merken
PLUS

Darum hat sich die Kurhaus-Chefin zu dem Schritt entschlossen

Die Gründe sind in der Hotel- und Gaststättenbranche weit verbreitet. Dazu kommt ein ganz persönlicher.

Das Alte Kurhaus in Lückendorf.
Das Alte Kurhaus in Lückendorf. © Foto: Rafael Sampedro

An der Zahl der Gäste hat es nicht gelegen. "Seit Sommer 2012 führen wir das Restaurant im „Alten Kurhaus“ in Eigenregie und durften in dieser Zeit viele Gäste begrüßen", teilt Inhaberin Carla Liebisch mit. Die Schließung für die "Laufkundschaft" hat andere Gründe. "Leider zwingt uns die personelle Situation, resultierend auch aus den gesetzlichen Vorgaben, den Geschäftsbetrieb zu reduzieren", so Frau Liebisch. 

Das Lückendorfer Haus haben die selben Probleme ereilt, wie sie inzwischen viele in der Branche haben. "Personalmangel, gestiegene Kosten, besonders beim Personal, und das restriktive Arbeitszeitgesetz", fasst Conrad Siebert, Oybiner Hotelbetreiber und Vorstandsmitglied im Regionalverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, diese zusammen.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Im Lückendorfer Kurhaus haben die Sorgen bereits vor mehr als sechs Jahren begonnen. Sofort mit der Übernahme des Restaurants im eigenen Haus, das zuvor ein Pächter ein Jahr lang bewirtschaftet hatte, musste Carla Liebisch immer wieder nach Personal suchen. Vor allem die Arbeitszeiten an Wochenenden, an Abenden und in den Ferien schrecken potenzielle Bewerber ab. Zwischenzeitlich hat Frau Liebisch sogar mit einem Personaldienstleister zusammengearbeitet und Helfer aus Dresden kommen lassen. Zu der ständigen Suche sind Anfang 2015 die Auswirkungen des Mindestlohngesetzes hinzugekommen, an das sie sich hält und eigenen Angaben zufolge sogar mehr bezahlt. Aber Mitarbeiter, die schon länger bei ihr beschäftigt seien, hätten ein Recht darauf, besser bezahlt zu werden, sagt Carla Liebisch. Damit sind ihre Personalkosten gleich noch ein Stück weiter gestiegen. Und dann ist 2016 das neue Arbeitszeitgesetz in Kraft getreten. Demnach müssen Mitarbeiter spätestens nach zehn Stunden Feierabend machen, auch wenn sie an anderen Tagen die Überstunden abfeiern könnten und selbst einwilligen würden. Doch was tun, wenn am Ende der Arbeitszeit das Restaurant noch voll besetzt ist? Zusätzlich noch jemanden beschäftigen können sich Frau Liebisch und auch andere Wirte nicht leisten, denn dann müssten sie die durch das Mindestlohngesetz schon gestiegenen Preise weiter anheben. Doch das ist nicht unendlich möglich, denn dann bleiben die Gäste weg. 

Weiterführende Artikel

Altes Kurhaus in Lückendorf schließt

Altes Kurhaus in Lückendorf schließt

Die Inhaberin des renommierten Vier-Sterne-Hotels gibt auf. Sie ist mit diesem Schritt nicht die einzige im Kurort.

Die nächste Gaststätte schließt für die Öffentlichkeit

Die nächste Gaststätte schließt für die Öffentlichkeit

Das Alte Kurhaus in Lückendorf bedient ab sofort nur noch Hausgäste. Der Grund ist derselbe wie bei anderen, die diesen Schritt schon gegangen sind.

So hat Frau Liebisch zum Beispiel oft gebangt, ob sie in den Ferien genügend Personal hat. Oder ob die Arbeitszeit der Servicekräfte ausreicht, um die Restaurantgäste zufriedenzustellen. Manchmal hat sie nicht gereicht. Manchmal kamen aber auch keine Gäste und die Bedienung und der Koch hatten nichts zu tun, haben aber natürlich Geld gekostet. Aufwand und Nutzen sind nicht planbar gewesen. "Insofern machen wir nun nur noch planbare Geschäfte", sagt die Chefin von elf Mitarbeitern, die vor allem stundenweise das Hotel in Schwung halten. Und macht, weil sie auch für die Zukunft keine Besserung sieht, aus der Not eine Tugend: Nun könnte sie, sagt Carla Liebisch, endlich auch selber etwas kürzer treten - was sie sich zwar schon lange vorgenommen hat, aber bisher nicht umsetzen konnte.

Mehr zum Thema:

Nächste Gaststätte schließt für Laufkundschaft (frei)

Kommentar: Arbeitszeitgesetz muss nachgebessert werden (SZ Plus)

Mehr lokale Artikel unter:

www.sächsische.de/zittau