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Das 30. Jahr ist das schwerste

So lange gibt es das Blumenhaus Krautz in Groß Düben. Und Corona wird daran nichts ändern. Von Quereinsteigern, die sich auch als Seelenpfleger verstehen.

Blumig wurde es auch zum Jubiläum. Das Team des Blumenhauses Krautz in Groß Düben ist guter Dinge und froh, wieder für die Kunden da zu sein: Kathi, Christel, Chefin Marlies Krautz und Tochter Antje (von links nach rechts im Bild zu sehen).
Blumig wurde es auch zum Jubiläum. Das Team des Blumenhauses Krautz in Groß Düben ist guter Dinge und froh, wieder für die Kunden da zu sein: Kathi, Christel, Chefin Marlies Krautz und Tochter Antje (von links nach rechts im Bild zu sehen). © Joachim Rehle

So viel Trubel wie am Mittwoch ist nicht jeden Tag im Blumenhaus Krautz in Groß Düben. Man feiert ja auch nicht jeden Tag Jubiläum. Sogar Kinder der Kita „Spatzennest“ und der Karnevalsverein kamen gratulieren. Seit 30 Jahren gibt es das Geschäft mittlerweile. Am 1. Juli 1990 haben es Marlies und Wolfgang Krautz gegründet. Zum Jahrestag nahm die Zahl der Gratulanten und guten Wünsche gar nicht ab. Inzwischen ist wieder normaler Alltag eingekehrt. Marlies Krautz schneidet das Schleierkraut aus dem eigenen Garten für die weitere Verarbeitung zurecht, Tochter Antje bindet ein Trauergesteck.

Es war die wohl härteste Zeit

Über den Zuspruch ihrer Kunden hat sich die Chefin des Blumenhauses sehr gefreut. Denn hinter ihr und ihrem Mann liegt die wohl härteste Zeit ihrer Selbstständigkeit. Als das Blumenhaus wegen Corona nicht öffnen durfte, haben sie und Tochter Antje sich mit dem Verkauf auf einer Freifläche beholfen – mit Selbstbedienung und einer Kasse des Vertrauens. Fast so wie in den Anfangsjahren. Auch telefonische Bestellungen wurden abgearbeitet. Dennoch lief alles auf Sparflamme. Zum einen bekamen sie zu spüren, dass wegen Corona das Leben selbst bis in die Familien hinein zum großen Teil zum Erliegen kam, Feiern schlichtweg ausfielen oder verschoben wurden. Zum anderen waren viele Kunden unsicher, trauten sich nicht zum Blumenkauf. „Es war viel Redebedarf“, sagt Antje Krautz. Während der Schließung waren täglich die Blumen im Laden zu gießen, gab es auch sonst einiges zu tun, worum sich Mutter und Tochter gekümmert haben. Die anderen beiden Mitarbeiterinnen aber mussten sie nach Hause schicken.

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Ein Befreiungsschlag

„Als wir wieder öffnen durften, war das wie ein Befreiungsschlag“, betont Antje Krautz. Glück im Unglück: Die Kunden sind wieder da. Sie kommen hauptsächlich aus der Verwaltungsgemeinschaft Schleife, aber ebenso aus dem Brandenburgischen. Mit dem Muttertag gab es ja auch gleich einen schönen Anlass für Blumen – und für das Team, kreativ zu sein. Nach der Frühjahrs- ist nun die Sommerbepflanzung an der Reihe. Der Umsatzeinbruch aber, so viel steht fest, ist wohl nicht wieder aufzuholen. Zumal sich über die Jahre zeigte, dass die Nachfrage in der Urlaubszeit geringer ist. Richtig viel zu tun gibt’s wieder im Herbst und erst recht in der Adventszeit, die das Team jährlich mit einer kleinen Ausstellung am ersten Advent einleitet.
Weil es zu DDR-Zeiten wenig Obst und Gemüse gab, haben Marlies und Wolfgang Krautz es im Garten selbst gezogen. Das war ihr großes Hobby. Blumen habe sie sowieso schon immer gemocht, wie sie sagt.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Obwohl sie nicht vom Fach waren, ergriffen beide zur Wende die Chance beim Schopfe und machten einen eigenen Laden auf. Angefangen haben die gelernte Köchin und ihr Mann, der eigentlich Maurer ist, ganz klein in einem ausgebauten Stall; verkauft haben sie auf dem Hof. Es gab Schnittblumen, ein paar Sämereien, Außenbepflanzung für Beet und Balkon. Tochter Antje erinnert sich, dass sie nach der Schule oft im Blumenhaus war, dass sie auch selber kleine Sträußchen gebunden hat. „Ich bin da so reingewachsen und zwischen den Blumen groß geworden“, erzählt die heute 42-Jährige. Auf die Idee, irgendwas anderes zu machen, sei sie deshalb erst gar nicht gekommen.

Irgendwann wurde der erste Laden zu klein und deshalb ein Wintergarten angebaut, im Jahr 2000 dann das heutige Ladengeschäft eröffnet – mit dem zusätzlichen Angebot eines Cafés. Letzteres haben sie Jahre später schweren Herzens wieder geschlossen, weil es ihnen zu viel und nicht mehr zu händeln war. Derzeit wird das Außengelände erweitert und der Teich in die Verkaufsfläche integriert. Auf den Pavillon muss noch das Dach drauf. Die Kunden werden dort Außenkeramik, zum Beispiel schicke Pflanztöpfe, zu sehen bekommen, gibt Antje Krautz einen Ausblick. „Das Angebot an Accessoires und Dekoartikeln, die das Leben und das Zuhause schöner machen, soll noch erweitert werden“, wie sie sagt. Mancher holt sich am Teich Inspirationen. Sie erzählt, dass die Kinder der Kita gerne hinkommen, um den Fröschen zuzusehen. Mutter und Tochter schmunzeln.

Zukunft und Zuversicht

Ein Gartenbaubetrieb sind Krautzens nicht. Sie verkaufen Blumen aus Holland, aber auch von heimischen Gärtnereien. Die Topfpflanzen holen sie auf dem Großmarkt. „Pflanzen sind ja nicht bloß Arbeit, die womöglich zur Belastung wird. Blumen sind gut für die Seele“, sagt Antje Krautz. Darin sind sich Mutter und Tochter einig. „Und es macht ja auch Freude, wenn man sieht, wie alles wächst und gedeiht“, fügt ihre Mutter hinzu.
Familie Krautz blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Berechtigt! Tochter Antje wird das Geschäft übernehmen, wenn die Eltern in den Ruhestand gehen. Zwar sei noch kein Termin gesetzt, aber der Fortbestand des Familienbetriebs gesichert.

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