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Das Corona-Ausbildungsjahr startet

Im Landkreis Meißen gibt es weniger Lehrstellen. Aber auch die Bewerber hielten sich zurück.

Viele junge Leute haben ihren Berufswunsch durch die Corona-Krise noch mal neu überdacht. Andere warten lieber ab und bewerben sich noch gar nicht.
Viele junge Leute haben ihren Berufswunsch durch die Corona-Krise noch mal neu überdacht. Andere warten lieber ab und bewerben sich noch gar nicht. © Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Meißen. Das Coronavirus beeinflusst nahezu alle Bereiche unseres Lebens, ganz entscheidend auch die Arbeitswelt. Das betrifft genauso diejenigen, die gerade erst ins Berufsleben starten. Wer schon immer Eventmanager werden oder ins Hotelgewerbe einsteigen wollte, überdenkt diese Entscheidung nun womöglich. Vielleicht ist ein Job im öffentlichen Dienst doch sicherer? Oder besser gleich noch ein Jahr warten, bevor man sich für eine Lehre entscheidet? Auch die Betriebe müssen abwägen: Können sie sich aktuell einen Azubi leisten? Gibt es für neue Mitarbeiter gerade überhaupt genug Arbeit?

Solche Fragen beeinflussen das neue Ausbildungsjahr, das bei vielen Betrieben im Landkreis Meißen Ende des Monats losgeht. Die Industrie- und Handelskammer attestiert einen Negativtrend bei der Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in allen Regionen Sachsens.

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 Im IHK-Bezirk Dresden, zu dem auch der Landkreis Meißen gehört, gibt es rund 2.870 Lehrverträge und damit 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Agentur für Arbeit hat im Landkreis Meißen aktuell noch rund 620 unbesetzte Ausbildungsstellen registriert. Gleichzeitig sind um die 370 Mädchen und Jungen noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle oder einer Alternative.

Bewerberzahlen in allen Bereichen zurückgegangen

„Bei vielen ist der zeitliche Kompass durch die Schulschließungen durcheinandergeraten“, sagt Lars Fiehler, Sprecher der IHK Dresden. Veranstaltungsformate, bei den sich Betriebe und potenzielle Azubis treffen, mussten abgesagt werden, Bewerbungstrainings in der Schule fielen aus.

Manche würden ihre Berufswahl vor dem Hintergrund der Pandemie und ihren Auswirkungen noch einmal komplett überdenken. Und noch andere hätten sich entschieden, lieber abzuwarten und das nächste Jahr zu überbrücken, bevor sie eine Ausbildung starten, erklärt Fiehler. 

Insgesamt seien die Bewerberzahlen in allen Bereichen in diesem Jahr zurückgegangen, nicht nur in denen von der Corona-Krise besonders gebeutelten, wie Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und der Veranstaltungsbranche.

Unsichere wirtschaftliche Lage

Auch viele Betriebe steckten in einem Dilemma: Zwar brauchen sie dringend Nachwuchs, aber in den letzten Monaten gab es genügend andere Herausforderungen, die zunächst im Vordergrund standen. „Viele mussten erst einmal sehen, wie sie ihre Stammbelegschaft sichern“, sagt Fiehler.

 Bei wem unsicher ist, wie sich die wirtschaftliche Lage in den nächsten Monaten entwickelt, überlege sich auch, ob er sich Azubis in diesem Jahr leisten kann. Der Agentur für Arbeit wurden 1.344 betriebliche Ausbildungsstellen im Landkreis zur Besetzung gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind das 108 Stellen weniger.

Große Betriebe haben Wettbewerbsvorteile

Einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um Bewerber haben die großen Betriebe, die für ihre gute Ausbildung bekannt sind. Beim Druckmaschinenhersteller Koenig und Bauer in Radebeul zum Beispiel konnten alle Ausbildungsplätze vergeben werden, sagt Jochen Mann, Leiter der Abteilung Berufsausbildung. 30 Azubis und ein BA-Student starten dort neu. Das Unternehmen hatte sich seine Azubis schon größtenteils vor der Corona-Krise gesichert.

Vom Rückzug der einen profitieren die anderen. Bei Feralpi Stahl in Riesa gab es in diesem Jahr einen guten Zulauf an Bewerbungen, sagt Personalleiter Kai Holzmüller. Mit 18 Azubis fangen dort Ende August sogar mehr Lehrlinge an als im Vorjahr.

In der medizinischen Berufsfachschule der Elblandkliniken beginnen 41 junge Leute ihre Ausbildung als Pflegefachmann und -frau. „In unserer Schule sind alle Plätze belegt, wir erwägen den Start sofort im März mit einer weiteren Klasse à 20 Schüler“, informiert Sprecherin Sylvia Dirscherl. Bewerbungsgespräche wurden in diesem Jahr pandemiebedingt digital und am Telefon geführt.

Bewerbungen sind noch möglich

Die IHK hofft derweil für alle Betriebe, die weniger Glück hatten auf Nachholeffekte. Immerhin: Es werden auch jetzt, kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres, noch täglich Verträge abgeschlossen, sagt Lars Fiehler. Auch Bewerbungen seien noch möglich. Auf der IHK-Lehrstellenbörse gibt es für die hiesige Region noch 700 freie Plätze in fast 100 verschiedenen Berufen.

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Kleine und mittelständische Betriebe, die von Corona betroffen sind, können aktuell eine Förderung durch das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ erhalten. Wer trotz Corona gleichviele Azubis wie im Durchschnitt der letzten drei Jahre einstellt, bekommt eine einmalige Prämie pro Azubi in Höhe von 2.000 Euro. Wer noch mehr einstellt, kann 3.000 Euro erhalten.

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