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Das Drachenboot wird leerer

Schon zwei Jahrzehnte paddeln die Dresdner Löwen über die Elbe. Doch in letzter Zeit schwinden die Mitglieder.

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Von Marcel Laskus

Lange ist es her, dass sich die Elbe zuletzt so schmal durch Dresden schlängelte. Als Ausrede gilt der aktuell so niedrige Pegel für die Hobbysportler aber nicht – das Drachenboot-Training findet statt, so wie jeden Dienstag- und Donnerstagabend. „Wir brauchen keinen Mindestpegel“, sagt Hannes Mähne. Gerade so sind heute genügend Leute zusammengekommen, den Verein plagt in letzter Zeit der Abgang von immer mehr Mitgliedern. „Die letzten Male war es immer richtig knapp, ob es überhaupt genügend Leute werden“, sagt der 29-Jährige Mähne. Dann eilt der Teamchef zum Bug des etwa 20 Meter langen Boots. Der 250 Kilogramm schwere Koloss wird zu zwölft vom Wagen ins Wasser gewuchtet, alle packen mit an. Die meisten hier sind im mittleren Alter, aber in überdurchschnittlicher Form. Für viele bringt das Training Abwechslung in den Alltag.

So auch für Angelika Neustadt, die mit 68 die Älteste im Team ist. Seit 1962 paddelt sie – erst im Kanu, dann im Drachenboot. Ihr Nachbar im Boot ist Bastian Schitzkat, 15 Jahre jung und erst zum zweiten Mal dabei. Von seiner Sorte bräuchte der Verein mehr, denn Bastian Schitzkat ist jüngstes Mitglied der Dresdner Löwen.

Die meisten haben Schule und Studium längst hinter sich. „Vor vier Jahren waren wir 40 Mitglieder, heute sind wir kaum mehr als 20“, sagt Mähne. Warum geht dem Verein der Nachwuchs aus? Seine Theorie: „Die Leute gehen lieber joggen oder kümmern sich um Freunde und Familie. Immer weniger haben Lust auf Teamsport.“ Deshalb sei es immer wieder eng, ob zum Training die nötigen zwölf Sportler erscheinen. Nur dann nämlich fährt das Boot aufs Wasser. Wenn Hannes Mähne nicht sein Team leitet, arbeitet er als Entwicklungsingenieur. Vor 16 Jahren zog er von Riesa nach Dresden und trat dem Verein bei, seitdem ist die Elbe sein zweites Zuhause. Er steuert das Boot, kümmert sich um das Training und meldet die Mannschaft zu Wettkämpfen an. Zwei, drei Stunden nimmt die Organisation pro Woche in Anspruch. Das macht er gerne.

Zuletzt fuhren die Laubegaster Löwen beim Dresdner Schlössercup mit sieben anderen Drachenbooten um die Wette, am Ende reichte es bloß für Platz fünf. Enttäuscht waren die wenigsten, denn Spaß und Gemeinschaft sind hier der eigentliche Gewinn. Umso wichtiger, dass das Drachenboot nicht bald noch leerer wird.