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Das Erfolgsgeheimnis der Mondscheinführung

Das Stadtmuseum entführte am Wochenende wieder Hunderte Bürger in Riesas Vergangenheit. Warum diese Art der Geschichts- erzählung so beliebt ist.

Riesa. Die Mondscheinführung begeisterte wieder hunderte Riesaer und Gäste unserer Stadt. Diesmal konnten die Besucher etwas über Mergendorf erfahren, das am kommenden Wochenende 800. Geburtstag feiert. An zehn Stationen bekamen sie am Wegesrand einen Eindruck davon, was sich in der Vergangenheit dort ereignete. Die SZ sprach mit Museumsleiterin Maritta Prätzel über das erfolgreiche Konzept der beliebten Veranstaltung.

Frau Prätzel, es gab kaum Werbung vor der Mondscheinführung. Ist die gar nicht nötig?

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Nein, die ist tatsächlich nicht nötig. Anfang des Jahres kann man die Karten reservieren, im März beginnt dann der Vorverkauf. Innerhalb kürzester Zeit sind die Karten vergriffen. Werbung hätte daher sogar den Effekt, dass wir Interessenten enttäuschen müssten, die erst dadurch auf die Veranstaltung aufmerksam geworden sind, und dann aber doch keine Karte bekommen. Mehr als rund 600 Gäste an zwei Abenden können aber nicht teilnehmen.

Könnten Sie nicht noch einen weiteren Abend dazu nehmen?

Die Mondscheinführung ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Wir haben unsere Kapazitätsgrenze aber jetzt auf jeden Fall erreicht. Die Schauspieler spielen die Szenen jetzt schon neunmal pro Abend. Das sind immerhin jeweils vier bis fünf Stunden. Das erfordert vollen Einsatz. Wir haben vor vier Jahren einen Tag dazu genommen, um noch mehr Leuten die Teilnahme zu ermöglichen. Mehr ist einfach nicht drin. Die Schauspieler sowie alle anderen Beteiligten machen das ja in ihrer Freizeit. Sie sind in der Schule, beim Studium oder im Beruf voll gefordert. Aus Sicht der Gäste ist es gut, dass wir die Gruppen nicht noch größer machen. Bei 30 bis 35 Leuten pro Führung kann jeder noch sehr gut verfolgen, was am Wegesrand passiert. Noch größere Gruppen wären aus meiner Sicht dem Anliegen deshalb nicht dienlich.

Geschichte ödet viele an. Wie erklären Sie sich das Interesse an der Führung, bei der Historie ja im Zentrum steht?

Es ist durchaus nicht so, dass die Menschen kein Interesse für Geschichte haben. Ich denke, dass der Mix aus Informationen und Unterhaltung die Mondscheinführung ausmacht. Natürlich gehören Spaß und das Ambiente dazu. Es ist die besondere Form, wie wir Geschichte vermitteln. Eine Rolle spielt sicher auch, dass die Veranstaltung eine breite Unterstützung findet. Es schlüpfen ganz junge und sehr gereifte Mitwirkende in die Rollen, auch stadtbekannte Persönlichkeiten, die man sonst nur mit Schlips und Kragen sieht. Hinter den Kulissen sorgen viele für einen reibungslosen Ablauf. Den ganzen Aufwand honorieren unsere Gäste mit ihrer Aufmerksamkeit.

Kommt das Geld, das Sie dabei einnehmen der Museumskasse zugute?

Die Mondscheinführung soll keine kommerzielle Veranstaltung sein, bei der Gewinne erzielt werden. Ich denke, das ist auch ein wesentlicher Grund für die große Bereitschaft. Sie soll für alle erschwinglich sein. Die Kosten für Kostüme, Kulissen und Requisiten, Logistik und Versorgung werden durch die Eintrittsgebühren gut gedeckt und das ist unser Ziel.

Das Gespräch führte Britta Veltzke