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Das Aus für den Waldseilpark

Die Orkanschäden im Wald an der Talsperre Malter sind irreparabel. Was machen die Betreiber jetzt?

Mehrere Gutachter haben sich nach dem Orkan im März den Waldseilpark an der Talsperre Malter angesehen.
Mehrere Gutachter haben sich nach dem Orkan im März den Waldseilpark an der Talsperre Malter angesehen. © Karl-Ludwig Oberthür

Der Schrecken war groß, nachdem der Orkan Eberhard Anfang März durchs Osterzgebirge gezogen ist. Er hat Häuser abgedeckt und vor allem in den Wäldern riesige Schäden angerichtet. Dabei ist auch ein besonders bekanntes Waldstück zerstört worden, der Kletterpark „Sherwood Forest“ in Paulsdorf an der Talsperre Malter. Hier hat der Sturm eine Reihe von Fichten und Kiefern entwurzelt, geknickt oder angeschoben. Sie waren so beschädigt, dass der Park dieses Frühjahr gar nicht erst öffnen konnte.

Nun gab es bisher noch Hoffnung, dass die verbliebenen Bäume für den Parkbetrieb ausreichen, eventuell der benachbarte Wald miteinbezogen werden könnte. Aber diese Hoffnung mussten Ronny Petzold und Danny Schubert, die Betreiber des Parks, inzwischen begraben. „Es wird an dieser Stelle keinen Kletterpark mehr geben“, sagte Petzold zur SZ.

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In der Woche vor Ostern rückte der Forstunternehmer Tilo Börner aus Seifersdorf mit schwerer Technik an, um all die beschädigten Bäume komplett umzusägen und aus dem Park zu räumen. Danach konnten auch Fremde das Areal wieder betreten, ohne akut in Gefahr zu schweben. Bis dahin wusste ja niemand, wann einer der hängenden Bäume plötzlich in Bewegung kommt.

Der Baumgutachter konnte kommen und sich die verbliebenen Fichten und Kiefern ansehen. Nun liegt sein Gutachten vor – und es bedeutet das Aus für den Waldpark. „Ein Wiederaufbau an dieser Stelle funktioniert definitiv nicht mehr“, sagt Ronny Petzold. „Zu viele Bäume sind kaputt. Das Risiko dort ist jetzt einfach zu groß.“

Außerdem haben sich die Bedingungen in den vergangenen zehn Jahren auch verschärft. Schubert und Petzold sind jetzt sehr froh, dass sie für ihren Park eine Versicherung haben, welche die Schäden und die Betriebsunterbrechung wenigstens großteils abdeckt. „Aber wir wissen von befreundeten Unternehmern, dass Kletterparks heutzutage gar nicht mehr gegen Sturm versichert werden“, sagt Petzold. Das würde einen Neuanfang erheblich schwieriger gestalten. Denn ohne Versicherung sind auch Banken zurückhaltender mit Krediten.

Olaf Wache war mit den Betreibern Danny Schubert (li.) und Ronny Petzold (re.) kurz nach dem Sturm im Wald. Inzwischen ist ein Baumgutachter zu dem Schluss gekommen, dass an dieser Stelle kein Kletterpark mehr möglich ist.
Olaf Wache war mit den Betreibern Danny Schubert (li.) und Ronny Petzold (re.) kurz nach dem Sturm im Wald. Inzwischen ist ein Baumgutachter zu dem Schluss gekommen, dass an dieser Stelle kein Kletterpark mehr möglich ist. © Egbert Kamprath

Der Kletterpark war ein wichtiges Angebot im Naherholungsgebiet an der Talsperre Malter. Er fehlt nun. „Das ist dramatisch“, sagt Klaus Kaiser, Geschäftsführer der Weißeritztal-Erlebnisgesellschaft, zu dieser Entwicklung. „Die Betreiber haben ihn immer weiterentwickelt und die Bekanntheit gesteigert. Der Park hat viele Besucher angezogen, vor allem auch Schulklassen.“ Kaiser bedauert sehr, wenn der jetzt fehlen wird. Das hinterlässt eine Lücke im Angebot.

Auch Ronny Petzold und Danny Schubert, die beiden Parkbetreiber, sind nun in einer ungewissen Lage. Für sie ist derzeit alles offen. „Wenn vielleicht ein Investor käme mit einer Idee, würden wir gerne auch als Angestellte mitarbeiten und unser Know-how, unsere Erfahrung mit einbringen“, sagt Petzold. Auch die Möglichkeit, anstelle der Bäume Masten zu setzen, besteht. Aber das würde viel größere Kosten verursachen. Dafür wäre ein Investor erforderlich. „Und es ist auch nicht das, was uns vorschwebt“, sagt Petzold. Ihr Anliegen war ein naturnaher Park.

Sie haben bisher neben den Kletterparcours auch die Möglichkeit zum Bogenschießen angeboten. Das wäre zwar weiterhin möglich. Aber dieses Angebot reicht nach den bisherigen Erfahrungen nicht aus, um eine Existenz zu sichern.

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Jetzt steht noch die Aufgabe vor ihnen, die Reste des Parks zurückzubauen, soweit diese noch an den Bäumen hängen. Zugleich müssen sie auch für sich persönlich einen neuen Weg suchen, möglichst einen, bei dem sie ihre Erfahrung aus zehn Jahren Waldseilpark mit einbringen können.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

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