SZ +
Merken

Das Ende der Schlager

Jürgen Drews lockt am Sonnabend 200 Gäste in die „Zwei Linden“. Zu wenig, sagt der Betreiber. Jetzt wird das Konzept geändert.

Teilen
Folgen

Von Jenny Ebert

Eine Palme, Liegestühle, Eimer voll Sangria und Strohhalme – am Sonnabend herrscht Mallorca-Stimmung in den „Zwei Linden“ in Rauschwalde. Jürgen Drews hat sich angekündigt. „Wir wollen den mal im Original sehen, bevor wir einfach schlecht über ihn reden“, erklären drei Frauen mittleren Alters lachend den Grund ihres Besuchs. Romy Büchey und Karoline Kuschleb, beide 19 Jahre und aus Görlitz, haben andere Gründe in die Diskothek getrieben: „Wir sind Stammkunden und jedes Wochenende hier. Jürgen Drews? Naja, ist zumindest mal was Anderes.“

Diskothekenbetreiber Günter Simchen schaut gegen 23 Uhr nicht sehr optimistisch in den Saal. „Die Görlitzer reden alles kaputt, schrecklich!“ 110 Leute sind zu diesem Zeitpunkt da, zu wenige für einen teuren Stargast wie Jürgen Drews. Als der gegen 0.45 Uhr endlich die Bühne betritt, sind zirka 200 Gäste anwesend. Eine etwa 90-köpfige Gruppe versammelt sich direkt vor der Bühne und feiert gemeinsam mit dem „König von Mallorca“, als der Drews sich gleich präsentiert: „Wenn ihr mit mir Party machen wollt, schaltet für eine Stunde euren Verstand aus.“ Die Stimmung steigt bei Zeilen wie „Wir wollen hüpfen, hüpfen, hüpfen, wollen Spaß“ oder „Nee, was ist das schön“. Drews zeigt sich als Star zum Anfassen, klettert hinunter ins Publikum und holt einzelne Gäste auf die Bühne.

Günter Simchen steht neben der Bühne, raucht eine Zigarre und schaut lachend zu. „Der ist knallhart! Trinkt keinen Alkohol, nix! Und wird bald 63 Jahre alt!“ Das ist Drews auf der Bühne tatsächlich nicht anzusehen. Mit der Stimmung ist Simchen zufrieden. „Die Görlitzer zu bekommen, ist immer schwer. Aber die hier sind, feiern super mit.“ Auf der Bühne tanzen mittlerweile sieben Leute, vor der Bühne ist es übersichtlicher geworden. Erst als die alten Hits wie „Ein Bett im Kornfeld“ und „Irgendwann“ erklingen, kommen wieder mehr Gäste näher und tanzen.

Bitte nach mehr Geselligkeit

„Die Stimmung ist nirgends so wie bei Schlagern“, sagt Günter Simchen am Bühnenrand. Bernhard Brink, Cora, Andreas Martin – sie alle waren bereits in den „Linden“ im Laufe des vergangenen Jahres. „Es war immer ähnlich voll wie heute“, so Simchen, „nur Brink ist gefloppt. Ich weiß auch nicht, was man noch machen soll.“ Die Leute müssen wieder mehr Geselligkeit zeigen, mehr vor die Tür gehen, sagt Simchen. „Wir versuchen ja schon alles. Und wenn hier Tanzschulveranstaltungen sind, gefällt das allen. Aber die Leute müssen eben auch kommen.“ Ihm reicht es jetzt, die Schlagerschiene in den „Linden“ endet mit dem Drews-Auftritt. „Wir fahren weiter die Jugendschiene, dorthin haben uns die Leute ja sowieso geschoben.“

Auch Jürgen Drews selbst ist nach seinem Auftritt nicht zufrieden: „Es war ja nix los.“ Gleich nach der Wende sei er das letzte Mal in Görlitz gewesen. „Komisch. Hab’ ich keine Lobby mehr? Der Laden hier ist gut!“ Ja, er könne sich vorstellen, wiederzukommen. „Aber nur, wenn mehr los ist. Genau die Sorte Leute, aber viel mehr davon.“