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Das Denkmal soll weichen

Scharfenberg. Ein Investor will auf seinem Grundstück Reihenhäuser bauen. Der Ortsschaftsrat ist dagegen.

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Von Jürgen Müller

Jürgen Wieland hat große Pläne. Der Besitzer des Grundstückes am ehemaligen Buswendeplatz in Scharfenberg will bauen. Das wollte er schon vor 14 Jahren. Reihenhäuser sollten auf dem Grundstück entstehen. Die Pläne wurden abgelehnt, weil diese Häuser nicht ins typische Ortsbild des ehemaligen Bergbauortes Scharfenberg passen. Jetzt nimmt Wieland einen neuen Anlauf. Seine damalige Bauträgergesellschaft ist zwar längst pleite, doch das Grundstück gehört dem Privatmann noch immer.

Nicht mehr zu bewohnen

Dem Ortschaftsrat schlägt er vor, dort Häuser für betreutes Wohnen einzurichten. Mit zwei potenziellen Betreibern habe er schon gesprochen. Allerdings, um die Anlage wirtschaftlich betreiben zu können, seien mindestens 40 Wohnungen nötig. „Das ist auf diesem Grundstück nicht zu realisieren“, räumt Wieland selbst ein und verwirft damit diesen Vorschlag selbst. Er hat auch gleich noch – welch Zufall – einen Alternativvorschlag. Bereits fertig ist die Bauplanung für sieben Reihenhäuser. Leider, leider müsse er aber ein denkmalgeschütztes Haus, das sich auf diesem Grundstück befindet, abreißen. Denn das Haus sei in einem bedauernswerten Zustand, nicht mehr zu bewohnen. Das bringt Ortsvorsteher Manfried Eisbein auf die Palme: „Sie sind schließlich selbst dafür verantwortlich, dass dieses Haus so verfallen ist. 1992 war es noch bewohnbar.“ Es wäre jedenfalls bitter, wenn Scharfenberg auf dieses Denkmal verzichten müsste. Die geplante Reihenhaussiedlung sei für Scharfenberg unangemessen groß. Für den Ort seien Wohnstallhäuser typisch, so Eisbein. Wenn er jemanden habe, der das Grundstück kaufen und das Denkmal erhalten wolle, dann verkaufe er es sofort, sagt Wieland. Um im gleichen Atemzug hinzuzufügen: „Es gibt aber derzeit keinen Interessenten.“ Er wolle die Fläche jedenfalls wirtschaftlich verwerten. Dies ginge nur, wenn etwas hingebaut würde, das sich auch verwerten lasse.

Auch Ortschaftsrat Manfred Horn kann sich mit den Plänen des Investors nicht anfreunden. „Reihenhäuser sind generell nicht schön und deshalb schwer zu verkaufen. Besser wären kleine Einzelhäuser.“ Auch Betreutes Wohnen kann er sich an dieser Stelle, die mal so etwas wie das Zentrum des Ortes gewesen sei, nicht vorstellen.

Falk Clausnitzer von der Firma Pro Regio Management aus Klipphausen hingegen ist dafür, dass die Baulücke geschlossen wird. „Hier ist jemand da, der investieren möchte, da sollte man ihm die Möglichkeit auch geben“, sagt er. Aus seiner Sicht sei es jedoch günstiger, Mietwohnungen zu errichten. Die Nachfrage sei groß, es gäbe viele Wohnungssuchende in der Region, aber zu wenig gute Angebote. Das denkmalgeschützte Haus sei tatsächlich in einem sehr schlechten Zustand.

Das Haus gehört dazu

Eisbein, der den damaligen Verkauf des Grundstückes aus gemeindlicher Sicht als Fehler betrachtet, besteht darauf, dass das Denkmal stehen bleibt. „Wir sind am Fortbestand unseres Ortsbildes interessiert, da gehört dieses Haus dazu. Neue Häuser müssen sich dem zu erhaltenden Denkmal anpassen“, sagt er.