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Das Beste vom Meister

Johannes Gärtners Wagner-Spiele kommen mit einem Intermezzo nach Graupa. Erst 2015 geht es richtig weiter. Geplant ist eine Trilogie.

© Thomas Morgenroth

Von Thomas Morgenroth

Vorsichtshalber legt Johannes Gärtner sein Smartphone im himmelblauen Strickpullover und den Schlüsselbund zu Füßen des Meisters. Dann springt der sportliche Schauspieler mit angewinkelten Beinen und einer Hand am Ohr dem bronzenen Richard Wagner in fast drei Meter Höhe entgegen, um zu hören, was der Komponist dazu sagen wird. Wozu? Na, dass ihm zu Ehren in Graupa erneut Wagner-Spiele stattfinden und er höchstselbst im Hof des Jagdschlosses erscheinen wird.

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Nun, Wagners Jubel hält sich in Grenzen. Seinen von Richard Guhr geschaffenen Kopf kann er sowieso nicht drehen, es wird also wieder nur in seinem Nacken gespielt. Immerhin darf er sich an der Musik erfreuen, seinen eigenen Hits aus den Opern „Tannhäuser“, „Rienzi“, „Der fliegende Holländer“ und natürlich „Lohengrin“; neuen Werken von Georg Wieland Wagner, der trotz des Namens kein Verwandter Richards ist; und an den Liedern „Das ist ein Flöten und Geigen“ sowie „Schwarz-Rot-Gold“ von Robert Schumann, gesungen von Annette Jahns.

Der Auftritt der renommierten Dresdner Altistin ist eine neue Zutat im musikalischen Sommertheater „Wagners Welt: Dresden“, das im vergangenen Juni im Hof des Jagdschlosses Graupa seine Uraufführung erlebte. Mit beinahe einhundert Mitwirkenden, darunter Einwohner Graupas als Komparsen und der Richard-Wagner-Chor, lässt Gärtner die bewegte Zeit vor mehr als einhundertfünfzig Jahren lebendig werden. Mit einem von Robby Langer überzeugend gespielten Richard Wagner, der nicht nur als genialer Komponist und Dichter in die Geschichte einging, sondern auch als Schuldenkönig, der es seinen Mitmenschen nicht leichtmachte.

Das Publikum feierte das launige Spektakel, für das Gärtner das Buch schrieb, Regie führte und auch das finanzielle Risiko trug. Alle zwei Jahre sollen die Wagner-Spiele in Graupa stattfinden, also wieder 2015. Nun aber gibt es am ersten Juliwochenende ein einmaliges Intermezzo. Anlass sind die Mitgliederversammlung und das Sommerfest des Richard-Wagner-Verbandes Dresden, der sich diesmal in Graupa trifft. Allerdings wird nicht das gesamte Stück gezeigt, mit zweieinhalb Stunden, sagt Gärtner, wäre es in diesem Rahmen zu lang. Der 34-Jährige hat eine gekürzte, aber keineswegs abgespeckte Fassung erarbeitet, eine Art „Best of Wagner-Spiele“, die mit neunzig Minuten noch immer abendfüllend ist. Zumal im Vorprogramm noch zwei Sängerinnen auftreten, Pauline Weiche und Krystina Ostendorf, die Stipendiaten des Wagner-Verbandes.

„So bleiben wir im Gespräch“, hofft Gärtner, der 200 Stühle aufstellen wird und die Gäste bei freiem Eintritt in das Freilufttheater im Schlosshof einlädt. Gärtner finanziert die Veranstaltung mit Sponsoren und zu kleinen Teilen mit Zuschüssen der Stadt Pirna und des Wagner-Verbandes.

Der umtriebige Theatermann, der deutschlandweit mit Programmen zu Schumann, Schubert, Schiller und Wagner unterwegs ist, will auch künftig in Graupa große Stücke zu Richard Wagner inszenieren. Geplant hat er eine Trilogie. Der erste Teil zu Dresden soll nächstes Jahr noch einmal laufen. Dann, sagt Gärtner, kämen Wagners Jahre im Exil dran und zum Schluss das Finale in Bayreuth. Fragen nach Terminen weicht er aus: „Ich arbeite bereits daran, aber ich will mich nicht festlegen.“ Er plant im Zweijahresrhythmus, also wäre 2017 die nächste Premiere dran.

„Vielleicht“, sagt Gärtner, grient und hüpft noch einmal vor dem grünpatinierten Nischel in die Höhe. An seinem Schaffensdrang und Beharrungsvermögen wird das Projekt wohl nicht scheitern. Gärtner hält es mit Wagner, der seine Ideen gegen alle Widerstände durchgesetzt hat, weil er davon überzeugt war, dass sie gut und richtig sind: „Und das bin ich auch.“

Richard-Wagner-Spiele, 5. Juli, 17 Uhr, Wagner-Stätten, Jagdschloss Graupa, Eintritt frei.