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Darum macht die Kirche Schluss

Die Auslastung der Kreuzbergbaude in Jauernick ist gering, der Zuschuss hoch. Jetzt bleibt nur noch ein Ausweg.

Da war die Lage auch schon nicht rosig: Betriebsleiter Hans-Jürgen Horschig 2012 vor der Kreuzbergbaude in Jauernick.
Da war die Lage auch schon nicht rosig: Betriebsleiter Hans-Jürgen Horschig 2012 vor der Kreuzbergbaude in Jauernick. © Steffen Gerhardt

Der Blick vom Kreuzberg in Jauernick-Buschbach geht weit ins Land. Die Gäste der evangelischen Kreuzbergbaude bekamen diesen Blick kostenlos dazu, wenn sie sich auf dem Gipfel trafen. Doch das ist die längste Zeit so gewesen. Über ihre Facebookseite informiert die Begegnungsstätte, dass sie ab 2020 keine Reservierungen für Zimmer mehr annimmt. Der Grund: Die evangelische Kirche will ihre Tagungsstätte verkaufen. Und das sei ohne Belegung einfacher, bestätigt Superintendent Thomas Koppehl auf Nachfrage der SZ. „Der Betrieb wird eingestellt. Wir wollen den Komplex veräußern.“

Seit Langem macht die Tagesstätte Sorgen. Einen mittleren fünfstelligen Betrag müsse die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz jedes Jahr für den laufenden Betrieb der Einrichtung auf dem 347 Meter hohen Kreuzberg zuschießen. Und das, obwohl schon immer sparsam gewirtschaftet worden sei, wie der Superintendent betont. Die Auslastung betrage seit Längerem nur um die 30 Prozent. Trotz des Engagements der Mitarbeiter sei die Einrichtung nicht genügend in Anspruch genommen worden. Zu wenige Gäste kamen, um wenigstens auf eine schwarze Null zu kommen. Drei Mitarbeiter sind derzeit auf dem Berg beschäftigt. Für sie werde nach Lösungen gesucht.

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Seit die Kreuzbergbaude im November 1993 als Akademie der evangelischen Kirche nach umfangreicher, millionenschwerer Sanierung und einem neuen Anbau in Betrieb ging, sind nur die üblichen Erhaltungsmaßnahmen passiert. Es gibt einen Sanierungsstau. In den fünf Einzelzimmern, 22 Doppelzimmern und einer Ferienwohnung müsste modernisiert werden, bestätigt der Superintendent. Von dem kleinen Kirchenkreis sei das finanziell aber nicht zu bewältigen.

Der Superintendent, der seit 2007 im Kirchenkreis agiert, sieht den Grund für die schwache Auslastung unter anderem darin, dass es in der Region etliche Einrichtungen der Kirche gibt, die beispielsweise für Rüstzeiten und Freizeitgestaltung beliebter sind als die Kreuzbergbaude. Er berichtet, dass die Einrichtung von Anfang an auf Zuschüsse angewiesen sei. Auch in der Zeit, als noch Pfarrer Hans-Wilhelm Pietz die Akademie auf dem Kreuzberg leitete und regelmäßig kirchliche Lehrgänge und Tagungen, Ausstellungen, Musik-Probenlager, internationale Treffen der Polizei, von Frauenverbänden aus dem Dreiländereck und vieles mehr stattfanden.

Als dann die Kirchen von Berlin-Brandenburg und von Görlitz im Jahr 2004 zusammengingen, beschlich die Mitarbeiter auf der Kreuzbergbaude ein flaues Gefühl. Wussten sie doch, dass die Berlin-Brandenburger Kirche bereits eine ganze Reihe ähnlicher, attraktiver Tagesstätten und vor allem auch eine Akademie hat. Ihr Gefühl sollte sie nicht trügen: Die Berliner Akademie veranstaltete keine Tagungen oder Lehrgänge auf dem Kreuzberg.

Als dann vor fünf Jahren die Kirchenkreise Niederschlesische Oberlausitz und Hoyerswerda zusammengingen und praktisch einen gemeinsamen Kirchenkreis in der Größe der früheren Görlitzer Landeskirche bildete, geriet die Kreuzbergbaude kirchenintern heftig in Kritik wegen ihres jährlichen Defizits. Damals regte Thomas Koppehl an, ein neues Konzept für die Kreuzbergbaude zu erarbeiten oder für sie einen diakonischen Träger zu finden. Beides passierte nicht. Die Tagesstätte wurde weiter vom Kirchenkreis gemanagt. Für einen Fachmann, der inhaltliche Angebote erarbeitet und das Haus unter Regie der Kirche eigenständig wirtschaftlich führt, war offenbar kein Geld da. Dazu kommt die Lage der Stätte: Außerhalb der Stadt Görlitz, mit schlechter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, hoch oben auf dem Berg, den nicht jedes Fahrzeug im Winter bezwingen kann. „Die Logistik ist schwierig zu handhaben“, sagt Koppehl. Nun zeigt sich, dass der Kirchenkreis den wirtschaftlichen Betrieb nicht mehr leisten kann und will.

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Auch ein Zusammengehen mit dem katholischen Stift Sankt Wenzeslaus in Jauernick-Buschbach ist nicht die Lösung. Zwar arbeiteten beide Bildungsstätten in der Vergangenheit immer wieder mal zusammen, aber Gespräche über ein Joint Venture brachten kein positives Ergebnis, berichtet der Superintendent. Nun will der Kirchenkreis einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen und die Baude verkaufen. Zwar gibt es unterschiedliche Erwartungen an den Kauferlös zwischen Kirchenkreis und Landeskirche. Doch womöglich gewinnt die Lage in Jauernick nun doch neues Interesse: durch den Berzdorfer See ist Jauernick See-Anrainer.

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