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Das Abthaus bekommt ein neues Dach

Vier Jahre hat es gedauert, um das Geld zusammen zu bekommen. Eine Finanzspritze gibt es sogar aus Berlin.

Von Tina Soltysiak

Die Holzstufen, die zum Dachstuhl des Abthauses des Klosters Buch führen, knarren. Sie sind aber noch in einem guten Zustand. Davon kann beim Dachgebälk selbst keine Rede sein. Die Stützpfeiler sind morsch. Das Holz ist vom Schimmel befallen. Er zeigt sich in Gestalt weißer Flecken. Ein undichtes Dach hat sein Übriges getan. „Deshalb müssen wir den Dachstuhl reparieren und das Dach neu decken“, erläutert Rica Zirnsack vom Förderverein Kloster Buch die Pläne. Im Mai sollen die Arbeiten beginnen. Gestern Nachmittag sind die Umschläge mit den Angeboten der Firmen geöffnet worden. „Das Bauplanungsbüro Schroeder aus Döbeln prüft sie, in etwa einer Woche kann die Vergabe erfolgen“, sagt die Projektkoordinatorin.

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Erster Antrag vor vier Jahren

Die Sanierung des Dachs ist überfällig. Seit mittlerweile vier Jahren bemüht sich der Verein darum. Der Baustart musste immer verschoben werden. Bisher hat das Geld gefehlt. „Die Änderungsbescheide und die Zwischenfinanzierung über die Sparkasse sind jetzt in trockenen Tüchern“, sagt Rica Zirnsack. Nun kann es endlich losgehen.

Der Verein muss die Gesamtkosten in Höhe von etwa 120 000 Euro vorfinanzieren. Gut 6 000 Euro davon sind als Eigenanteil aufbringen. Unterstützung gibt es durch Fördermittel der Integrierten Ländlichen Entwicklung sowie Geld aus dem Mauerfonds. Er ist vom Bund eingerichtet worden. In den Fonds fließen die Erlöse aus dem Verkauf von Grundstücken entlang der früheren Berliner Mauer.

Bis September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Nicht nur, weil dann das Wetter wieder schlechter werden könnte, sondern auch, weil dann das Erntedankfest groß gefeiert wird. Wenn bisher der Wind stark geblasen hat, haben alle Klostermitarbeiter gezittert. Gästeführerin Sabine Patzelt erklärt: „Es sind immer wieder Dachziegel herabgefallen. Das ist nicht ungefährlich.“ Mit der Instandsetzung des Daches soll sich das ändern.

Historie statt Perfektion

Perfekt soll das Dach nach der Fertigstellung aber bewusst nicht ausschauen. „Das wellige Aussehen wollen wir beibehalten“, sagt Rica Zirnsack. Das hänge damit zusammen, dass der altertümliche Dachstuhl so weit wie möglich erhalten bleiben soll. Die Statik hat dabei jedoch Vorrang. „Eine Rekonstruktion nach dem Vorbild des Mittelalters ist nicht möglich“, ergänzt Zirnsack.

Nichtsdestotrotz sollen so viele Balken wie möglich erhalten bleiben. Dabei gibt es eine Kuriosität: Das Gebälk stammt aus dem 14. Jahrhundert. „1870 sind Umbauarbeiten erfolgt. Diese Balken sind nass geworden, ihr Zustand ist schlecht und sie müssen ausgetauscht werden. Die Hölzer aus dem 14. Jahrhundert hingegen sind noch stabil“, erklärt Rica Zirnsack.

Restaurator hofft auf Funde

Dass die Bauarbeiten starten, freut auch Thomas Schmidt. Er ist seit 2002 der Hausrestaurator. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir noch Malereien oder Ähnliches beim Umbau entdecken“, sagt der Minkwitzer. Vor allem in der Dachtraufe könnte noch etwas zum Vorschein kommen. Er findet es spannend und hofft, viele Dinge zu entdecken, die noch nicht näher untersucht worden sind, sagt er.

Bekannt sind die schwarzen Ornament-Malereien, die einige Holzbretter an den Wänden zieren. Seit September vergangenen Jahres sind sie mit schwarzen Planen abgedeckt. „Die Malereien sollen vor der Witterung und dem Baustaub geschützt werden“, erklärt der Diplom-Restaurator. Die Ranken seien in einem recht guten Zustand. Sie stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Malereien früher farbiger gewesen sind. „Durch den Harzanteil im Holz kann die Farbe umschlagen“, erklärt Schmidt. Einer Restaurierung der Rankenmalerei sei er nicht abgeneigt. „Doch auch dafür wird Geld benötigt.“ Für den Förderverein Kloster Buch haben andere Projekte Priorität. Der reich verzierte Raum unterhalb des Dachstuhls sei wahrscheinlich als Wohnkammer für Familienmitglieder oder Angestellte des adeligen Gutspächters genutzt worden, vermutet Thomas Schmidt.