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Das Dilemma mit der Elbquerung

In der Hochsaison sind die Fähren in Strehla und Niederlommatzsch außer Betrieb. Nicht nur für Touristen ärgerlich.

Wie viele andere wollte auch Jens Hähnel aus Celle mit der Fähre von Niederlommatzsch nach Diesbar-Seußlitz übersetzen. Doch das wurde nichts, weil die Fähre „Stolzenfels“ nicht da ist.
Wie viele andere wollte auch Jens Hähnel aus Celle mit der Fähre von Niederlommatzsch nach Diesbar-Seußlitz übersetzen. Doch das wurde nichts, weil die Fähre „Stolzenfels“ nicht da ist. © Christian Kluge

Elbland. Die Info im Internet klingt erstmal gut: „Als Verkehrsgesellschaft Meißen mbH ist die Mobilität der Meißner, Großenhainer, Riesaer und Bürger der Region sowie der Pendler unser tägliches Geschäft.“ Tatsächlich stehen nicht nur die Berufspendler, sondern auch die Radtouristen aus nah und fern seit dem 5. März in Niederlommatzsch vor einer Fähranlegestelle, an der es keine Fähre gibt. 

Und was die Lage vor allem für die vielen Radurlauber nicht besser macht: Die Fähre „Nixe“ in Strehla liegt auch auf dem Trockenen, weil ihre Antriebsschraube abgefallen und in der Elbe versunken ist. Was sagen nun diejenigen, die gerne mal an diesen beiden Stellen den Fluss überquert hätten, um auf der anderen Seite zu radeln. Denn vor allem sind die Touristen die Leidtragenden, weil sie erst am Anleger davon erfahren, dass es diesmal nicht auf die andere Elbseite geht.

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„Das ist schade für die Leute“, sagt Jens Hähnel, der aus dem niedersächsischen Celle angereist ist und seine Eltern in Röderau bei Riesa besucht. „Diesmal ohne Familie. Aber letztes Jahr waren wir mit einer ganzen Truppe hier. Da haben wir auch hier in Niederlommatzsch mit der Fähre übergesetzt.“ Der 50-Jährige schafft auch problemlos 60 bis 70 Kilometer am Tag mit seinem Trekkingrad und würde sich freuen, wenn er nicht immer den gleichen Weg nach Riesa zurückfahren müsste, weil weder in Strehla noch in Niederlommatzsch die Fähren funktionieren.

Auch in der unweit des Niederlommatzscher Fähranlegers gelegenen Gaststätte Elbklause sieht man das alltägliche Leid der Leute, die gerne übersetzen möchten, aber nicht können. Anne Wagner, die Frau von Elbklause-Chef Erik Wagner: „Hier auf unserer Seite stehen oft verärgerte Menschen, die die Fährglocke läuten. Aber es kommt eben niemand.“ Und auch am Diesbar-Seußlitzer Elbufer tauchen nach Angaben von Niederlommatzschern vor allem am Wochenende zahlreiche Menschen auf, die gerne Richtung Elbklause übersetzen würden – natürlich ohne Erfolg.

Auf dem falschen Schiff

Das ist übrigens schon seit fünf Monaten der Fall. Da stand die lange bekannte Revision – also quasi der Fähr-Tüv – an. Und der zieht sich bis heute hin. „Wir kriegen keine Antwort, wann die Fähre wieder fahren wird“, ärgert sich auch Jens-Erik Beier, der Kapitän der Ausflugsschiffe „Clara von Assisi“ und „Lotti“, die beide unterhalb der Elbklause losfahren.

Seine für 30 Fahrgäste zugelassene „Lotti“ wird stattdessen öfter mal mit der fehlenden Fähre verwechselt. „Wenn ich da nicht gleich die Kette am Zugang zumache, sind gleich die Radler auf dem Schiff. Die wollen einfach übersetzen“, schüttelt Beier den Kopf. Und das, obwohl die kleine „Lotti“ gar nicht an der Fähranlegestelle liegt, sondern neben der viel größeren „Clara von Assisi“, mit der bis zu 75 Passagiere die Elbe hoch und runter schippern können.

