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„Das dauernde Hickhack behindert Zittau“

Thomas Zenker und Andreas Langhammer von „Zittau kann mehr“ sagen im SZ-Gespräch, was von der Wählervereinigung zu erwarten ist.

Von Thomas Mielke

Als die neue Wählervereinigung „Zittau kann mehr“ (ZKM) einen Tag vor Weihnachten ihre Gründung öffentlich machte, hat sie für ordentlich Wirbel in der Stadt gesorgt. Bisher war aber unklar, mit welchen Zielen die Mitglieder zur Wahl für den Stadtrat im Mai antreten. Nun ist die Programmdiskussion ein ganzes Stück vorangekommen. Thomas Zenker, Chef des neu gegründeten, gleichnamigen Vereins, und Andreas Langhammer, neben Zenker einer von mehreren Sprechern, sagen, wofür ZKM steht:

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Herr Zenker, Herr Langhammer, was hat Sie so an der Stadtpolitik gestört, dass Sie ZKM gegründet haben?

Thomas Zenker: Es geht nicht ums Stören. Wir sind gestartet, weil es eine ganze Menge Menschen gibt, die sich an Entscheidungen beteiligen könnten, es aber nicht tun. Wir haben das Gefühl, dass sich die Stadt ohne Beteiligung der Bürger irgendwo hinentwickelt. Es gibt sehr hoffnungsvolle Tendenzen und Ideen, aber wir haben nicht das Gefühl, dass sie bei den Entscheidungsträgern ankommen. Was uns tatsächlich gestört hat, ist das dauernde Hickhack, das dazu führt, dass Zittau überhaupt nicht vorankommt. Außerdem: Es wird immer von „Die Stadt muss“ gesprochen. Im Fußball heißt es dagegen: „Wir haben ein Tor geschossen“. Ich will, dass es wie beim Fußball wird.

Das Hickhack im Stadtrat?

Zenker: Auch, aber es geht vor allem um das Hickhack mit dem Landkreis und den umliegenden Gemeinden.

Was war der Anlass der Gründung der Wählvereinigung?

Zenker: Es hat schon lange rumort. Zwei Sachen haben uns alarmiert: Die Diskussionen um den Umzug des Technischen Rathauses und die Elefantensteine.

Andreas Langhammer: Da gab es Aussagen wie „Touristen sind in unserem Wald geduldet“. Dagegen muss man etwas tun.

Warum war noch eine Wählervereinigung nötig? Sie hätten sich doch den bestehenden anschließen können.

Zenker: Wir wollten nicht erst Strukturen umkrempeln. Zudem müssten Sie Ihre Frage an die Parteien stellen: Warum engagieren wir uns nicht bei denen?

Welche der guten Tendenzen und Ideen will „Zittau kann mehr“ befeuern?

Zenker: Wir müssen mehr von den Potenzialen der Stadt reden. Es gibt große Chancen. Eine ist die Hochschule, eine andere die Lage der Stadt.

Langhammer: Zittau hat eine reiche Geschichte. Aber man darf auch sagen: eine gute Gegenwart und eine gute Zukunft – vor allem wegen der Lage. Wir leben nicht am Ende Deutschlands, sondern in der Mitte Europas. Zudem haben wir eine gute Infrastruktur.

Zenker: Es gibt viel für die Präsentation Zittaus nach außen zu tun. Dabei ist die Wirtschaftsförderung ein wichtiger Aspekt. Es ist unverständlich, dass sie lange nur aus einer Person bestand. Nach innen wollen wir ein besseres Zusammenwirken von Verwaltung, Stadtrat und – ganz wichtig – den Bürgern. Wir wollen die Stadt gemeinsam mit ihnen entwickeln. So etwas hat große Auswirkungen auf das Stadtleben, den Tourismus, die Wirtschaft und die Kultur… Wir sagen nicht: Dort müssen wir einen entlassen, dort drei einstellen, dort 500 000 Euro investieren. Wir versprechen auch nicht die Ansiedlung von großen Unternehmen. Wer das tut, lügt. Wenn jedes vorhandene Unternehmen einen Mitarbeiter zusätzlich einstellt, weil es ihm gut geht, ist das mindestens genauso gut.

