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Darf man sein Baby Sturmhorst nennen?

Ein neugeborener Junge erlangt innerhalb eines Tages besondere Berühmtheit. Im Internet gibt es dazu hitzige Debatten.

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Gerade einmal elf Tage ist der kleine Junge alt, als gestern eine Welle der Aufmerksamkeit über ihn hinwegrollt. Sturmhorst Siegbald Torsten soll der Kleine heißen, der am 6. Juni um 9.25 Uhr im Diakonissenkrankenhaus zur Welt gekommen ist.

So steht es zumindest einige Stunden auf der Internetseite des Krankenhauses, in dessen Babygalerie die Kinderfotos samt Namen veröffentlicht werden. Im Internet überschlagen sich die Kommentare zu dem Kind und den Gründen, wieso die Eltern ihren Sohn Sturmhorst genannt haben. Auch von rechtem Gedankengut ist die Rede.

Am Ende stellt sich heraus: Das Diakonissenkrankenhaus hat einen Fehler gemacht. Der kleine Junge hat bei seiner Geburt einen anderen Vornamen erhalten, bei dessen Übermittlung aber offenbar etwas schiefgegangen ist. „Den Eltern ist es wichtig zu betonen, dass ihnen jegliches rechtsextremes Gedankengut fernliegt“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Krankenhauses. Dem Diako bleibt nur, sich bei den Eltern zu entschuldigen. Tatsächlich heißt der Kleine Sturmhart. Das ist ein zulässiger Name, der sich auch in Vornamensverzeichnissen findet.

Ungewöhnliche Namensideen haben die Eltern Neugeborener immer wieder. Die Krankenhäuser übermitteln die Wünsche an das Standesamt, welches entscheidet, ob der jeweilige Name zugelassen werden kann. Im vergangenen Jahr gehörten bei den Dresdner Jungennamen Euvin, Brixen, Fielo, Tywin und Fjarill zu den außergewöhnlichsten Ideen. Das Standesamt hat in diesen Fällen sogar Gutachten von der Gesellschaft für deutsche Sprache angefordert. Der Verein mit Hauptsitz in Wiesbaden berät täglich Standesämter und werdende Eltern. Der angebliche Name Sturmhorst hat sich gestern über die Medien auch schon bis zu Mitarbeiterin Frauke Rüdebusch herumgesprochen. Der Vorname Sturm wurde ihr zufolge bereits zweimal in Deutschland vergeben, Horst sei ein üblicher Name. Trotzdem würde die Gesellschaft empfehlen, die Kombination beider Namen nicht zuzulassen. „Es geht darum, das Kindswohl zu schützen“, sagt Rüdebusch. Während die Gesellschaft empfiehlt, haben die Standesämter das letzte Wort. „Immer mehr Eltern klagen jedoch vor Gericht für den Wunschnamen und bekommen ihn dann häufig auch zugesprochen“, sagt Rüdebusch. (SZ/jr)