„Es wäre schon schön, wenn die beiden Fähren fahren würden“, sagt auch Rainer Ochmann, der mit Ehefrau Andrea und den beiden E-Bikes am vergangenen Sonnabend schon eine ordentliche Strecke hinter sich gebracht hat. „Wir sind heute aus Torgau gekommen und wollten eigentlich in Strehla übersetzen.“

Eine Hinweistafel erklärt, dass die „Stolzenfels“ nicht fährt – seit inzwischen mehr als fünf Monaten.
Eine Hinweistafel erklärt, dass die „Stolzenfels“ nicht fährt – seit inzwischen mehr als fünf Monaten. © Christian Kluge
Eine Hinweistafel erklärt, dass die „Stolzenfels“ nicht fährt – seit inzwischen mehr als fünf Monaten.
Eine Hinweistafel erklärt, dass die „Stolzenfels“ nicht fährt – seit inzwischen mehr als fünf Monaten. © Sebastian Schultz
Auch in Strehla ist die Fähre Nixe derzeit nicht unterwegs, wie die Stadt per Aushang mitteilt.
Auch in Strehla ist die Fähre Nixe derzeit nicht unterwegs, wie die Stadt per Aushang mitteilt. © Christian Kluge

Das Ehepaar hat allerdings schon einen viel weiteren Weg hinter sich gebracht. „640 Kilometer“, sagt Rainer Ochmann beim Blick auf seinen Tacho. Beide wohnen in Syke bei Bremen, sind dort gestartet und an der Aller entlang nach Magdeburg gefahren. Dort ging es auf den Elberadweg. „Wir fahren noch bis Meißen weiter und dann über den Mulderadweg nach Freiberg, wo wir unseren Sohn besuchen wollen“, erzählt Mama Andrea. Das ist dann schon ein beachtlicher Radurlaub.

Apropos Strehla. Auch hier hat die SZ nachgefragt, was die Radurlauber zur fehlenden Fähre sagen. Schließlich finden sich auch jetzt einige Urlauber mit großen Campern und angeschnallten Rädern auf dem kostenlosen Parkplatz am Elbufer. „Wir hätten gern die Schleife gemacht über Riesa und auf der anderen Elbseite zurück nach Lorenzkirch“, sagt Elmar Heimes, während er in der Mittagshitze entspannt unter seinem Vordach sitzt. „Aber ohne Fähre klappt das eben nicht.“

Die Wiesbadener sind das erste Mal auf dem Elbeparkplatz in Strehla. „Andere Highlights in Sachsen haben wir schon früher gesehen. Wir sind oft in Dresden und auch im Elbsandsteingebirge gewesen.“ Neben Familie Heimes hat Familie Vogel ihr Wohnmobil samt Fahrrädern geparkt. „Heute ist es uns aber ein bisschen zu warm für eine Radtour“, sagt das ältere Ehepaar, das aus der Nähe von Weimar angereist ist. „Wir haben aber schon viel erlebt in diesem Urlaub.“

Kostenlos-Camping entschädigt

Bis in die Lausitz sind die Vogels dieses Jahr schon gefahren, waren in Görlitz und am Senftenberger See. „Da kostet der Stellplatz für Camper zehn Euro pro Tag“, erzählt Monika Vogel. „Aber Strom, Wasser oder Toilettenentsorgung gibt es dort genauso wenig wie hier in Strehla.“ Mit dem Unterschied, dass die Gäste in der Nixenstadt kostenlos ihren Camper abstellen können.

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Das SZ-Fähren-Fazit: Die Schiffe in Niederlommatzsch und Strehla fehlen doch sehr – und das nicht nur in der Urlaubssaison. Immerhin: Die Fähre zwischen Riesa und Promnitz, die Rie-Pro, ist unterwegs. In Riesa allerdings können die Radler auch den Weg über die Elbbrücke nehmen.

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