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Das digitale Klassenzimmer

Am Lessing-Gymnasium probieren Schüler gerade die Schule von morgen aus. Kann diese auf Bücher verzichten?

Von Jens Hoyer

Es ist Dienstag, 5. Stunde am Lessing-Gymnasium. Vor der Tür des Klassenzimmers drängen sich die Zehntklässler. Als aufgeschlossen wird, holen sie ganz selbstverständlich kleine Tablet-Computer und Tastaturen aus einem großen Kasten. Sie halten die Zukunft in den Händen, davon ist Schulleiter Michael Höhme überzeugt. Die kleinen Computer werden über kurz oder lang in den Unterricht Einzug halten und so selbstverständlich sein wie heute das Mathebuch und der Taschenrechner. „Wir werden das noch erleben“, sagt Höhme.

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Die Zehntklässler im gesellschaftswirtschaftlichen Profil dürfen die mediale Zukunft des Unterrichts schon mal ausprobieren. Das Lessing-Gymnasium ist eine von 60 Schulen, die sich an einem Wettbewerb der Firma Samsung zur digitalen Schule beteiligen. Das koreanische Unternehmen stellt dafür 32 Tablet-Computer, einen Drucker und einen überdimensionalen Bildschirm zur Verfügung. Weil es ein Wettbewerb ist, müssen die Schüler mit den Rechnern auch etwas anstellen. Sie entwickeln mit der Programmiersprache Java eine sogenannte App, eines dieser kleinen Programme, die auf modernen Smartphones funktionieren. Die App soll es möglich machen, den Vertretungsplan der Schule, der im Internet verfügbar ist, ganz einfach aufs Handy abzurufen. Eine Sache mit durchaus praktischem Wert. Viele Schüler besitzen Smartphones mit Internetzugang, sagt Höhme. „Das Programm gibt es dann zum Herunterladen auf unserer Internetseite.“

Informatiklehrerin Sylvia Risse hat schon mal einen Prototyp entwickelt. „Ich habe die Winterferien zum Programmieren genutzt“, sagt sie. Ein paar Probleme waren zu knacken. Das Einloggen per Passwort auf der Schüler-Seite des Lessing-Gymnasiums zum Beispiel. Der Schüler bekommt auf seinem Smartphone exklusiv nur die Vertretungen für seine Klasse angezeigt.

Für fünf Wochen hat Samsung die Computertechnik zur Verfügung gestellt. Die Schüler, die nicht überm Programmieren sitzen, beschäftigen sich mit den Vermarktungsmöglichkeiten und der Preisgestaltung von Apps. Es wird ein Arbeitstagebuch über den Fortgang der Programmierung geführt. In der vergangenen Woche hatte Sylvia Risse einen Experten einer Firma aus Leipzig in den Unterricht eingeladen. Eine andere Schülergruppe programmiert ein kleines Spiel.

In einigen deutschen Schulen hat das digitale Zeitalter schon begonnen. Informatiklehrerin Risse hatte schon mit Kollegen zu tun, an deren Schulen ganze Klassen mit den Tablet-Computern ausgestattet sind. Auch Sachsen mache sich langsam auf den Weg, sagt Höhme. Einfach nur die nötige Technik zu kaufen, damit sei es nicht getan. „Man muss damit auch etwas Sinnvolles machen und didaktisch-methodische Konzepte entwickeln.“ Den Wettbewerb von Samsung hält er für eine gute Chance, schon mal erste Erfahrungen mit der Technik im Unterricht zu sammeln. „Irgendwann müssen wir damit starten.“

Der schulbuchlose Unterricht ist eigentlich gar nicht so weit weg. Das Gymnasium arbeitet heute schon mit elektronischen Varianten von Schulbüchern an seinen interaktiven Tafeln. Zur Vertiefung des Schulstoffs gibt es kleine Video- und Audio-Beiträge. „Das ist der Knaller bei diesen digitalen Varianten“, so Höhme. Während die Hersteller der Technik schon mit den Hufen scharren, seien die Schulbuchverlage beim Thema Digitalisierung noch zurückhaltend. „Ihnen fehlt noch das passende Geschäftsmodell.“

Theoretisch könnten die kleinen tragbaren Rechner irgendwann auch die Computerkabinette der Schulen ersetzen. Derzeit sei auf den Tablets aber noch nicht alles möglich, was im Informatikunterricht gebraucht wird, sagte Sylvia Risse.

Beim Umbau des Haupthauses wird auf die Entwicklungen schon vorgegriffen. Drei Klassenzimmer werden für die Arbeit mit den kleinen Rechnern optimiert, sagt Höhme. Im Haus steht dann auch eine kabellose Internetverbindung zur Verfügung, die für die Arbeit mit den Tablets gebraucht wird. Die gibt es auch schon im naturwissenschaftlichen Gebäude. Auch für das Kunstgebäude sei es eine Überlegung wert. „Dann brauchen wir nur noch jemanden, der uns 805 Tablets kauft“, meint der Schulleiter lachend. Mit etwas Glück ist mit dem Wettbewerb schon ein erster Schritt getan. Für den Sieger gibt es ein komplettes digitales Klassenzimmer im Wert von 20 000 Euro.