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„Das Einfachste wäre ein Neustart“

Aufgrund der Corona-Krise gibt es im regionalen Fußballverband viele Fragen. Präsident Harald Sather hat versucht, darauf Antworten zu finden.

Seit mittlerweile zehn Jahren ist der ehemalige FIFA-Unparteiische Harald Sather aus Grimma ehrenamtlicher Präsident des Fußballverbandes Muldental/Leipziger Land.
Seit mittlerweile zehn Jahren ist der ehemalige FIFA-Unparteiische Harald Sather aus Grimma ehrenamtlicher Präsident des Fußballverbandes Muldental/Leipziger Land. © Thomas Kube

Corona hat uns fest im Griff. Die Arbeit, das private und öffentliche Leben, den Sport. Und natürlich auch den Fußball. In der Bundesliga ebenso wie im regionalen Bereich, wo es auch in Sachsen eine Generalabsage des Spielbetriebes auf unbestimmte Zeit gibt. Über die damit verbundenen Konsequenzen im Fußballverband Muldental/Leipziger Land sprach saechsische.de mit dem Präsidenten des Verbandes, dem ehemaligen FIFA-Unparteiischen Harald Sather aus Grimma.

Harald Sather, seit genau einem Monat rollt auf den Fußballplätzen der Region kein Ball mehr. Ist das Leben für Sie als Präsident des regionalen Verbandes ruhiger geworden?

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Auf jeden Fall. Man ist nicht mehr jedes Wochenende auf irgendeinem Fußballplatz oder in einem Stadion unterwegs.

Wie nutzen Sie die freie Zeit?

Ich habe angefangen, die vielen Sachen, die immer liegengeblieben sind, aufzuarbeiten. Aber das geht jetzt auch langsam dem Ende entgegen. Ob fußballtechnisch oder am Haus – ich hab jeden Abend etwas gemacht. Nach vier Wochen kribbelt es nun aber schon – wegen des Fußballs.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Inwieweit befinden Sie sich in diesen Krisenzeiten im Austausch mit Ihren Präsidiumsmitgliedern, beziehungsweise auch mit den Vereinen?

Mit dem Präsidium schon, wobei wir uns dazu entschlossen haben, dass wir uns den Entscheidungen des Sächsischen Fußballverbandes anschließen. Auch deshalb, weil wir zum Beispiel in puncto Spielordnung gar keinen Spielraum haben. Wir sind da gebunden und haben gesagt, dass wir jede Entscheidung des Landesverbandes, mit dem wir in engem Kontakt stehen, mittragen werden. Ansonsten warten wir ab, was passiert. Und wenn es Entscheidungen über eine Lockerung der Allgemeinverfügung geben sollte, werden sich das Präsidium und der Vorstand kurzfristig treffen und beraten, wie es weitergeht.

In einem offenen Brief an die regionalen Fußballvereine haben Sie diesen Unterstützung angeboten. Wird dieses Angebot genutzt?

Es hat ein paar Anfragen zu Fördermöglichkeiten wegen der Corona-Krise gegeben. Wir stehen da auch in engem Kontakt mit dem Kreissportbund, doch bislang ist da noch nichts konkret. Man muss dann bei jedem Verein individuell sehen, was es für Möglichkeiten gibt.

Die Verband Muldental/Leipziger Land besteht mittlerweile seit zehn Jahren. Seit diesem Zeitraum fungieren Sie auch als Präsident. Welches Resümee ziehen Sie für diese Dekade?

Ein sehr positives Resümee. Der Zusammenschluss hat problemlos geklappt. Die Spielklassenstrukturen sind gewachsen. Dass es unterschiedliche Meinungen gibt, gerade auch bei den Fahrtstrecken in solch einem großen Gebiet, ist klar. Aber wir haben es immer hinbekommen, das den Wünschen unserer Vereine entsprechend anzupassen.

Wie hat sich seit dem Zusammenschluss Ihrer Meinung nach der Fußball in der Region Döbeln entwickelt?

Die Vereine sind ohne jegliche Probleme eingegliedert worden. Auf die Wünsche wurde weitestgehend eingegangen. Klar ist Döbeln ein Randgebiet, das es nach allen Richtungen weit hat. Wenn es doch Probleme gab, dann haben wir versucht, das auf kurzem Dienstweg zu lösen. Und das hat bislang funktioniert.

Ende Mai ist eigentlich die Vorstandswahl fällig. Gibt es bereits Pläne, wenn diese nicht durchgeführt werden kann?

Noch gibt es keine Absage. Es kann sein, dass wir die Wahl durchführen können, wenn wir unter 100 Mann bleiben. Aber man muss abwarten. Die Entscheidung darüber muss Anfang Mai fallen. Einen Ausweichtermin haben wir für Anfang Juli geplant. Es wäre aus meiner Sicht schön, wenn die Wahl zu Beginn der neuen Saison schon durch wäre.

Mehr als die strukturellen Anforderungen brennen den Fußballern natürlich die sportlichen Belange unter den Nägeln. Glauben Sie, dass in den unteren Bereichen die Saison zu Ende gespielt werden kann?

Persönlich glaube ich das nicht. Ich sehe das genauso wie der Landesverband. Man sollte versuchen, die Pokalspiele über die Bühne zu bekommen und vielleicht in Nachwuchsbereich die Entscheidungsrunden, die Mitte bis Ende Juni geplant sind. Die würden wir schon gerne spielen wollen, wenn es gehen sollte. Damit jede Mannschaft noch mal irgendwann aktiv werden kann. Aber die Punktspiele, denke ich, werden nicht wieder aufgenommen werden können. Da sind die Voraussetzungen der einzelnen Mannschaften zu unterschiedlich, auch wenn manche Trainer signalisiert haben, mittwochs, freitags und sonntags spielen zu wollen. Aber das ist die Ausnahme und kaum praktikabel, denn es gibt ja derzeit ganz andere Probleme als den Fußball.

Im Handball zum Beispiel wurde im Nachwuchsbereich die Saison bereits für beendet erklärt, wobei es dort keine Auf- und Abstiegsregelung gibt. Für die Ligen wird gemeldet. Ist so eine Variante für eine Überbrückungszeit auch im Fußball denkbar?

Da bin ich mir nicht sicher. Wir würden da eher favorisieren, die neue Saison mit der gleichen Staffeleinteilung wie in der alten Serie zu beginnen. Aber auch da müssen wir uns dem Sächsischen Fußballverband anpassen. Es kann natürlich sein, dass der eine oder andere Verein vielleicht auf den Aufstieg verzichtet. Aber das Gerippe in den Ligen wird so bestehen bleiben.

Wäre die Wertung nach der Hinrunde eine praktikable Variante?

Dann wäre natürlich RB Leipzig Deutscher Meister (lacht). Ich denke, das Einfachste wäre im Zuge der Chancengleichheit ein Neustart.

Was wünschen Sie sich als Verbandspräsident für die kommenden Monate?

Dass alle gesund bleiben und von der Corona-Krise nicht betroffen werden, egal ob sie mit Fußball zu tun haben oder nicht. Ein Wunsch wäre, dass die Saison 2020/21 Ende August oder Anfang September ordentlich gestartet werden kann. Sollte das nicht gelingen, weil wir immer noch keinen Fußball spielen dürfen, dann würde das in der Zukunft, aus meiner Sicht, schon etwas komplizierter. Deshalb sollte der Saisonauftakt das oberste Ziel in unserem Verband sein. Garantieren kann den aber keiner, weil noch niemand weiß, wie es überhaupt weitergehen wird.

Das Gespräch führte Dirk Westphal.

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