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Das Ende der Star Wars-Saga

Mit „Der Aufstieg Skywalkers“ kommt endlich das bestgehütete Geheimnis der Filmbranche ins Kino. Wir haben den Film schon gesehen. Es lohnt sich.

Wenn wilde Wasser wallend wogen: Die gute Rey (Daisy Ridley) trifft auf den bösen Kylo (Adam Driver).
Wenn wilde Wasser wallend wogen: Die gute Rey (Daisy Ridley) trifft auf den bösen Kylo (Adam Driver). © PR

Von Martin Schwickert

"Die Toten sprechen“ lauten die ersten Worte des Buchstabenteppichs, der nun schon zum neunten Mal in die weit, weit entfernte Galaxie ausgerollt wird. Und mit den drei Worten wird das Überraschungspotenzial dieser letzten Folge der dritten Star-Wars-Trilogie erheblich erweitert. Denn wenn Tote sprechen, ist die Wahrscheinlichkeit auch groß, dass sie wieder auf der Leinwand auftauchen, schmerzhafte Abschiede zumindest für kurze Momente ihre Gültigkeit verlieren, verstorbene und nachfolgende Generationen im Star-Wars-Universum zusammenfinden.

Dabei wäre fast alles aufgeflogen. Der Plot eines neuen Star-Wars-Filmes unterliegt einer ähnlich strengen Geheimhaltungsstufe wie der Zugangscode zu nuklearen Sprengköpfen. Die Trailer sind so konzipiert, dass sie keinerlei Rückschlüsse auf die Handlung zulassen und gleichzeitig zu maximalen Spekulationsorgien im Internet anregen. 

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In Vorab-Interviews reden die Schauspieler gut gecoacht um den heißen Brei herum. Die Presse bekommt die Filme nur einen Tag vor Start mit strengen Embargo-Auflagen zu sehen. Und dann lässt einer aus dem Ensemble das Drehbuch unter dem Hotelbett liegen. Eine Reinigungskraft findet das supergeheime Skript, gibt es an einen Mittelsmann weiter, der es auf eBay verticken will.

Nur knapp konnte die Produktionsfirma den Verkauf vereiteln und die Vorfreude der ahnungslosen Fans weiter kultivieren. Und tatsächlich hat diese neunte Episode einiges an Überraschungen zu bieten, auch wenn hier vieles beim Alten bleibt. Schließlich musste Regisseur J. J. Abrams, der nur kurzzeitig für Folge 8 das Zepter aus der Hand gegeben hatte, auch diesmal wieder alte Traditionalisten und eine neu nachgewachsene Fangemeinde gleichermaßen bedienen. Das ist ihm in diesem Finale mit einigen Tricks aus den Bereichen Telepathie und Reinkarnation gelungen.

Sogar Carrie Fisher, die nach den Dreharbeiten zu „Die letzten Jedi“ verstarb, lebt in der Rolle der Prinzessin Leia weiter. Aus bereits gedrehtem Material haben die Digital-Ingenieure ihre Figur flüssig ins Geschehen hineingepixelt. Leia ist weiterhin die weise Matriarchin der Rebellenarmee, die in der letzten Folge stark dezimiert wurde. Alle Hoffnungen ruhen in der letzten Jedi-Ritterin Rey (Daisy Ridley), die jedoch immer noch mit ihren übernatürlichen Kräften und der damit verbundenen Verantwortung hadert. Zudem steht sie weiterhin in regem telepathischem Kontakt mit dem finsteren Kylo Ren (Adam Driver), der von Luke Skywalker (Mark Hamill) zum Jedi-Kämpfer ausgebildet wurde und dann auf die dunkle Seite wechselte. Die Hass-Liebe-Beziehung, die sich immer wieder in dekorativen Laserschwert-Kämpfen entlädt, ist das Kernstück des Finales. Damit treibt Abrams ein Grundprinzip der Star-Wars-Saga beherzt weiter, wo die Durchlässigkeit zwischen Gut und Böse stets für die wichtigsten Spannungsmomente sorgte.

Stormtroopers in einer Szene des Films "Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers".
Stormtroopers in einer Szene des Films "Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers". © Lucasfilm Ltd. & TM./Walt Disney

Verbunden sind Rey und Kylo Ren nicht nur durch ihre Jedi-Kräfte, sondern auch durch harte Brüche in der eigenen Familiengeschichte, mit der sie keinen Frieden finden können. Auch hier gibt es wieder verwandtschaftliche Enthüllungen, die einer Soap-Opera würdig wären. Spannend sind die Gefechte der beiden, die sich einander ins jeweils andere Lager zu ziehen versuchen, vor allem dadurch, dass sich mit Adam Driver und Daisy Ridley zwei junge, starke Schauspielerkaliber gegenüberstehen, die in dieser Folge für den stärksten Charisma-Input sorgen. Aber natürlich gibt es nicht nur das Psycho-Duell zwischen Gut und Böse, sondern auch handfeste ballistische Auseinandersetzungen. Schließlich hat die dunkle Seite kräftig aufgerüstet. Die „Erste Ordnung“ ist als Unterdrückungsregime passè. Nun droht die totale Machtergreifung der „Letzten Ordnung“ unter der Führung eines allmächtigen Strippenziehers mit hohem Wiedererkennungspotenzial. Abrams choreografiert die Schlachten zu Lande, zu Wasser und in der Luft mit durchaus kreativer Dynamik, indem er die riesigen Raumschiff- und Waffenarsenale des Bösen immer wieder mit der wendigen und anarchistisch anmutenden Flotte der Rebellen konfrontiert.

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Ihren Anteil an den gelungenen Schauwerten haben hier auch die Produktionsdesigner. Das Lager der Rebellen ist ein Dschungelcamp, in dem es prächtig wächst, wuchert, kreucht und fleucht. Der finale Schwertkampf zwischen Rey und Kylo Ren wird auf einem riesigen Wrack im Meer ausgetragen. Das sind Kinobilder, die im Gedächtnis bleiben und auf dem iPhone-Display nicht zur Geltung kommen werden. Anders als so manches andere Franchise-Finale erstickt „Der Aufstieg Skywalkers“ nicht in brachialem Digitalgemetzel, sondern findet eine gute Balance zwischen halsbrecherischer Action und spannender Figurenentwicklung. Schluss ist mit diesem Finale jedoch noch nicht. Denn im Star-Wars- Universum ist nach der Trilogie immer auch vor der Trilogie. Und so lange wie bei George Lukas müssen die Fans bei „Disney“ sicherlich nicht warten.

Bewertung: ⬛⬛⬛⬛⬜

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