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Darum sind Dresden und Zittau rausgeflogen

Nach dem Aus bei der Kulturhaupstadt-Bewerbung hat die Jury jetzt ihre Begründung veröffentlicht. Chemnitz muss noch nachbessern.

Aus, vorbei: Zerknüllter Flyer der Dresdner Kulturhauptstadt-Bewerbung.
Aus, vorbei: Zerknüllter Flyer der Dresdner Kulturhauptstadt-Bewerbung. © SZ

Chemnitz kommt weiter, Dresden und Zittau sind aus dem Rennen: So lautete vor sechs Wochen das Urteil der Jury bei der Vorauswahl aus acht deutschen Städten, die sich um den Titel als Kulturhauptstadt Europas 2025 beworben haben. Jetzt hat die Jury erstmals ihre ausführliche Begründung veröffentlicht. Darin werden die Mängel der Dresdner und Zittauer Bewerbungen aus Sicht der zwölfköpfigen Expertenkommission konkret begründet.

Die Dresdner Pläne werden dabei als zu unkonkret und undurchdacht kritisiert: "Es ist schwer erkennbar, inwiefern das Kulturhauptstadt-Projekt einen Mehrwert zur kulturellen Entwicklung Dresdens und seiner Region bringen würde", heißt es in dem Papier, das insgesamt 25 Seiten lang ist. Ebenso fehle eine "schlüssige künstlerische Vision". Zudem zeigte sich die Jury "erstaunt", dass Dresden sein weltberühmtes kulturelles Erbe nicht stärker in die Bewerbung eingebracht habe. Dies sei eine "verpasste Gelegenheit".

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Tatsächlich war die Bewerbungsbroschüre bewusst auf den angeblichen "Innovationsbedarf" der Kulturszene fokussiert und hatte das kulturelle Erbe Dresdens eher beiläufig vorausgesetzt - wohl auch aus Sorge, dass genau dieses Erbe allein die Jury nicht überzeugen würde. Diese kritisiert nun jedoch eine mangelnde "Sichtbarkeit" des Kulturhauptstadt-Konzeptes "im ohnehin schon sehr aktiven künstlerischen Leben Dresdens".

An der Zittauer Bewerbung lobt die Jury ausdrücklich sowohl "den Enthusiasmus und die Energie des Projektteams" als auch das Engagement des Oberbürgermeisters Thomas Zenker. Jedoch zweifelt sie an der "Kapazität" der Region, um ein Kulturprogramm dieser Größe und Tragweite umzusetzen. Außerdem sei die "europäische Dimension" nicht ausreichend berücksichtigt, und es fehle eine sichtbare Strategie, um europäisches und internationales Publikum anzuziehen, auch aus den Nachbarländern Polen und Tschechien. Die Slogans "365°Leben" und "365°Europa" seien "rätselhaft".

Chemnitz ist zwar in der Bewerbung eine Runde weiter - ebenso wie Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg. Aber auch zu dieser Bewerbung übt die Jury noch deutlich Kritik und empfiehlt Nachbesserung.

So überzeuge die Stadt zwar mit einem "soliden partizipatorischen Ansatz". Mehrfach wird jedoch beanstandet, dass die Chemnitzer Bewerbung sich nicht ausreichend mit den Ereignissen im Sommer 2018 auseinandersetze, als es in der Stadt rechtsextreme Ausschreitungen gab. Es fehle ein Plan, "in dieser Hinsicht mit anderen zu diskutieren und von anderen zu lernen", etwa mit internationalen Künstlern und anderen europäischen Städten. Den Slogan "Aufbrüche" hält die Jury für Marketing-Zwecke problematisch, zumal für ein internationales Publikum: "Er sollte noch einmal überdacht werden."

Auf Twitter reagierte das Chemnitzer Bewerbungsbüro am Mittag: "Wir danken der Jury für ihren detaillierten Report. In vielen Punkten deckt sich das mit unserer selbstkritischen Analyse. Wir arbeiten weiter unter Hochdruck..." Auch Zittau twitterte: "Der Juryreport ist da. Wir lesen übers Wochenende und melden uns in der kommenden Woche dazu."

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Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert erklärte in einer Pressemitteilung: "Wir werden den Jurybericht nun detailliert analysieren und die konkreten Hinweise der Jury prüfen. Ich bin überzeugt, dass die Projekte und Visionen des Bewerbungskonzepts auch ohne Kulturhauptstadt-Titel eine großartige Chance für unsere Stadt sind."