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Görlitz

Darum läuft's nicht in der Augenarzt-Praxis

Fehlende Ärzte, lange Wartezeiten, kaum Termine: Nach dem Eigentümerwechsel gibt es auf der Struvestraße in Görlitz noch Probleme.

Hier war die Welt noch in Ordnung. Gert-Philipp Lüdke (links) und Lukasz Janiszewski waren die neuen Augenärzte in der Praxis in der Struvestraße in Görlitz. Doch die Ärzte blieben nicht lange. Die Nachbesetzung der Stellen verzögerte sich.
Hier war die Welt noch in Ordnung. Gert-Philipp Lüdke (links) und Lukasz Janiszewski waren die neuen Augenärzte in der Praxis in der Struvestraße in Görlitz. Doch die Ärzte blieben nicht lange. Die Nachbesetzung der Stellen verzögerte sich. © Nikolai Schmidt

Die Ankündigungen waren sehr verheißungsvoll, sechs Monate später läuft es aber noch immer nicht gut: Die Klagen über lange Wartezeiten auf einen Behandlungstermin und fehlende Ärzte in der früheren Augenarzt-Praxis Roy auf der Struvestraße finden kein Ende. Auch über ständig wechselnde Augenärzte ärgern sich viele Patienten.

Zum Jahresbeginn hatte das Medizinische Versorgungszentrum des Städtischen Klinikums Dresden (MVZ) die Augenarztpraxis Roy übernommen. „Aktuell sind in der Augenarztpraxis in Görlitz drei Augenärzte tätig, die an drei Wochentagen Sprechstunden anbieten“, erklärt Viviane Piffczyk, die Sprecherin des Dresdner Klinikums. Das sind zwei Augenärzte aus dem Klinikum Dresden. Der Dritte ist Dr. Dietmar Roy, einer der ehemaligen Praxisinhaber. Er arbeitet immer noch mit, obwohl er schon in den Ruhestand wollte. „Im Juli wird Dr. Roy durch einen weiteren Facharzt aus dem Klinikum Dresden abgelöst“, so die Sprecherin. Sie hofft, dass es dann zu der Qualität in der Terminvergabe für die Patienten kommt, die das MVZ selbst schon mit der Übernahme der Praxis angestrebt hatte. 

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„Wir bedauern es für die Patienten vor Ort sehr, dass wir nach einem guten Start mit zwei Medizinern nochmals einen Wechsel in der ärztlichen Versorgung hatten“, sagt die Sprecherin. Die Entfernung der Praxis in Görlitz zum Klinikum in Dresden stelle eine besondere Herausforderung dar, die oft schwieriger ist, als zuvor angenommen, erklärt sie weiter. Es sei zudem nicht abzusehen gewesen, dass die beiden Augenärzte, die im Januar gestartet waren, nur ein kurzes Gastspiel geben und nicht nur die Praxis in Görlitz, sondern auch das Klinikum Dresden verlassen und sich beruflich neu orientieren.

Trotz aller Probleme steht das MVZ weiter zur Übernahme der Praxis. Das ist sicher auch ein Verdienst des etablierten Teams vor Ort. Die bisherigen Mitarbeiter wurden übernommen. Die Praxisroutine habe sich schnell eingespielt und die Mitarbeiter an der Neiße sind den Augenärzten aus der Landeshauptstadt eine große Unterstützung, hebt die Sprecherin hervor.

Das MVZ möchte die augenärztliche Versorgung auf hohem Behandlungsniveau fortführen. Aus diesem Grund nehmen sich die neuen ärztlichen Kollegen ausreichend Zeit, um jeden Patienten und seine Erkrankung im Detail kennenzulernen. „Das über Jahre erworbene Wissen der ehemaligen Praxisinhaber Sylvia und Dietmar Roy zum Patienten lässt sich nicht einfach auf einen Nachfolger übertragen. Das muss mit jedem Patienten neu erarbeitet werden“, erklärt Frau Piffczyk. Das sei zeitaufwendig. Auch wenn Patienten zum Beispiel nur ein Rezept möchten, müsse das zur Diagnose passen. Der Arzt muss den Patienten deshalb selbst kennenlernen. „Es kann sich ja etwas beim Patienten verändert haben. Und da werden aus zwei Minuten Rezept abholen eben auch mal 15 Minuten mit Arztbesuch“, erklärt Viviane Piffczyk. Das Sprechstundenangebot werde jedoch durch die Kapazität der Ärzte bestimmt, die auch Dienste am Dresdner Klinikum leisten, so die Sprecherin.

Nachdem die Augenärzte Roy lange, aber vergeblich nach Praxisnachfolgern gesucht hätten, leiste das MVZ einen Beitrag zur augenärztlichen Versorgung im ländlichen Raum. „Die Alternative wäre die Schließung der Praxis gewesen“, betont die Sprecherin. Damit hätten sehr viele Patienten vor dem Problem gestanden, sich einen neuen Augenarzt suchen zu müssen – ein beinahe aussichtsloses Unterfangen zwischen Görlitz, Rothenburg und Niesky.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) ist es bekannt, dass es in der Praxis in der Struvestraße Versorgungsengpässe gibt, obwohl Mitte April und Mitte Mai zwei Augenärzte ihren Dienst aufgenommen haben. Auf Nachfrage weist die KVS nochmals darauf hin, dass Görlitz und der ehemalige Niederschlesische Oberlausitzkreis einen Versorgungsgrad von 141 Prozent mit Augenärzten haben. Damit stellt die KVS eine Überversorgung fest. 

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Trotzdem klagen nahezu alle Augenärzte zwischen Görlitz und Niesky über sehr hohe Arbeitsbelastung. Auch deshalb werden zum Beispiel in der Praxis von Malgorzata Maniszowska-Jedynak in Rothenburg keine neuen Patienten aufgenommen. Görlitzer hätten keine Chance, dorthin zu wechseln. Ohnehin betreue diese Praxis nur wenige Patienten aus Görlitz, sondern vorwiegend Menschen aus Rothenburg selbst und dem Umland, heißt es aus dieser Praxis.

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