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Riesa

„Nur massive Polizeipräsenz hilft“

Die Kiesgrube in Nieska ist beliebt. Der Anglerverein, der das Gewässer betreut, sieht das mit gemischten Gefühlen.

Maik Rühle ist Vereinschef der Riesaer Sportangler. Der Verein hat unter anderem die Nieskaer Kiesgrube unter seinen Fittichen. Vor allem illegale Badegäste sorgen dafür, dass im Sommer oft zu viel Unruhe ist, um zu fischen.
Maik Rühle ist Vereinschef der Riesaer Sportangler. Der Verein hat unter anderem die Nieskaer Kiesgrube unter seinen Fittichen. Vor allem illegale Badegäste sorgen dafür, dass im Sommer oft zu viel Unruhe ist, um zu fischen. © Eric Weser

Gröditz. Eigentlich, sagt Maik Rühle, ist es wie Urlaub, an die Kiesgrube nach Nieska zu kommen. Vier, fünf Stunden am Gewässer, und aller Stress sei vergessen. Den Chef des Riesaer Sportanglervereins zieht es im Sommer aber nur noch selten an den See. Anderen Fischern gehe es ähnlich.

Denn das Idyll an der Kiesgrube zieht vor allem an heißen Sommertagen so viele Menschen an, dass die Autos beinahe die Staatsstraße außerhalb des Geländes blockieren und die Feldwege ringsum voll sind. Die meisten kommen aber nicht, um zu angeln, sondern zum Baden, Grillen, etwas trinken, Ausspannen. Manche bringen Musik mit. Dann ist Party. Genau das Gegenteil jener Ruhe, die die Angler an ihrem See suchen.

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Auch an diesem späten Freitagnachmittag wabert in Nieska ein stampfender Rhythmus durch die Luft. „Das ist ja noch harmlos“, sagt Maik Rühle. Er will zeigen, was ihn und die Angler neben den Ruhestörungen am meisten an den illegalen Badegästen ärgert: der Müll.

Für Oktober planen Rühle und seine Vereinsmitglieder wieder eine Aufräumaktion. Eigentlich würden die Petrijünger gern ihre Angelstellen an den Seeufern in Schuss bringen. Eine Rampe für Rollstuhlfahrer soll gebaut werden. Aber zu all dem werden sie wohl nicht kommen. Weil schon absehbar ist, dass man wieder die Müllabfuhr für die illegalen Badegäste spielen muss. 

„Dass es eine halbe Tonne wird, kann ich jetzt schon garantieren“, sagt Vereinschef Rühle beim Rundgang, während er auf Fast-Food-Tüten und Plastebesteck zeigt, das den Boden säumt. Etwas abseits des Seeufers liegt Klopapier, daneben volle Kinderwindeln. Daneben Einweggrills, alte Luftmatratzen, unzählige Kronkorken, Zigarettenstummel. In einem Graben am Rand des Geländes, der einst gezogen wurde, damit keine Autos vom Feld her können, liegt Bauschutt. Maik Rühle fehlt dafür jedes Verständnis. Nicht nur, dass das unhygienisch und illegal sei.

„Alle reden doch von Natur und Umwelt. Wo ist denn bitte die Wertschätzung dafür?“ – Maik Rühle redet außerdem von Sicherheit. An verbuddelten Glasscherben im Sand könnten sich vor allem spielende Kinder verletzen, sagt der Angler, der selbst Vater ist.

Dass die Badegäste sich auch offenbar keinerlei Gedanken machen, dass sie mit ihren Holzkohlegrills die nahe Gohrischheide in Brand setzen könnten, versteht der Boritzer genauso wenig. „Da reicht ein Funke und der kann weit fliegen.“ Auch der See berge Gefahren. Rutschungen seien möglich, der Wasserspiegel in den beiden Seen sei in den letzten Jahren um gut anderthalb bis zwei Meter gesunken.

Fassungslos macht Maik Rühle auch der Vandalismus auf dem Areal. Da sind umgetretene junge Bäume an einigen Stellen. Abgerissene Hinweistafeln. Und die Schäden an den Angelstellen, die Vereinsmitglieder teils in akribischer Arbeit hergerichtet haben. Keine davon sei völlig intakt, sagt Rühle. Die Holzpfähle der Verbaue seien teils herausgerissen worden, manche sogar angezündet. Einige seien ins Wasser geschmissen worden. Dass die Angler selbst es sind, die die Schäden anrichten, daran glaubt der Vereinschef nicht.

Die Angler, sagt Maik Rühle, müssten sich mitunter sogar einiges von den „Besuchern“ anhören. Erst kürzlich sei ein Vereinsmitglied angemacht worden, was es auf dem Gelände zu suchen habe. Auch er selbst habe vor einiger Zeit noch Kontrollgänge gemacht, lasse das aber inzwischen, sagt Rühle. Aus Angst

Aggressive Grundstimmung

Teilweise seien „Gäste“ stark alkoholisiert und die Grundstimmung aggressiv. Immerhin: Ein Pärchen, das an diesem frühen Abend mit Hund am See unterwegs ist und von Maik Rühle gebeten wird, das Tier anzuleinen, kommt dem ohne Murren nach.

Das Frustrierende für die Angler sei, dass es so gut wie keine Handhabe gegen die ungebetenen Gäste gebe, sagt Maik Rühle. Um gegen die illegalen Besucher vorzugehen, müsse die Polizei gerufen werden. Der Anglerchef kann verstehen, dass die nicht immer kommt. „Aber akzeptieren muss ich es nicht.“ Und wie sieht es neben den Betreten-verboten-Schildern mit einem Zaun aus? 

Darüber sei schon nachgedacht worden, sagt der Vereinschef. Neben hohen Kosten für eine Umfriedung des 50-Hektar-Geländes steht für Maik Rühle die Effektivität des Ganzen infrage. „Ich garantiere, wenn wir vorn fertig sind, gibt es hinten das erste Loch.“ Das Einzige, was helfe, sei massive Polizeipräsenz. Zuletzt seien Beamte da gewesen und hätten Platzverweise ausgesprochen, habe er von Mitgliedern gehört. Das sei der richtige Weg.

Was die Aufräumaktion der Angler im Herbst angeht, hat Maik Rühle die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich vielleicht noch ein paar illegale Besucher mal ein Herz fassen und selbst etwas von ihrem Unrat bis dahin wegräumen. Es wäre ein Gefallen den Anglern gegenüber. „Aber der größte Gefallen, den uns die Badegäste tun können, ist der, wegzubleiben“, sagt Maik Rühle. Denn letztendlich habe außer den Anglern niemand etwas an der Kiesgrube in Nieska zu suchen.

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