Langhammer: Das Wachsen von innen heraus muss stärker gefördert werden als die Ansiedlung von Unternehmen in neuen Gewerbegebieten. Wir haben schon starke mittelständische Unternehmen, die weltweit agieren.

Wie wollen Sie die Bürger beteiligen, wenn die gar nicht wollen? Es gibt genügend Workshops, Diskussionsrunden und ausliegende Pläne, für die sich so gut wie niemand interessiert.

Zenker: Genau das ist doch die Aufgabe von Stadtrat und -verwaltung. Dazu gibt es modernere Methoden und da muss man kontinuierlich dranbleiben.

Langhammer: Jedes Unternehmen muss seine Kunden kontaktieren und einwerben. Das muss Zittau auch tun.

Zenker: Das Interesse eines Menschen an Beteiligung steigt, wenn er sieht, dass sie positive Folgen hat und Sinn macht.

Ganz konkret: Wie steht „Zittau kann mehr“ zum Einkaufscenter?

Zenker: Eine lebendige Innenstadt mit einem funktionierenden Center begrüßen wir, ein gigantisches mit einem Stückchen Innenstadt hinten dran lehnen wir ab.

Darf zukünftig auf dem Markt geparkt werden?

Zenker: Dazu haben wir uns noch nicht positioniert, weil wir erst einmal sämtliche Interessengruppen ins Boot holen wollen. Wir brauchen ein Mobilitätskonzept, das weit mehr als das Parken umfasst.

Langhammer: Ein Mobilitätskonzept, das zum Beispiel ein Parkleitsystem umfasst. Das fehlt bisher in Zittau völlig.

Aber es gibt doch schon einen Mobilitätsplan im Stadtentwicklungskonzept. Kennen Sie den?

Zenker: Ja, aber ist er umgesetzt? Gibt es ein Parkleitsystem, das außerhalb der Stadt beginnt?

Wie will „Zittau kann mehr“ mit der drohenden Überalterung umgehen?

Langhammer: Indem wir sie als Chance begreifen, denn sie ist zum Beispiel ein Wirtschaftsfaktor.

Zenker: Wir haben andere Rentner als vor 20 Jahren. Ein 70-Jähriger ist heute noch aktiv und will sich einbringen. Also muss ich ihn beteiligen.

Sie wollen, dass alte Menschen aktiv bleiben und sie gleichzeitig als Stadträte wegbeißen?

Langhammer: Ich als Jüngerer mache mir Gedanken, wie man die Situation verbessern kann. Wenn es die ältere Generation nicht macht, dann übernehmen wir.

Zenker: Von Wegbeißen kann keine Rede sein, es wird gewählt. Ein Generationswechsel steht an, wir sind Zittauer und wollen mitgestalten. Wobei mir an dem Wort Generationswechsel der Wechsel nicht gefällt. Das klingt nach Austausch. Wir wollen aber keinen kompletten Austausch. Auch in unseren Reihen sind ältere Menschen engagiert.

Was kann Zittau eigentlich mehr?

Zenker: Mehr kommunizieren, egal mit welchen Interessengruppen. Mehr wagen, mal neue Ideen aufgreifen. Mehr riskieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Senioren-EM der Leichtathleten. Sie war ein Zuschussprojekt, aber am Ende muss man sagen, dass wir damit für vergleichsweise wenig Geld große positive Effekte erzielt haben.

Wie viele Mitglieder hat Ihr Verein?

Zenker: 35, mit Umfeld um die 60.

Wie viele Ihrer Mitglieder treten zur Stadtratswahl an?

Zenker: So viele wie möglich.

Wann steht Ihre Kandidatenliste?

Zenker: Am 2. März.

Wenn Sie gewählt werden, wie sieht Zittau in fünf Jahren am Ende der Wahlperiode aus? Was ist Ihre Vision?

Langh.: Die Stadt zeigt, dass sie mehr kann. Zudem werden die Zittauer besser an Entscheidungen beteiligt und mitgenommen.

Zenker: In fünf Jahren sind wir auf dem besten Weg, dass Zittau in der Umgebung der prosperierende, kreative und energische Mittelpunkt ist, weil seine Einwohner, seine Stadtverwaltung und sein Stadtrat am gleichen Strang ziehen – was mindestens bis Dresden wahrgenommen wird.