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Das Ei vom regionalen Erzeuger steht wieder hoch im Kurs

Arndt Trepte aus Wallroda verkauft Futtermittel, das garantiert dioxinfrei ist. Und er sieht den Trend zu naturgerechter Haltung.

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Von Matthias Nicko

Arndt Trepte hat einen bewegten Januar hinter sich: In den letzten vier Wochen hätten sich bei ihm bis zu zehnmal am Tag Kunden erkundigt, ob sein Futter einwandfrei ist. Das konnte und kann der Wallrodaer bejahen. Er bezieht das Futter von Lieferanten, die allesamt zertifiziert seien und versichert hätten, keine Geschäftsbeziehungen mit dem aufgeflogenen Dioxin-Betrieb in Norddeutschland zu unterhalten. Treptes Partner kommen aus Riesa, der Oberlausitz, Belgien und Holland. Sie versorgen seinen Futtermittelhandel mit Mischfutter wie Legemehl, das der Wallrodaer an Kleintierhalter mit überschaubarem Bestand weiterverkauft.

Trepte bezeichnet den Dioxin-Skandal in Schleswig-Holstein als „Sauerei“. Er sieht darin eine Folge des überall herrschenden Preisdrucks, den auch der Verbraucher mitbestimme. „Aber das gesündeste Ei wird nun mal von Hühnern aus Freilandhandlung produziert.“ Es freut Trepte deshalb, dass die Leute wieder mehr bei regionalen Eiererzeugern kauften.

Der Firmenchef hatte durch den Skandal keine Umsatzeinbußen. Im Gegenteil: „Die Leute finden zu einer art- und naturgerechten Haltung zurück.“ Der 53-Jährige züchtet auf seinem Hof selbst Hühner, gar seit 1875 und damit in sechster Generation Rassegeflügel. Mit seinem Sohn Marcus (28), Vorsitzender des 30 Mitglieder starken Radeberger Rassegeflügelzüchtervereins, ist er als Preisrichter im In- und Ausland unterwegs. Marcus ist ebenfalls in dem Wallrodaer Familienunternehmen tätig, ebenso wie Barbara Trepte und zwei Mitarbeiter. Der Betrieb bietet „alles rund um Tierzucht“, für Katze und Hund genauso wie für Kaninchen, Fisch oder Pferd. Das Angebot reicht von Vogelvoliere bis Einstreu.

Seinen Groß- und Einzelhandel mit Fertig- und Mischfutter betreibt Arndt Trepte seit der Wende. Ehefrau Barbara nennt als größtes Ärgernis die große Bürokratie mit den zahlreichen Auflagen, die keiner mehr überschaue: „Das muss sich nach unten bewegen, weil es einfach zu viel Zeit frisst.“ Erst im Januar seien Kontrolleure da gewesen. Die untersuchten Legemehl-Proben wanderten direkt ins Labor. Nach dem Dioxin-Skandal in Schleswig-Holstein kein Wunder und für die Treptes „verständlich“.

Im Wallrodaer Büro klingelt das Telefon. Eine Frau fragt nach Futtermöhren. Nebenan im Verkaufsraum stehen an diesem Vormittag gleich vier Personen in der Schlange. Unter ihnen ist ein Mann aus Weißig, der sich für belgisches Brieftaubenfutter interessiert. Ein Ehepaar aus der Umgebung und ein jüngerer Mann aus Bischofswerda sind ebenfalls gekommen.

Bis aus Leipzig reisten die Kunden an, so Arndt Trepte. Mit seinem Lkw geht (oder besser: fährt) er aber auch den umgekehrten Weg: Dann beliefert er Händler und Wiederverkäufer in Sachsen.

Ein Mann aus Ullersdorf betritt den Verkaufsraum. Er ist seit über zehn Jahren Kunde bei Treptes und kauft Sonnenblumenkerne für Meise, Specht und Kernbeißer. Die will er im angrenzenden Wallrodaer Wald, wo er einen Turm ausgebaut und zwei Vogelhäuser angebracht hat, an hungrige Piepmätze verfüttern. „Die haben ja im Winter nichts“, sagt er selbstlos, möchte seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen. Fast jeden Tag ziehe es ihn in den Wald.

Er ist ein Tier- und Naturfreund wie Arndt Trepte. Dieser sagt: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und arbeite aus Liebe zur Sache. Schön, wenn sich auch junge Leute für Tierzucht interessieren.“