merken
PLUS

Sport

Was sich nach Kristina Vogels Unfall im Radsport ändert

Der Sturz auf der Betonpiste in Cottbus beschäftigt Kristina Vogel ein Jahr danach noch – und auch den Staatsanwalt.

Ihr Lachen hat Kristina Vogel auch in der schweren Zeit im Unfallkrankenhaus Berlin nicht verloren.
Ihr Lachen hat Kristina Vogel auch in der schweren Zeit im Unfallkrankenhaus Berlin nicht verloren. © dpa

Ihr Name stand so oft in der Siegerliste. 2010, 2013, 2014, 2016 und 2017 hatte Kristina Vogel den Großen Preis von Deutschland auf der Radrennbahn in Cottbus gewonnen. Und auch 2018 war sie die Favoritin – bis zu ihrem fatalen Unfall im Training für den traditionsreichen Sprintercup. Die Doppel-Olympiasiegerin aus Erfurt stürzte auf der Betonpiste schwer und ist seitdem ab dem siebenten Brustwirbel querschnittgelähmt.

In ihrem neuen Leben als Rollstuhlfahrerin ist Vogel mittlerweile angekommen, die juristische Aufarbeitung der Vorkommnisse vom 26. Juni läuft noch. „Das Ermittlungsverfahren dauert noch an, auch in Richtung Holland. Wann das abgeschlossen sein wird, kann ich nicht sagen“, erklärte Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum von der Staatsanwaltschaft Cottbus auf SZ-Anfrage. Vogel war auf der Radrennbahn bei Tempo 60 mit einem niederländischen Juniorenfahrer zusammengestoßen, der unerwartet einen stehenden Start auf der Gegengeraden geübt hatte.

Mit der Schuldfrage hat sich die elfmalige Weltmeisterin jedoch nie beschäftigt. „Ich hege ihm gegenüber keinen Groll. Es dürfte auch für ihn nicht leicht sein, wenn es heißt, dass er die Beste im Radsport in den Rollstuhl gebracht hat“, sagt sie. Kontakt mit dem Juniorenfahrer habe es bislang nicht gegeben. Es werde, betont Vogel, aber auf alle Fälle noch passieren– in einem privaten Rahmen.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus hatte nach dem Unfall die Ermittlungen eingeleitet und in den vergangenen Monaten immer wieder Sportler, Trainer und Funktionäre befragt. Maximilian Levy, Vogels Ersthelfer und ein enger Freund, hatte Wochen nach dem Unfall im SZ-Interview dazu geäußert: „Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass auf der Gegengeraden keine Antritte zu fahren sind. Da haben mehrere Leute geschlafen.“ Der viermalige Weltmeister hat sich in Absprache mit Vogel jetzt aber entschieden, zu dem Unfall in der Öffentlichkeit nichts mehr zu sagen.

Der RSC Cottbus, der am Wochenende mit zwölf Nationen wieder den Großen Preis von Deutschland im Sprint im Radstadion ausrichtet, reagierte auf den Unfall mit der Einführung von festen Trainingszeiten für die Mannschaften. „Außerdem haben wir die vielen unausgesprochenen Regeln verschriftlicht und beispielsweise MP3-Player oder Essen auf der Bahn verboten. Die Mannschaftsleiter mussten das quittieren“, erklärte RSC-Geschäftsführer Axel Viertler.

Weiterführende Artikel

„Endlich traue ich mich wieder zu tanzen“

„Endlich traue ich mich wieder zu tanzen“

Kristina Vogel ist nach einem Unfall querschnittsgelähmt. Nun will sie zehn Kilometer mit dem Handbike schaffen. Ihre großen Erfolge sind aber die im Alltag.

Das neue Leben der Kristina Vogel

Das neue Leben der Kristina Vogel

Der Trainingsunfall vor genau einem Jahr hat das Leben der Radsportlerin komplett verändert. Mit ihrem Schicksal hat sie sich auf beeindruckende Weise arrangiert.

Maximilian Levy wird beim Sprintercup in diesem Jahr fehlen. Der dreifache Vater hatte sich eine kleine Pause vom Bahnradsport genommen und auch auf die WM im Frühjahr im polnischen Pruszków verzichtet. Stattdessen suchte er eine neue sportliche Herausforderung – und wird am Wochenende in Frankfurt seinen ersten Ironman bestreiten. Unterstützung an der Strecke bekommt der 31-Jährige von Vogel. Sie ist mittlerweile wieder viel unterwegs. Reha, Termine, irgendwas ist immer. An der Radrennbahn in Cottbus war sie nicht wieder, schließt aber eine Rückkehr nicht aus: „Die Bahn in Cottbus ist kein Ort, den ich meiden möchte. Das ist ein Teil meiner Geschichte“, sagt sie. (mit dpa)

Mehr zum Thema Sport