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Das Büfett ist tot - es lebe das Büfett!

Wie eingeschränkt frühstückt es sich in Corona-Zeiten im Hotel? Recht unterschiedlich, zeigt ein Testbesuch in fünf Häusern.

Alles portioniert und in Gläschen gefüllt: Büfett im Posthotel Arnold im Fränkischen Seenland.
Alles portioniert und in Gläschen gefüllt: Büfett im Posthotel Arnold im Fränkischen Seenland. © Katrin Saft

Es gibt Menschen, die keine Lust mehr auf Hotel haben. Denn das Büfett ist tot – zumindest so, wie sie es geliebt haben: Nehmen, so oft und so viel sie wollen. Nicht nur schnöde den Hunger stillen, sondern unbeschwert in den Urlaubstag starten. Wer nun die lange Liste mit Hygienevorgaben der Hotel- und Gaststättenverbände liest, dem kann der Appetit tatsächlich vergehen. Doch wie sieht es in der Praxis wirklich aus?

Hotel Nautilus in Putbus – Mecklenburg-Vorpommern

An der Rezeption stehen jetzt zwei Becher mit Stiften – der eine mit benutzten und der andere mit desinfizierten. Bitte Kontaktdaten hinterlassen! Frühstück gibt’s wie immer bis zehn, heißt es. Allerdings würden Gästen nun feste Plätze zugewiesen. Auf jedem Tisch wartet eine Platte mit Standards wie Butter, Wurst und Käse – abgedeckt mit Folie und per Kühlakku frisch gehalten. Wer mehr möchte, muss den Schnuten-Pulli überstreifen, wie die Rüganer sagen, und an die Theke gehen. Hinter einer durchsichtigen Scheibe ist ein Büfett aufgebaut. Eine mundgeschützte Mitarbeiterin reicht Müsli, Eier, Obst oder Marmelade raus. Zu Stoßzeiten kann sich schon mal eine Schlange bilden – auch, weil sich Gäste vorne nicht entscheiden können. Die Blutwurst bleibt leider auf der Platte zurück. Ist halt nicht jedermanns Sache.

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Hotel Alte Ölmühle in Wittenberge – Brandenburg

Hier könnte man meinen, das Corona-Virus wäre schon nach China ausgewandert. Desinfektionsspender vor dem Frühstücksraum gibt es nicht. Mitarbeiter tragen keinen Mundschutz und fordern auch die Gäste nicht dazu auf. Der Chef geht von Tisch zu Tisch und fragt, ob alles bestens ist. Normalerweise eine freundliche Geste, doch jetzt, völlig ungeschützt, eher befremdlich.

Kein Gang zum Büfett ohne Desinfektion und Einmalhandschuhe.
Kein Gang zum Büfett ohne Desinfektion und Einmalhandschuhe. © Katrin Saft

Am Büfett ist Selbstbedienung möglich. Eine durchsichtige Scheibe hängt so davor, dass man mit den Händen darunter kommt und sich Käse oder Wurst aus Behältern nehmen kann. Ein junger Mitarbeiter beobachtet, dass niemand zu weit reinlangt. Nur das Rührei darf man sich nicht selbst auftun.

Nette Idee: Um das Übertragungsrisiko zu senken, werden Gäste in Hotels nun gebeten, ihr Zimmer nicht täglich reinigen zu lassen. In der Ölmühle hängt man dann ein Schild an die Tür. Statt „Bitte nicht stören“ ist ein Bier darauf zu sehen. Das gibt’s ab zwei putzfreien Übernachtungen gratis.

Hotel Heiderose in Vitte – Mecklenburg-Vorpommern

Auf der kleinen Insel Hiddensee ist die Angst groß, dass Urlauber das Virus einschleppen könnten. Insofern sind auch die Frühstücksregeln streng. Die Gäste müssen sich für einen von zwei festen Durchgängen entscheiden. Dazwischen desinfizieren Mitarbeiter die Tische und lüften eine halbe Stunde lang. Statt Büfett wird serviert. Dazu kreuzt man am Vortag auf einer Liste an, wie viele Brötchen – weiße oder dunkle –, wie viele Stückchen Butter, welche Marmelade und so weiter man essen möchte. Auf einem Zettel sind dann zum Frühstück extra noch die genaue Aufenthaltszeit und Kontaktdaten zu notieren. Zum Ei wird ein Papiertütchen mit Salz gereicht. Denn alle Gegenstände mit erschwertem Reinigungsaufwand sind zu vermeiden. Dazu gehören nach den Empfehlungen der Dehoga Mecklenburg-Vorpommern neben der Menage auch Stoffservietten und die Tageszeitung. Wer letztere lesen will, muss sein persönliches Exemplar kaufen.

Hotel Glocke in Rothenburg ob der Tauber – Bayern

Auch im Freistaat Bayern werden die Schutzregeln sehr ernst genommen. Im Hotel Glocke herrscht überall außerhalb der Zimmer Mundschutz-Pflicht. Gäste, die oben ohne nur mal schnell auf die Toilette wollen, werden zurückgeschickt.

Selbst die Obststücken sind im Hotel Glocke in Plastikfolie eingeschlagen.
Selbst die Obststücken sind im Hotel Glocke in Plastikfolie eingeschlagen. © Katrin Saft

Eine Mitarbeiterin passt auf, dass sich jeder die Hände desinfiziert hat und bereit liegende Einmalhandschuhe anzieht, wenn er ans Büfett will. Dort sind alle Lebensmittel schon wohl portioniert und verpackt – entweder in liebevoll beschriftete Einweckgläschen gefüllt oder in Plastikfolie gehüllt. Selbst der Klecks hausgemachte Marmelade oder das Stückchen Ananas wird durch Folie geschützt. Ein wahnsinniger Aufwand und hinterher viel Müll. Doch Greta scheint mit Corona verstummt.

Posthotel Arnold, Gunzenhausen – Fränkisches Seenland in Bayern

Mundgeschützte Gäste können sich recht frei am Büfett bedienen, denn auch hier befindet sich mit Ausnahme der Brötchen alles abgedeckt in Gläschen – mit jeweils einer Handvoll Müsli oder drei Erdbeeren. Das bedeutet am Schluss jede Menge Abwasch. Auf Tellern liegen mit Folie geschützte Käse- oder Wurstscheiben. Marmelade, Honig und Butter gibt es aus kleinen Fertigpackungen, Kaffee aus dem Automaten.

Fazit:

Das Büfett lebt selbst in Corona-Zeiten weiter! Zwar werden die Hygienevorgaben unterschiedlich umgesetzt. Aber die Hoteliers bemühen sich sehr, dass der Gast von den vielen Schutzvorkehrungen so wenig wie möglich mitbekommt. Mund und Nase im Frühstücksraum zu bedecken und respektvoll Abstand zu halten, ist zumutbar und kann die Urlaubsfreude nicht trüben. Und dass Lebensmittel nun hygienischer präsentiert werden, gibt einem sogar ein gutes Gefühl – wenn nur das Müllproblem nicht wäre. In vielen Hotels lässt sich jetzt im Sommer draußen frühstücken. Auch das schafft Sicherheit. Die eigentliche Last müssen die Mitarbeiter tragen. Servieren, portionieren, ständig desinfizieren – Hände, Tische, Speisekarten, Stifte, Türklinken, Handläufe, Toiletten. Der Mehraufwand ist enorm. Wohl noch nie war das Trinkgeld so schwer verdient.

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