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„Das braune Pack muss verschwinden“

Charlotte Knobloch, die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, war in Bautzen. Sie findet klare Worte gegen rechts.

In einer eindrucksvollen Rede hat sich Charlotte Knobloch zum „Politischen Aschermittwoch in der Oberlausitz“ in der Bautzener Schützenplatzhalle für ein entschiedeneres Handeln gegen Rechtsextremismus ausgesprochen. Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland war von dem BautzenerCDU-Landtagsabgeordneten Marko Schiemann dieses Jahr als Hauptrednerin zur 20. Auflage der traditionellen Veranstaltung eingeladen worden. Vor ihrer Rede nahm Charlotte Knobloch sich die Zeit, auf die Fragen der SZ zu antworten.

Frau Knobloch, im Saal erklingt heitere Blasmusik. Ist der politische Aschermittwoch der geeignete Rahmen für ihr Anliegen?

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Ich weiß nicht, wie es ankommt. Vielleicht erwarten die Leute doch eher Humor und mit dem Hammer draufschlagen, so wie es in Bayern zugeht. Aber das bin ich nicht.

In Zwickau konnte die rechte Terrorzelle NSU über Jahre hinweg unentdeckt untertauchen. In Bautzen marschierten vergangenes Jahr Nazis ungehindert mit Fackeln durch die Innenstadt. Was läuft in Sachsen falsch?

Das ist nicht nur ein Problem in Sachsen. Die laufen auch in anderen Städten. Da hat die Politik lange Versäumnisse gemacht. Da sind noch große Aufgaben zu lösen, und ich hoffe, sie werden gelöst, damit dieses braune Pack endlich vom Erdboden verschwindet.

Eine Studie hatte jüngst offenbart, dass Antisemitismus bei jungen Leuten weit verbreitet ist.

Das hat mich schockiert. Antisemitismus ist keine deutsche Erfindung, aber er tut in Deutschland besonders weh.

Die Menschenkette in Dresden zum Jahrestag der Bombardierung am 13. Februar wird als Erfolg gewertet. Ist das die richtige Antwort auf Naziaufmärsche?

Es ist das beste Signal, wenn die Zivilgesellschaft sich den Neonazis geschlossen entgegenstellt und zeigt, dass Rechtsextremisten in unserem offenen und liberalen Land keinen Platz haben.

Offenbar mangelt es aber an Konzepten gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Was kann unsere Gesellschaft dagegen tun?

Es gibt schon Konzepte. Aber wesentlich wäre eine gesamtgesellschaftliche Debatte ohne Tabus und Ritualisierungen. Rechtsextreme Gesinnung und Antisemitismus beruhen oft auf Unkenntnis. Gerade bei jungen Menschen kommt noch hinzu, dass die Rechtsextremen ihnen attraktive Angebote machen und sie oft gar nicht wissen, mit wem sie es zu tun haben. Hier hilft nur Aufklärung und Dialog. Aber auch die Staatsgewalt muss die Rechten endlich entschlossener bekämpfen.

Sie plädieren für ein NPD-Verbot. Wäre damit das Problem gelöst?

Damit lässt sich nicht das Problem lösen, dass es rechtsextremes Gedankengut in unserer Gesellschaft gibt. Aber es ist unerträglich, zu wissen, dass die Rechtsextremen mit Steuergeldern subventioniert werden. Die NPD bietet eine Plattform für rechtextremistische Ideen. Unter dem Dach einer Partei haben die Rechten geordnete Strukturen, Zugang zu Geldern, zu Arbeits- und Kommunikationsmitteln. Der Entzug dieser Strukturen und Handlungsmöglichkeiten ist unerlässlich für ein zielorientiertes Vorgehen gegen Rechts.

Gespräch: Sebastian Kositz