne was. Und wenn Sie mich fragen, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass auch Ihre Frau nicht wirklich glücklich ist an Ihrer Seite. Die zweite Frage, der Sie nachgehen sollten, lautet also: Was könnte es sein, was Ihre Frau sich von Ihnen wünscht?

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Das, was Sie erleben, ist eine ganz normale Ehekrise, wie sie Jahr für Jahr viele Paare durchmachen. Verfallen Sie bitte nicht in Diskussionen mit Ihrer Frau. Sie müssen sich der Unzufriedenheit stellen. Fragen helfen da weiter. Was können Sie tun, damit es Ihnen miteinander bessergeht? Was muss sich ändern? Was fehlt Ihnen in Ihrer Partnerschaft? Und was fehlt Ihrer Frau?

Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor. Haben Sie Fragen an ihn? Schicken Sie eine Mail an [email protected]

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